Halestorm - Vicious

Halestorm- Vicious

Atlantic / Warner
VÖ: 27.07.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Altlasten

Retrospektive in der Musik ist immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bringen rückwärtsgewandte Musiker Stilistiken erneut zum Vorschein, die lange ein Schattendasein gefristet hatten und so in ungewohnter zeitlicher Verordnung fast wieder erfrischend wirken können – so geschehen etwa jüngst bei Greta Van Fleet, deren mehr als deutliche Led-Zeppelin-Hommage gerade als Erlösung der Rockmusik verstanden wird. Gleichzeitig negieren solche Künstler aber auch per Definition die Innovation. Und hier liegt der schmale Grat zwischen gutem Genre-Beitrag und klischeebehaftetem Konservatismus, dem sich auch Halestorm mit "Vicious" stellen müssen.

Die vierte Platte des Quartetts aus Pennsylvania versucht sich dem Trott des Altbekannten mit möglichst breitbeiniger Klanggewalt zu stellen und fährt damit vor allem während der Eröffnung des Albums sehr gut. "Black vultures" sucht stets die größte Geste, lässt die Gitarren immer wieder kreischend aufheulen und mündet in beeindruckend kraftvolle Schreie von Frontfrau Elizabeth Hale. Noch besser macht es das nachfolgende "Skulls", das inmitten seines Hardrock-Gerüsts eine beklemmende Swans-Basslinie inklusive Michael-Gira-Sprechgesang unterbringt, die immer wieder geschickt von aufstrebenden Riff-Türmen unterbrochen wird und dadurch einen geschickten Sound-Kampf entfesselt, in dem sich die kraftvolle Maiden-Hommage schließlich durchsetzt. In solchen Momenten scheint es, als könnten Halestorm den Konflikt zwischen durchgespieltem Sound und Überraschung mit klugem Songwriting gewinnen.

Leider geht dieser Prämisse in der zweiten Hälfte von "Vicious" aber schnell die Puste aus. Exemplarisch steht hierfür "Painkiller", das trotz seines Titels zwar kein Cover des gleichnamigen Judas-Priest-Klassikers ist, aber trotzdem nur in abgenudelten Formeln wütet. Bei einem Einzelfall bleibt es nicht. Auch nicht in der obligatorischen Schluss-Ballade "The silence", die seit Disturbeds gruseligem Simon-And-Garfunkel-Cover wohl jede harte Rock-Band haben muss. So bleibt im Nachgang von "Vicious" hauptsächlich die Erkenntnis, dass Halestorm dem enorm schwierigen Minenfeld schlussendlich doch erlegen sind, weil sie sich nicht gewitzt genug geben, um einem derartig breit rezipierten Genre neues Leben einzuhauchen. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen scheint die Band aber die grundsätzlichen Anlagen zu besitzen, um ein solches Kunststück zu vollenden. Deswegen darf man in den Nachfolger von "Vicious" durchaus leise Hoffnungen stecken. Oder man legt eben doch wieder "Appetite for destruction" auf.

(Jakob Uhlig)

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Highlights

  • Black vultures
  • Skulls

Tracklist

  1. Black vultures
  2. Skulls
  3. Uncomfortable
  4. Buzz
  5. Do not disturb
  6. Conflicted
  7. Killing ourselves to live
  8. Seether
  9. Heart of novocaine
  10. Painkiller
  11. White dress
  12. Vicious
  13. The silence

Gesamtspielzeit: 43:33 min.

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Armin

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2018-07-29 20:29:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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