Tunng - Songs you make at night

Tunng- Songs you make at night

Full Time Hobby / Rough Trade
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Elektr(on)isches Schäfchenzählen

Heute mal ein bisschen Plattentests.de-Geschichte: Ex-Kollege Andreas Menzel eröffnete seine Besprechung zum Tunng-Album "Turbines" mit der Theorie, eine Kritik würde umso kürzer ausfallen, je durchschnittlicher die entsprechende Platte ist – und schenkte besagtem Album dann selbst nur noch zwei Absätze. Zuvor hatte Ex-Kollegin Natascha Leo schon für den Vorgänger "…And then we saw land" eine der kompaktesten Rezensionen verfasst, die diese Website je gesehen hat. Sind die armen Tunng wirklich allen so egal? Allzu weit hergeholt scheint der Gedanke nicht, redet der Rezensent ja auch hier gerade lieber um den heißen Brei herum, anstatt mal zur Sache zu kommen. Die britische Folktronica-Truppe ist aber auch ein bisschen selbst schuld, denn wo sich ihr Line-Up über die Jahre stetig änderte, gilt das für ihren Sound schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Auch ihr sechster Streich "Songs you make at night" markiert keinen nennenswerten Wendepunkt, obwohl er zum ersten Mal seit über einer Dekade die Gründungsmitglieder und Band-Köpfe Mike Lindsay und Sam Genders wiedervereint.

"Alles beim Alten" ist eben nicht nur eine Floskel: Im Gegensatz zur Laura-Marling-Kollaboration "Lump" tritt Lindsay hier, unterstützt von Becky Jacobs, wieder selbst ans Mikro, während sich dahinter ein Synthesizer-Best-Of der letzten 40 Jahre um Songgerüste aus Folk oder Pop spannt. Das äußert sich mal in verträumten, feinziselierten Arrangements wie im Opener "Dream in", der mit seiner Verbindung aus organischen Instrumenten, vertrackter Rhythmik und Elektronik an Múm erinnert, mal in direkteren, fast schon im R'n'B zu verortenden Ansätzen wie in "ABOP". Mit den vielen Details, den unerwarteten Samples und Geräuschen bleibt das Album zwar durchweg unterhaltsam, es fehlt aber ein bisschen der letzte Faktor der Unberechenbarkeit, weil Tunng ihre Ideen auch schon subtiler und spannender in Szene setzen konnten. Einzig in "Nobody here" läuft das Sextett zur Topform auf, ein Meisterstück der Dynamik, das mit bedrohlichen, dissonanten Tastenklängen startend in ein Meer aus Synthies, Gitarren und Percussion abtaucht, ohne je den Song aus dem Blick zu verlieren.

Ein loses Konzept schwebt über "Songs you make at night", es soll etwa um Träume, Schlafwandeln und die Ruhe der Nacht gehen. Hieraus einen Vorwurf der Schläfrigkeit zu entspinnen, wäre einfach, aber auch nicht richtig, denn fehlender Zug ist hier mitnichten ein Problem. Im Gegenteil ist "Dark heart" als pulsierender New-Wave-Hit vielleicht der simpelste, aber vor allem einer der mitreißendsten Songs der Band. Auch "Flatland" entwickelt trotz seiner – übrigens tollen –­ Schunkelmelodie wahnsinnig viel Dringlichkeit, in erster Linie durch seine verspielte Gitarrenarbeit. Generell kann man Tunng nicht wirklich viel ankreiden, hier sind noch immer äußerst kompetente Songwriter und Arrangeure am Werk, nur statten sie ihre Musik mittlerweile leider mit etwas zu wenigen Momenten aus, die mehr als ein anerkennendes Nicken als Reaktion hervorrufen. Weil solider Durchschnitt aber auch Spaß machen kann, ist das nicht allzu schlimm und somit können zu den Ambient-Klängen von "Like water" alle Beteiligten wohlig einschlummern. Ex-Kollege Menzel, weil er mit seiner Theorie durchaus ein bisschen Recht hatte. Tunng, weil sie uns trotz allem natürlich überhaupt nicht egal sind. Und der Rezensent, weil er Lindsay und Co. zumindest ein paar Worte mehr gönnen konnte als seine Vorgänger.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Dark heart
  • Flatland
  • Nobody here

Tracklist

  1. Dream in
  2. ABOP
  3. Sleepwalking
  4. Crow
  5. Dark heart
  6. Battlefront
  7. Flatland
  8. Nobody here
  9. Evaporate
  10. Like water
  11. Dream out

Gesamtspielzeit: 42:21 min.

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User Beitrag

AndreasM

Postings: 376

Registriert seit 15.05.2013

2018-08-25 16:19:43 Uhr
Nein, nein, das passt schon. Im Forum lese ich schon noch regelmäßig und ab und an beteilige ich mich auch noch mit einem Beitrag. Die Einladung jetzt konnte ich kaum ausschlagen und über die neue Tunng-Platte gibt es ja offenbar auch nicht so viel Weltbewegendes zu berichten ;)

Marvin

Postings: 17

Registriert seit 27.04.2018

2018-08-24 16:17:23 Uhr
Gruß zurück :)

Bist du noch hier aktiv? Nicht, dass ich dir mit dem "Ex"-Präfix Unrecht tue.

AndreasM

Postings: 376

Registriert seit 15.05.2013

2018-08-24 13:38:59 Uhr
Grüße an den neuen Kollegen! ;)

Armin

Postings: 12904

Registriert seit 08.01.2012

2018-08-21 21:22:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

myx

Postings: 503

Registriert seit 16.10.2016

2018-05-17 07:24:12 Uhr
Was ich schon angesichts des ersten neuen Songs "Flatland" vermutet habe, ist nun Tatsache: Es wird ein neues Album geben ("Songs you make at night"), das am 24. August erscheint.

Einen weiteren Vorabsong, "ABOP", gibt es auch. Haut mich nicht ganz so vom Hocker wie "Flatland", gefällt mir aber trotzdem gut mit seiner Luftigkeit. Wunderbuntes Video ausserdem! Hier geht's zu den Songs:

"Flatland"
https://www.youtube.com/watch?v=tWNiQarh0Cg

"ABOP"
https://www.youtube.com/watch?v=ovVOUeKjaNU
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