Passenger - Runaway

Passenger- Runaway

Cooking Vinyl / Sony
VÖ: 31.08.2018

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der einsame Liedermacher

Wie befriedigend ist es, wenn jahrelange harte Arbeit belohnt wird? Im Fall von Michael Rosenberg alias Passenger wahrscheinlich sehr befriedigend. Die Geschichte des bei Radio-Redaktionen sehr beliebten Songwriters ist mittlerweile den meisten bekannt: Obwohl Rosenberg bereits seit seiner Kindheit Gitarre spielt und seine ersten Auftritte mit 16 hatte, war es für ihn ein langer Weg zum Erfolg. Zuerst als Band Passenger, später als Soloprojekt veröffentlichte er Musik am laufenden Band und hat bis heute nicht damit aufgehört. Durch einen Live-Mitschnitt erlangte der aus Brighton stammende Sänger zuerst in Australien Berühmtheit, später besetzte er in mehreren Ländern mit der nasalen Schmusesingle "Let her go" die Spitze der Charts.

Auch wenn es wie gestern erscheint: Die Veröffentlichung des Kuschelhits ist bereits über fünf Jahre her. Doch warum am Höhepunkt seiner Karriere aufhören, wenn noch so viel Output ansteht? Seitdem veröffentlichte Passenger vier weitere Alben und konnte beispielsweise in Australien auch an seinen Erfolg anknüpfen. Mit "Runaway" platziert er nun weitere Songs in die Chart-Startlöcher. Ob er damit durchkommt, bleibt abzuwarten. Stücke wie der vom Banjo angeführte Opener "Hell or high water" und das minimalistisch instrumentierte "Ghost town" sind direkt nach Verklingen schon wieder vergessen und damit kaum angemessener Lokalradio-Ersatz für "Let her go". Der Titelsong trägt mit Trompeten, rhythmischen Brüchen und Tempowechseln zwar dicker auf, brennt sich aber auch nicht lange im Gedächtnis ein.

Die bekannte Problematik setzt sich auch auf "Runaway" fort: Wie Kollege Heinecker bereits vor zwei Jahren feststellte, bedient Passenger jedes nur erdenkliche Klischee des einsamen Liedermachers mit Gitarre: das sanft-sentimentale Säuseln in der glasklaren, bodenständigen Stimme, die pure Sehnsucht in allen Songs, die einfach gehaltenen Melodien, die nicht von den schmerzerfüllten, die Freiheit feiernden oder aus Liebe verfassten Zeilen ablenken sollen. Im Kern vereinen alle zehn Songs diese Herangehensweise, klingen mal folkiger wie "Let's go", mal poppiger wie "Survivors" – aber keins schafft es, herauszustechen. Und wenn man sich "Runaway" und seine Vorgänger mal eine Weile auf der Zunge zergehen lässt, wird immer klarer, warum es so viele Jahre gedauert hat, bis Passenger einen Hit gelandet hat.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

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Tracklist

  1. Hell or high water
  2. Why can't I change
  3. Heart to love
  4. Let's go
  5. He leave you cold
  6. Ghost town
  7. Runaway
  8. Eagle bear buffalo
  9. To be free
  10. Survivors

Gesamtspielzeit: 42:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Moni
2018-09-01 10:19:00 Uhr
es geht auch anders! hier geht es zwar um Honig, dennoch vergleichbar

https://www.prettyinnoise.de/honig-the-last-thing-the-world-needs.html

Vielen Dank für deine Rezension. Finde ich sehr sympathisch, dass du die Platte/den Künstler nicht abwertest, auch wenn das nicht deine Musikrichtung ist. Du bewertest so objektiv wie es für dich geht und das ist toll. Für mich ist es immer heftig ne Kritik zu lesen, in der klar wird, dass derjenige die Musik (oder/und den Künstler wegs Stimme oder Radiotauglichkeit) überhaupt nicht mag und die Objektivität in der Rezi dadurch total verloren geht. Das endet meist in einer rigorosen Abstrafung. Der Musiker hatte quasi schon vor dem Hören so gut wie keine Chance bei der Rezension gut abzuschneiden. Da könnt ich heulen. Danke dir für den Respekt, den du dem Künstler gegenüber gewahrt hast. Hat mich sehr gefreut deine Worte zu lesen. Vielen ist glaub nicht bewusst, welche Verantwortung man als Rezensist trägt. Die Berichte werden von vielen Menschen gelesen und somit kann es die beste oder eben auch die schlechteste Werbung für einen Künstler sein.
Alfonso
2018-09-01 09:13:25 Uhr
Das an der Straßenecke war nicht Passenger, sondern einer der weltweit 30 Millionen Typen, die genau gleich aussehen, die gleiche Säuselstimme haben und den gleichen Klischee-Kuschelpop für 14-jährige Mädchen machen.
Perd Popcorn
2018-08-31 22:02:19 Uhr
@musie echt? so etwas macht er? Haben ihn viele Leute erkannt?

musie

Postings: 2235

Registriert seit 14.06.2013

2018-08-31 07:52:21 Uhr
das ist nun wirklich das beste Passenger album von allen. erstmals keine ausfälle. 4/10 dafür ist ein witz. bloss schon to be free ist ergreifend.
wenn man die stimme nicht mag oder das sonstwie grundsätzlich schrecklich kitschig etc findet (das gilt dann aber auch für seine anderen alben), sollte man die finger von einer rezi lassen. es gibt me keinen vergleichbaren liedermacher, der seit jahren um die welt reist und derartige songs schreibt. ich hab ihn letzten sommer zufällig in bern gesehen, als er incognito an einer strassecke mit seiner gitarre gespielt hat.

nörtz

Postings: 4460

Registriert seit 13.06.2013

2018-08-29 13:49:55 Uhr
Wenigstens ist da keine gute Musik, die diese Stimme kaputtmachen kann. Trivialer Pop, der in Kitsch ersäuft. Kitsch! Dieser Musiker ist der personifizierte Kitsch.

Fehlt nur noch ein Musikvideo, in dem irgendwelche niedlichen Kuscheltiere und Frauen vorkommen, dazu irgendeine Lovestory. Gabs das nicht mal von Ed Sheeran oder den späten Coldplay? In die Reihe passt der gute Passenger auch rein. Darüber freut sich dann auch die Ü40-Hausfrau, kann sie so doch noch einmal ihre erste Liebe geistig wiedererleben. Im tristen Hausfrauenalltag gibt es so etwas ja nicht mehr.

Danach gibts dann noch eine herzerwärmende Nicolas-Sparks-Verfilmung. Dazu würden die Songs von Passenger auch gut passen.

Kitsch, Kitsch, Kitsch...
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