Ohmme - Parts

Ohmme- Parts

Joyful Noise / Cargo
VÖ: 24.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Durchs Netz gegangen

Networking über alles: Was früher nebenbei im Schützenverein oder der Freiwilligen Feuerwehr erledigt wurde, ist zur Vollzeitbeschäftigung im virtuellen Raum geworden. Kontakte gelten als harte Währung im digitalen Zeitalter. Gut vernetzt sind auch Macie Stewart und Sima Cunningham, verantwortlich dafür ist aber Können und nicht etwa Klüngel. In der heterogenen Musikszene Chicagos haben die beiden Damen ziemlich oft ihre Finger im Spiel. Ein paar Gesangsparts bei Chance The Rapper, Touren mit Wilco oder gleich ein passendes Streicherarrangement für Whitney – auf die klassisch am Klavier ausgebildeten Musikerinnen wird gerne zurückgegriffen. Ein Wunder und ein Segen zugleich, dass die beiden da noch Zeit gefunden haben, das Debütalbum ihres Bandprojekts Ohmme (spricht sich wie das französische "homme") einzuspielen. Und auf dem zeigen Cunningham und Stewart, was sie alleine zu Wege bringen. Eine lange Feature-Liste zwecks Revanchierens bei den Kollegen gibt es nicht, mit Matt Carroll haben sie sich lediglich einen Drummer angelacht. Gesang, Gitarre, Schlagzeug – aus dieser Trias setzen sich dann auch die Songs auf "Parts" zusammen, mal im harmonischen Zusammenspiel, oft aber auch vertieft in handfeste Zwistigkeiten.

Im Opener "Icon" ziehen alle noch an einem Strang, das Resultat ist ein zackiger Rocksong, dessen aufgekratzter Habitus aber bereits von reichlich Zynismus durchzogen ist. "Grandmother" fühlt sich in der Ambivalenz noch deutlich wohler, von Ausgelassenheit kann eh keine Rede mehr sein. Die Gitarre zuckt grobmotorisch, bevor sie von unsanften Händen gequetscht und gewürgt, durch den Reverb und anschließend die Feedbackhölle gejagt wird. Und was machen die Mädels währenddessen? Singen in morbider Grazie vom Verflossenen der Oma: "Old lover / No longer there / Vanishing in his armchair." Das Schlagzeug verrichtet dazu brav seinen Dienst, im Titelsong legt es stoisch die Geleise aus, auf denen das Stück gemächlich langzockelt. Eine entspannte Reise geht aber anders. Denn erstens jagen Cunningham und Stewart ihre Vocals durch einen digitalen Geisterfilter, sodass man fröstelt, und zweitens haben die Ladies merklich Probleme, ihre Impulsivität zu zügeln: "And at times / I wanna crush the ceiling in between my legs."

Dass an anderer Stelle das Drumset von "Water" polyrhythmisch die Treppe runterpurzelt oder "Peach" eine Hässliches-Entlein-Version von Funk entwirft, die sich mit der ramponierten Gitarrenarbeit gut auf dem örtlichen Schrottplatz machen würde, zeugt von einigem Willen zur Dekonstruktion. Und doch gibt es sie, die Momente melancholischer Schönheit: siehe "Sentient beings", dessen elegischer Gesang gut eingebettet ist in warme Cello-Klänge und ein diesmal regelrecht handzahmes Gitarrenspiel. Ohmme verzahnen die wenigen Elemente ihrer Songs zu einem facettenreichen Miteinander und potenzieren damit die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks, irgendwo im Spannungsfeld alter Helden wie Sleater-Kinney, The Breeders auf "Title TK" und der elektrostatischen Repetition von Acts der Marke The Kills. Und dafür brauchten diese zwei Künstlerinnen noch nicht mal ihr Adressbuch.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Grandmother
  • Parts
  • Sentient beings

Tracklist

  1. Icon
  2. Grandmother
  3. Parts
  4. Water
  5. Liquor cabinet
  6. Peach
  7. Sentient beings
  8. Left handed
  9. Walk me

Gesamtspielzeit: 38:16 min.

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Armin

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2018-08-12 21:45:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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