Doro - Forever warriors, forever united

Doro- Forever warriors, forever united

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 17.08.2018

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Und jetzt alle!

Will man Dorothee Pesch charaktisieren, so landet man relativ schnell unweigerlich bei einem Wort: authentisch. Blicken wir doch dafür einmal kurz zurück, genauer gesagt etwa 35 Jahre. Denn das, was heute unter der dämlichen Flagge mit der Aufschrift "Female fronted metal" segelt, war 1983 noch höchst aufsehenerregend. In dieser testosterongeschwängerten Metal-Welt nämlich gründete die damals gerade einmal 19 Jahre alte Doro die Band Warlock und schrieb mit Alben wie "Burning the witches" oder den Klassiker-Songs "All we are" und "Für immer" Metal-Geschichte. Und auch solo, ab 1990, zog die gebürtige Düsseldorferin trotz teils vernichtender Kritiken unbeirrt ihr Konzept durch, unter anderem gefördert von Lemmy Kilmister, der im Laufe der Jahre zu so etwas wie einem Mentor und väterlichen Freund wurde. Ob diese Konsequenz am Ende nun Beharrlichkeit oder Sturheit zu nennen ist, darüber darf selbstverständlich trefflich gestritten werden. Unbestritten jedoch gebührt Doro immer und grundsätzlich zunächst einmal höchster Respekt.

Respekt und Freundschaft – wer nicht gerade die letzten Jahrzehnte auf einem fremden Planeten verbracht hat, wird irgendwann irgendwo einen Song von Doro im Radio gehört haben. Und nahezu unweigerlich auf genau diese zwei Werte gestoßen sein, die Pesch mit geradezu heiligem Ernst verteidigt. Selbst wenn sich wie unlängst in Wacken Unmut im Publikum regt, weil noch der zwanzigste Gastmusiker auf der Bühne mit warmen Worten begrüßt werden muss und dadurch der Auftritt gnadenlos überzogen wird. Insofern passt ins Bild, dass "Forever warriors, forever united", das erste Studioalbum seit 2012, zu einem Doppelalbum mit 25 Songs angeschwollen ist. Und natürlich mit einer Hymne an ihre Metal-Familie namens "All for metal" eröffnet wird, bei der die nur 1,55 Meter kleine Doro die Gastsänger gleich in Batallions-Stärke ins Studio geschleppt hat. Was den grundsätzlich solide rockenden Song mit seinem zwar primitiven, aber dadurch nicht weniger ohrwurmigen "Ohoho"-Refrain zwar nicht zwingend besser macht, aber okay.

Überhaupt ist die erste CD als der rockigere Teil konzipiert, was durchaus gelingt. Amüsant zum Beispiel das biestige "If I can't have you – no one will", bei dem sich Amon-Amarth-Frontmann Johan Hegg für Doros Beitrag zu deren letzter Platte "Jomsviking" revanchiert. Auch die Coverversion des Whitesnake-Heulers "Don't break my heart again" gelingt durchaus beeindruckend, während "Backstage to heaven" von einem Saxofon-Solo eines gewissen Helge Schneider veredelt wird, der hier – sicherlich zu seiner großen Freude – einfach einmal Musiker sein darf. Nicht minder stark sind die beiden Verneigungen vor Lemmy und Motörhead in Form der wunderschönen Ballade "Living life to the fullest" und der Coverversion von "Lost in the ozone" vom Motörhead-Album "Bastards".

Das Problem ist nur: "Forever warriors, forever united" kann nur mit viel gutem Willen als Album im klassischen Sinne bezeichnet werden. Songs, die zu mehr als zwei Dritteln aus der Wiederholung des Titels bestehen, sind nicht eingängig, sondern Fragmente, bestenfalls Studien. Schlimmstenfalls eine Frechheit. Immer und immer wieder wird der Zusammenhalt der Szene beschworen, bis es dem größten Fan aus den Ohren blutet. Nein, Fans sind eben nicht nur "Freunde fürs Leben", wie es die grausame "Für immer"-Kopie suggeriert, sondern erwarten – zumal nach sechs Jahren Albumpause – konzises Songwriting, das durchaus simpel gestrickt sein darf, aber am Ende doch mehr als nur die alte Leier durchkaut. In dieser Form werden 25 Songs, unter ihnen zudem noch sechs höchst entbehrliche Bonus-Tracks, zu einer verdammt anstrengenden Geduldsprobe. Nennen wir's beim Namen: "Forever warriors, forever united" ist über weite Strecken nicht nur enttäuschend. Sondern unausgegoren im Songwriting, anbiedernd in den Texten, schlicht und ergreifend völlig entbehrlich. Der selbst vergebene Titel der Metal Queen ist längst an Frontfrauen wie Alissa White-Gluz von Arch Enemy oder Floor Jansen von Nightwish weitergereicht worden. Doro Pesch bleibt da nur der Blick in die Vergangenheit. Immerhin ist sie authentisch.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • All for metal
  • If I can't have you – no one will (feat. Johan Hegg)
  • Living life to the fullest

Tracklist

  • CD 1
    1. All for metal
    2. Bastardos
    3. If I can't have you – no one will (feat. Johan Hegg)
    4. Soldier of metal
    5. Turn it up
    6. Blood, sweat and rock'n'roll
    7. Don't break my heart again
    8. Love's gone to hell
    9. Freunde fürs Leben
    10. Backstage to heaven (feat. Helge Schneider)
    11. Be strong
    12. Black ballad
    13. Bring my hero back home again
  • CD 2
    1. Résistance
    2. Lift me up
    3. Heartbroken (feat. Doug Aldrich)
    4. It cuts so deep
    5. Love is a sin
    6. Living life to the fullest
    7. 1000 years
    8. Fight through the fire
    9. Lost in the ozone
    10. Caruso
    11. Tra como e corovallum
    12. Metal is my alcohol

Gesamtspielzeit: 101:02 min.

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User Beitrag
beathovens
2018-08-21 12:14:10 Uhr
die sollte mal lernen gute texte zu schreiben
Metal Militia
2018-08-20 15:08:35 Uhr
Hail Hail Hail and kill
Wissenschaftler
2018-08-20 15:05:10 Uhr
PS:

All we are
All we are, we are
We are all, all we need
Metalgod
2018-08-20 15:04:14 Uhr
Whimps and Posers: Leave the Hall
Major Dump
2018-08-20 15:03:59 Uhr
Dann könnten wir eine Therapiegruppe gründen.
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