Tash Sultana - Flow state

Tash Sultana- Flow state

Lonely Land / Sony
VÖ: 31.08.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Tash Santana

Die Welt liebt Ed Sheeran. Und seine Geschichte. Vom Straßenmusiker zum Weltstar. Das triggert Hoffnung und Wünsche zugleich an und birgt Identifikationspotenzial für Millionen von Menschen. Nachdem der rothaarige Brite mittlerweile nur noch in ausverkauften Stadien spielt, ist wieder Platz für neue Helden. An diese Stelle tritt nun Tash Sultana. Drei Konzerte in der Brixton Academy und alle Termine der Deutschlandtour sind bereits ausverkauft, bevor das Debüt "Flow state" überhaupt erschienen ist. Alles begann mit ein paar Schlafzimmeraufnahmen und dem ersten Hit "Jungle", welcher via YouTube von Australien um den ganzen Globus ging. Seither ist die Erwartungshaltung enorm, und selten war der Begriff "Hype" so berechtigt wie hier. Hinweis, bevor die Rezension weitergeht: Tash Sultana ist non-binär und ließ die Medien um Berücksichtigung bitten, deswegen tauchen auch in diesem Text keine Pronomen wie "sie" oder "er" auf.

Über eine Millionen Fans auf Facebook und mehr als eine halbe Millionen Follower bei Instagram und Spotify sprechen bereits eine klare Sprache und zeigen deutlich, welch ein Druck auf Tash lastet. Trotz psychischer Probleme, früherer Drogensucht und dadurch einhergehender Konzertabsagen hat Tash es geschafft, "Flow state" fertig zu bekommen. Das ist großartig, auf musikalischer Ebene werden die Erwartungen überwiegend erfüllt. Das Intro "Seed" und der erste Song "Big smoke" klingen bereits groß. Gitarren werden geloopt, der Halleffekt gaukelt die Arena vor, Tashs Talent und Leidenschaft zeigt sich in jeder Note und Melodie. Vor allem im ersten Albumhighlight "Cigarettes", welcher nach einem Gitarrensolo der Marke Santana für einen unerwarteten, aber spannenden Bruch sorgt, zeigt sich Tashs Kreativität. Der 90er-RnB-Song ist warm, strahlt eine entspannte Ruhe aus, ist clever arrangiert und im Gegensatz zu den ersten Veröffentlichungen radiotauglicher komprimiert. Dank des abschließenden Gitarrensolos verliert der Track nicht den Tash-typischen Jamcharakter.

Das Interlude "Seven", ein weiteres Albumhighlight, kommt vollständig ohne Gesang aus und sorgt ab Minute 02:48 für eine Kavinsky-meets-DJ-Shadow-meets-Blade-Runner-Vibe-Gänsehautstimmung. Für diesen kurzen Moment lohnt sich der Repeatknopf. Gesanglich erinnert Tash Sultana phasenweise an Adele und immer wieder an Nelly Furtado. Vor allem im bereits bekannten "Murder to the mind" wird die Referenz zur "Turn off the light"-Sängerin deutlich. Im späteren "Harvest love" gibt es sogar kurze PJ-Harvey- und Chelsea-Wolfe-Momente. Wie in der ersten Single "Salvation" bereits angedeutet, ist der Selbstheilungsprozess zentraler Teil des Albums. Tash richtet den Blick nach vorn, und oft scheint es so, als sei die Musik dabei der wichtigste Rettungsanker und die Energiequelle.

Die qualitativ hohe Instrumentalarbeit ist an jeder Stelle des Albums zu vernehmen, alle der zu hörenden fünfzehn Instrumente hat Tash selbst eingespielt. Zum Ende des Albums nimmt der Spannungsbogen jedoch ab, beinhaltet beipielsweise mit "Mellow marmelade" und "Mystik" einige Filler, welche sich kaum mehr von den anderen Tracks unterscheiden lassen. Der Abschlusstrack "Blackbird" ist so spannend, wie wenn auf einer WG-Party im Wedding der leicht bekiffte Achtsemestler aus dem Gender-Studies-Kurs auf einer zufällig entdeckten Akustik-Gitarre "Wonderwall" anstimmt. Abgesehen von diesem neunminütigen Ausfall und den wenigen Fülltracks ist "Flow state" ein Album mit schönen und hörbar gefühlvollen Momenten. Dem Druck wurde standgehalten oder er wurde einfach ignoriert. Tash spielt groß auf, perfektioniert den eigenen Stil und wirkt dabei zufrieden und befreit. Die Welt wird Tash Sultana lieben.

(Sebastian Schiller)

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Highlights

  • Cigarettes
  • Murder to the mind
  • Seven

Tracklist

  1. Seed (Intro)
  2. Big smoke
  3. Cigarettes
  4. Murder to the mind (Album Mix)
  5. Seven
  6. Salvation
  7. Pink moon
  8. Mellow marmalade
  9. Harvest love
  10. Mystik (Album Mix)Free mind
  11. Blackbird
  12. Outro

Gesamtspielzeit: 61:00 min.

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User Beitrag
Come on
2018-09-11 20:06:56 Uhr
War vorgestern besoffen unterwegs und draußen hat das jemand pink moon über ne bluetooth box abgespielt. bin hingegangen und hab gefragt, was das ist, weil total zugetrönnt.

edegeiler

Postings: 1051

Registriert seit 02.04.2014

2018-09-11 00:16:09 Uhr
War vorgestern besoffen unterwegs und draußen hat das jemand pink moon über ne bluetooth box abgespielt. bin hingegangen und hab gefragt, was das ist, weil krass.

kapomuk

Postings: 15

Registriert seit 25.08.2014

2018-09-05 22:43:09 Uhr
Mich beeindrucken Menschen, die nicht mal halb so alt sind wie ich und schon rausgefunden, was „ihr Ding“ ist.

Tash Sultana hat in ihrem jungen Leben nicht nur enorme instrumentale und vokale Fähigkeiten entwickelt, sondern sondern auch konsequent durchgesetzt, auf dem ersten Album alles selbst einzuspielen - Hut ab!

Die Musik gefällt mir – besonders wegen der stqrken Gitarren-Orientierung. Der Sound der Wohnzimmer-Loopstation-Videos ist erhalten geblieben.
Bah
2018-09-01 20:33:16 Uhr
Der geht mir im Keks!
@yanquiii
2018-09-01 11:33:32 Uhr
Du arrogantes Stück Etwas.
Das seinen anderen Mitmenschen nicht's gönnt.
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