Ariana Grande - Sweetener

Ariana Grande- Sweetener

Republic / Universal
VÖ: 17.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Lachen, weinen, tanzen

"Here is my bleeding heart and here is a trap beat behind it", beschrieb Ariana Grande jüngst im Interview ihr viertes Album "Sweetener". Nun gut, Trap spielt keine große Rolle auf der Platte, aber die Aussage ist offenbar auch mehr programmatisch zu verstehen. Seit dem Vorgänger "Dangerous woman" ist viel passiert, was die Mittzwanzigerin Grande erst mal verkraften musste. Neben der diesjährigen Trennung von Mac Miller und der Verlobung mit Comedian Pete Davidson steht vor allem die Terrorattacke in Manchester wie ein Elefant im Raum. Am 22. Mai 2017 tötete ein Selbstmordattentäter durch eine Sprengstoffzündung nach ihrem Konzert 22 Besucher. Sie habe drei Monate lang nicht wirklich funktioniert, im Limbo gehangen, erzählt Grande. Der Abschlusstrack "Get well soon" wird nicht nur als Tribut an die Opfer durch einige zusätzliche Sekunden Stille in Anspielung auf das Datum auf die Laufzeit 5:22 gebracht, sondern zeichnet auch den Verlust hin zur Selbstfindung nach. "My life is so controlled by the what ifs / Girl, what is wrong with you? / Come back down." Der überaus tolle Refrain hebt alles zum Ende auf eine neue Ebene.

Was macht "Sweetener" sonst davor? Das vollkommen zurecht zum internationalen Hit gewordene "No tears left to cry", unter anderem aus der Feder Max Martins, täuscht nur ein paar Takte lang eine sentimentale Verarbeitungsnummer an, um mit einem grandiosen Break in die Parade zu fahren – ganz im Sinne der eingangs erwähnten Beschreibung. Dass der Song erst in der zweiten Hälfte der LP auftaucht, ist einer groben thematischen Reise geschuldet. Für knapp die Hälfte der Tracks zeichnet sich Pharrell Williams als Produzent verantwortlich und seine Beiträge finden sich hauptsächlich am Anfang, wo die Songs im Gegensatz zu den beiden genannten sinnlicher, erotischer sind. Sie strahlen eine reizvolle Kühle aus, aggressiv auf Airplay getrimmt ist hier so gut wie nichts. Dafür gibt es mit "The light is coming" einen wunderbar trockenen The-Neptunes-circa-2000-Beat, zu dem sich Grande und Nicki Minaj als längst eingespieltes Team das Mikro zupassen. "R.E.M" hat nichts mit der gleichnamigen Band zu tun, ist aber ein herrlich verträumtes, dabei stets elegantes Schwelgerlied: "I don't wanna wake up / Boy, you're such a dream to me."

Dass der eigentlich schlagfertige Titeltrack es etwas mit den nervigen Ad-Libs übertreibt und "Everytime" nicht den bleibenden Eindruck hinterlässt wie andere Tracks hier – geschenkt. "Sweetener" überzeugt vor allem durch eine bei aller Vielfalt konstante Atmosphäre, durch edle Zurückhaltung, die in sich auch nur die stilistische Weiterentwicklung aus dem clubbigen "My everything" und dem reiferen "Dangerous woman" ist. Dass in vielen Texten und an manchen Stellen im Sound eine gewisse Spiritualität Einzug gefunden hat und der Ton versöhnlich ausfällt, ist vermutlich eine Folge der Ereignisse der letzten beiden Jahre. Da darf zum positiven Ausblick sogar der neue Verlobte eine einmütige, nach ihm benannte Liebeserklärung abstauben. Das ist zwar Kitsch, aber spätestens mit dem hübschen Streicher-Outro hat der Track gewonnen. Womit eine weitere Konstante sichergestellt ist: Es gibt nicht viele in solchem Maße erfolgreiche Popstars, die vier Alben auf diesem hohen Niveau abliefern.

(Felix Heinecker)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The light is coming (feat. Nicki Minaj)
  • R.E.M
  • No tears left to cry
  • Get well soon

Tracklist

  1. Raindrops (An angel cried)
  2. Blazed (feat. Pharrell Williams)
  3. The light is coming (feat. Nicki Minaj)
  4. R.E.M
  5. God is a woman
  6. Sweetener
  7. Successful
  8. Everytime
  9. Breathin
  10. No tears left to cry
  11. Borderline (feat. Missy Elliott)
  12. Better off
  13. Goodnight n go
  14. Pete Davidson
  15. Get well soon

Gesamtspielzeit: 47:33 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Aber_
2018-08-26 20:34:42 Uhr
Weiß auch nicht, was die Aufregung soll. War doch klar, dass das bei dem Rezensenten mindestens ne 7/10 wird.

Dass man das durchaus anders sehen kann, ist natürlich genauso legitim.

MopedTobias

Postings: 9982

Registriert seit 10.09.2013

2018-08-24 10:18:35 Uhr
Wenn das ein ernsthaftes Kriterium für dich ist, hast du schon sehr viele sehr tolle Songs bisher verpasst. Aber ist dein Bier.
Argh
2018-08-24 00:48:29 Uhr
Aber unzählige mit tears/cry

MopedTobias

Postings: 9982

Registriert seit 10.09.2013

2018-08-24 00:36:35 Uhr
Mir fällt spontan kein anderer Song namens "No tears left to cry" ein.
Argh
2018-08-23 22:44:30 Uhr
No tears left to cry


Schon zehntausend Mal solche Titel gehört
Alles Mist

Alice in chains übrigens auch, sowas hört man nicht
Es sei denn einem klemmt stets der Sack!
Laut.de 2/5 ok!
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum