Santigold - I don't want: The gold fire sessions

Santigold- I don't want: The gold fire sessions

Downtown
VÖ: 27.07.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Von Wollen und Willen

"Ich will nicht." Klingt nicht unbedingt positiv, eher bockig und verschlossen. Passt also gar nicht als Titel zu Santigolds neuem Werk "I don't want: The gold fire sessions", ein als Mixtape getarntes Album oder auch andersherum – wer weiß das schon genau. Santi White zollt eine gute halbe Stunde lang ihrer laut eigener Aussage "zweiten Heimat" Jamaika Tribut, indem sie in Kooperation mit Produzent Dre Skull sich dem Reggaeton und Dancehall widmet. Da ihren bisherigen Platten stilistisch eher bunte Gemischtwarenladen waren, stechen der geschlossene Sound und die fließenden Trackübergänge auf "I don't want" besonders ins Ohr. White tänzelt sich durch die sonnendurchfluteten Backings, klingt dabei schwerelos, leicht. "Coo coo coo if you want me." Tiefgang ist heute aus, schließlich will die Hitzewelle ja auch ihren Soundtrack erhalten.

Wirkte ihr eklektischer Sound auf "99 cents" in seiner Elektro-Schlagseite stellenweise ungewöhnlich farblos und aufgesetzt, platziert "I don't want" viel selbstsicherer einen Offbeat nach dem nächsten. Santigold tiriliert sich dazu in hohem Falsett durch die kompakt gehaltenen Stücke, im von Shenseea unterstützen "Don't blame me" gibt es sogar Patois-Gesang. Das erinnert interessanterweise am allermeisten an Lily Allens "No shame", wo ein ähnlicher Genremix ebenfalls mit einer Schicht Verpeiltheit überzogen wurde. Während Allen dort jedoch tiefgreifend persönliche Themen verhandelte, will "I don't want" gar nichts anderes als ein luftiger Sommersnack sein. Das für Singalongs geschaffene "Run the road" oder der abschließende Co-Titeltrack "Gold fire" empfehlen sich zwar klar für eine Single-Rotation, doch der Fokus ist von Einzeltracks hin zum ganzheitlichen Vibe verschoben. Da würden die teils angriffslustigen Parolen der vorigen Alben nur stören.

Denn selbst wenn manche der zehn Stücke sich an soziale oder politische Kritik wagen, fällt diese doch eher zaghaft statt skandierend aus. Lieber geht es mal den Männern in "Wha' you feel like" an den Kragen oder allzu prinzessinnenhafte Mitkonkurrentinnen werden gedisst. Lustigerweise ist genau jenes "Valley of the dolls" mit Abstand am nächsten am aktuellen Pop-Zeitgeschehen orientiert und spuckt dann doch solche Zeilen aus: "I know for sure / We've entered a puppet show / [...] / I could try to walk away / Or just win the game they play." Mit der letzten Zeile macht es dann eigentlich wieder Sinn – die Widersacherinnen mit ihren eigenen Waffen schlagen. Aber in 2018 ist zum einen solches Territorialdenken veraltet, zum anderen ist "I don't want" für eine massentaugliche Beschallung dann doch zu abseitig, zu wenig hitlastig. Es läuft dafür flüssig durch und man hört Santigold den Spaß an der Sache an, der vom starken Debüt "Santogold" bis zu "99 cents" immer weniger durchscheinen mochte. Da sind ein paar schleifende Zügel absolut verzeihlich.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Run the road
  • Don't blame me (feat. Shenseea)
  • Gold fire

Tracklist

  1. Coo coo coo
  2. Run the road
  3. Wha' you feel like
  4. I don't want
  5. Valley of the dolls
  6. Why me
  7. Crashing your party
  8. Don't blame me (feat. Shenseea)
  9. A perfect life
  10. Gold fire

Gesamtspielzeit: 32:46 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 12571

Registriert seit 08.01.2012

2018-08-05 19:13:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 12571

Registriert seit 08.01.2012

2018-07-27 13:40:51 Uhr - Newsbeitrag

Santigold ist ein Genre-definierendes Talent, das so nur alle paar Pop-Generationen vorkommt. An diesem Freitag, den 27. Juli, erscheint ohne Vorankündigung ihr viertes Album "I Don’t Want: The Gold Fire Sessions", das Du nachfolgend zum Download und Stream findest. Soeben feierte mit "Run The Road" die erste Single auf Beats 1 Premiere. In einem heute erschienenen Interview mit Pitchfork spricht sie über die Entstehung des Albums und die kürzliche Geburt ihrer Zwillinge.

Mit "Run The Road" meldet sich die Songwriterin aus Philadelphia, zwei Jahre nach ihrem letzten Langspieler "99¢", zurück. Die erste Single gilt zugleich als Standortbestimmung für den Santi-Sound in 2018: ein futuristisches Dancehall-Geschoss aus den Maschinen von Dre Skull. Der DJ, Produzent und Mastermind hinter Mixpak Records traf Santigold ursprünglich in Songwriting-Sessions – und die beiden näherten sich über ihre gemeinsame Liebe für Reggae und afrokaribische Musik an.



Innerhalb von zwei Wochen entstanden die Skizzen, die nun zu einem großen Ganzen, dem Album "I Don’t Want: The Gold Fire Sessions", arrangiert wurden. Diplo, der bereits ihr Debütalbum mitproduzierte, lieferte einige Beats und Ideen und trug so seinen Teil zur zukunftsweisenden und hittigsten Platte von Santigold bei. Auf ihrem vierten Album nimmt ihre bissige Gesellschaftskritik, ihr Humor und ihr funky Indie-Entwurf aufregende neue Formen an. Auf Tour mit Ms. Lauryn Hill wird Santigold diesen Sommer das Album live präsentieren.


2008 veröffentlichte Santigold ihr Debütalbum "Santogold" – ein wegweisender Meilenstein der Nullerjahre, der eine New Wave 2.0 auslöste. Zehn Jahre später gilt sie als gefeierte multimediale Visionärin, die unvereinbare Welten kollidieren lässt. Eine innovative Künstlerin, deren Individualität sie zu einer Muse für die gesamte Kulturwelt macht.
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