Lisa Germano - Lullaby for liquid pig

Lisa Germano- Lullaby for liquid pig

I-Music / PIAS / Zomba
VÖ: 05.05.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Prinzessin in der Waagerechten

Im Liegen zu schweben ist sicher noch anstrengender als dasselbe stehend zu tun. Folgerichtig sieht Lisa Germano auf dem Cover ihres mittelerweile fünften Soloalbums dann auch nicht wirklich entspannt aus. Passend ist das Ganze trotzdem: Ihre Musik ist weder einfach noch entspannt, aber trotzdem irgendwie abgehoben. Ihre Texte sind die qualvolle Selbstreflexion einer der Welt entrückten Künstlerin, die weder auf sich noch auf andere Rücksicht nimmt. Fünf Jahre sind seit ihrem letzten Album "Slide" vergangen. Fünf Jahre, die nicht unproduktiv waren (es gab beispielsweise Kooperationen mit David Bowie oder den Eels), aber wohl auch nicht ganz befriedigend. Jetzt soll sich jedenfalls wieder etwas ändern, und der erste Schritt ist das musikalische Zusammenkehren des Scherbenhaufens, der sich das Leben nennt.

In dieser Hinsicht leistet Germano ganze Arbeit. Ein übersprudelnder Quell der Fröhlichkeit war ihr Werk noch nie, aber "Lullaby for liquid pig" setzt neue Maßstäbe in Sachen melancholischen Sinnieren und der eingefleischten Selbstzweifel. Rotweinkonsum und Kerzenbrenndauer stehen bekanntlich in engem proportionalen Verhältnis, und bei Lisa Germano ist davon auszugehen, daß ihr lyrischer Ausdruck am Ende einer Menge runtergebrannter Kerzen die endgültige Form gefunden hatte. Wenn sie mit todtrauriger Stimme verkündet "It's party time", würde wohl selbst ein Duracell-Hase das Tanzen einstellen und dem traurigen Mädchen ein Taschentuch bringen.

Daß bei soviel Melancholie große Songs entstehen können, ist landläufig bekannt. Es gilt jedoch nicht zu vergessen, daß Selbstfindung weitgehend eine Sache für das eigene Selbst ist. So verhält es sich auch im Fall Germano: Verliert sie sich tief drinnen in ihrer Gefühlswelt, erscheint es dem Hörer von außen allzu gewollt. Die durchaus feinen und verstörenden Arrangements besitzen immer eine Prise zu viel Glanz, als daß sie so ganz zufällig entstanden sein könnten. Das nimmt viel von der Faszination: Dabeisein ist eben nicht alles. Manchmal müßte man schon ein anderer sein.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Dream glasses off
  • Candy

Tracklist

  1. Nobody's playing
  2. Paper doll
  3. Liquid pig
  4. Pearls
  5. Candy
  6. Dream glasses off
  7. From a shell
  8. It's party time
  9. All the pretty lies
  10. Lullaby for liquid pig
  11. Into the night
  12. ... to dream

Gesamtspielzeit: 36:36 min.

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  • Lisa Germano (15 Beiträge / Letzter am 20.11.2006 - 13:01 Uhr)

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