Alkaline Trio - Is this thing cursed?

Alkaline Trio- Is this thing cursed?

Epitaph / Indigo
VÖ: 31.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Drei von der Punkstelle

Ziemlich schnell ging das, als Matt Skiba Anfang 2015 einen Anruf von Mark Hoppus erhielt, ob er denn nicht für zwei Festival-Shows bei den unerwartet zum Duo geschrumpften Blink 182 aushelfen könne, da Tom DeLonge nicht länger Mitglied der Band sei. Skiba stimmte nach kurzem Überlegen zu, aus zwei Konzerten wurden erst nur ein paar Shows mehr, wurden gemeinsame Aufnahme-Sessions zu "California", dem letzten, gar nicht verkehrten Album der Weltstar-Pop-Punks, wurde eine komplette Tournee. Fans von Alkaline Trio, Skibas eigentlicher Hauptband, schauten sich das Gastspiel des Gitarristen und Songschreibers mit gemischten Gefühlen an und goutierten dessen Umzug von Chicago nach Kalifornien als ungutes Zeichen. Sollte die Zukunft der alkalischen Drei nun tatsächlich verflucht sein?

Aber nicht doch! Schließlich ist da mit Bassist Dan Andriano ein weiterer Kreativkopf, und auch Skiba verschwendete keinen Gedanken daran, nach Alkaline Trios 2013er-Album "My shame ist true" die weiße Flagge in Richtung der Dämonen zu wedeln. So warf man Ende 2017 in Fernkonferenz beidseitig Material zusammen und nahm das neunte Studioalbum mit dem vielsagenden Titel "Is this thing cursed?" flugs im kalifornischen Culver City auf. Gerade einmal zwei Wochen dauerte das, doch wenn eine Band im Zusammenspiel so blind funktioniert wie diese, dann darf man sich über nicht weniger als eine tolle Platte mit Nostalgiefaktor wundern. Weil Song drei "Demon and division" heißt, von inneren Dämonen und deren Bekämpfung handelt und eine wunderbare Bridge hat. Weil Andrianos fieser Basslauf, Skibas sehnsüchtig jaulende Gitarren und Derek Grants fokussiertes Drumming schnell harmonieren. Weil man den wohligen Schauer, entfacht auch durch Skibas und Andrianos knödelige Stimmen, vermisst hat. Und weil man bei kaum einer Blind-Listening-Session kürzer nachdenken müsste, welche Truppe da wohl gerade ertönt.

Der düster angehauchte, aber immer melodische und poppige Punkrock der Amerikaner hat mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnte auf dem Buckel und ist spätestens seit dem tollen "Maybe I'll catch fire" aus dem Jahr 2000 äußerst fahrtüchtig, während das kleine Meisterwerk "From here to infirmary" nach wie vor Ehrenrunden auf dem Plattenteller genießt. Lauscht man Mini-Hits wie das sich zwischen Sonne und Halbschatten windende "Blackbird", hat sich im Bandsound wenig verändert, doch Produzent Cameron Webb rückt "Is this thing cursed?" stets ins passende Licht: von druckvoll und fast euphorisch wie bei "Little help" und dem kaum zweiminütigen, bittersüßen Galopper "Pale blue ribbon", bis leicht melancholisch wie dem abschließenden, akustischen "Krystalline" oder "Goodbye Fire Island". Letzteres ist eine Ode gegen die Tonnen an Plastikmüll in den Ozeanen, gleichzeitig aber auch ein Seitenhieb auf die unglaublichen Vorfälle rund um das "Fyre Festival" 2017.

Auf diesem konstant starken Album fällt es fast schwer, Highlights zu picken. "I can't believe" baut auf Schlagzeug und Gitarre einen cleveren, verstörenden Druck auf, der sich im butterweichen Refrain langsam auflöst. "Stay" lässt Skibas Stimme im Abendrot leuchten, eine kleine Orgel agiert im Hintergrund, hängt schon mal die Lichterkette auf, und alles ist bereit für einen langen Kehraus mit den Besten. Das von Andriano vorgetragene, kantige "Worn so thin" pflegt etliche kleine Punkrock-Haken ein, an die sich auch das forsche wie zynische "Throw me to the lions" krallen will, doch dies scheitert wegen der zähnefletschenden Gitarre in der Strophe und dem alles überbordenden Doppeldecker-Refrain. Super gelingt auch der ungewöhnliche Auftakt mit dem Titelsong, der den Hörer zunächst im Trockenen aufs Surfbrett stellt und nach clever reduziertem, mit Pianoklängen verziertem Einstieg eine hymnische Welle auf drei Akkorden entfacht, welche die Bandpause nach nur 52 Sekunden hinwegspült und die Begeisterung für Alkaline Trio, die ewigen Punkrock-Dämonen, aufs Neue voll entfacht. Gewohnt schnell ging das.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Is this thing cursed?
  • I can't believe
  • Worn so thin
  • Throw me to the lions

Tracklist

  1. Is this thing cursed?
  2. Blackbird
  3. Demon and divison
  4. Little help
  5. I can't believe
  6. Sweet vampires
  7. Pale blue ribbon
  8. Goodbye Fire Island
  9. Stay
  10. Heart attacks
  11. Worn so thin
  12. Throw me to the lions
  13. Krystalline

Gesamtspielzeit: 41:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Klusen
2018-09-06 06:42:09 Uhr
Schöne Rezension! Kleine Korrektur, "Stay" lässt Andrianos Stimme im Abendrot leuchten ;)
Master
2018-09-04 01:40:05 Uhr
Schoene Spaetsommerplatte, macht Spass.
Interressiert sicher keine Sau, aber was machen Cure und Smiths in den Referenzen?

7/10

eric

Postings: 1924

Registriert seit 14.06.2013

2018-09-03 09:46:00 Uhr
Bin auch immer noch sehr begeistert. Hätte "My shame is true" maximal die 6/10 geben, insofern passt eine (starke) 7/10 für mich hier gut. Eine 8 hätte ich vertreten, wenn "Sweet vampires" und "Heart attacks" ebenso stark wären wie der Rest.
Milo (unangemeldet)
2018-09-02 16:53:17 Uhr
Meines Erachtens viel stärker, spielfreudiger und runder als "My Shame is true". Stärkstes Album seit Crimson. Im Alkaline-Kosmos eine 8/10.
Ptr Pnk
2018-09-01 21:31:42 Uhr
Jazz wie ich ihn mag.
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