Foxing - Nearer my God

Foxing- Nearer my God

Triple Crown / Indigo
VÖ: 10.08.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zwischengepolt

Klare Pole, eindeutige Schubladen, konkrete Definitionen, absehbare Visionen: Die meisten Menschen brauchen im Alltag eine gewisse Ordnung, neigen zu festen Kategorien, zu einem vertrauten, weil gewohnten Verhalten. Mit schwebenden Zuständen, offensichtlichen Grauzonen, unkalkulierbaren Entwicklungen oder Prozessen kommen sie nicht immer klar. Das Leben scheint sich daher immer stärker nur darum zu drehen, sich möglichst an- oder einzuordnen, sich abzuwenden oder sich klar zu positionieren. Dabei liegt Kunst bekanntlich nicht nur im Auge des Betrachters, sie benötigt gerade abseits des Augenscheinlichen auch undefinierten wie freien Raum, um zu wirken. Eine Band wie Foxing verlangt dem Hörer vor diesem Hintergrund durchaus etwas ab.

Für diese Grundthese liefert der dritte Longplayer der Band aus St. Louis, Missouri gleich mehrere stichhaltige Argumente. Nicht nur jenes, dass diese üppigen fast 55 Minuten ihres dritten Albums "Nearer my God" pickepacke vollgestopft sind mit Ideen. "Grand paradise" setzt bereits zum Auftakt ein mittelschweres Ausrufezeichen, startet sanft mit Beat, Keyboard und Kopfstimme, schraubt sich in der Folge dann zu einem emotionalen Popsong mit Refrain-Gewitter in alle nur erdenklichen Höhen. Ähnlich zart baut die Vorab-Single "Slapstick" den zunächst subtil auf Pop- und R'n'B-Flokati errichteten Spannungsbogen, bevor Foxing ihrem Talent für hymnische Emorock-Songs freie Fahrt gönnen.

Obwohl "Nearer by God" allgemein großen Wert auf Harmonien und Schönklang legt, muss der Hörer sich beides angesichts einer Vielzahl an geschichteten Sounds und stellenweise vertrackter Rhythmik auch immer wieder erarbeiten. Eine Ausnahme bildet der in Melancholie badende Titelsong, welcher trotz elektronischer Effekte sein Folk- und Emo-Herz zu keiner Sekunde verbergen mag. Und da mit gut dreieinhalb Minuten als einziger Track recht knackig, hat die Band das schöne Stück gleich in mehreren Sprachen aufgenommen. Kayal-Jünger früherer Tage freuen sich über "Bastardizer", das Pop und Emo mit ein paar beherzten Akkordeon-Schwüngen nahezu nordisches Flair verleiht. Wer Math-Rock zugeneigt ist, wird das Sound-Gedonner in "Lich prince" und das leicht am Rad drehende "Gameshark" schnell ins Herz schließen. Faszinierend ist das von Chris Walla akustisch mit in Szene gesetzte Album aber vor allem deswegen, weil die Musiker ihre Ideen am langen Faden steuern, die Figuren frei durch Folk- und Piano-Pop-, kratzige Emorock- und zart-süßlich riechende R'n'B- und Electronica-Landschaften gleichzeitig wandern lassen, und sie am Ende wieder vereinen.

So verwundert es fast ein wenig, wenn sich das neunminütige, in der ersten Hälfte epochal gute "Five cups" relativ ungeniert bei Sigur Rós bedient und am Ende dann doch glatt vergisst, das Konzert der famosen Isländer wieder zu verlassen. Und während Sänger Conor Murphy meist mit zarter Kopfstimme agiert, vor schnaubenden Shoutings aber nicht zurückschreckt, bestimmt er maßgeblich für die jeweilige Stimmung der Songs mit. Und längst sticheln Foxing zum nächsten Genre-Clash an und positionieren das feine, melodieselige "Heartbeats" als elektronisch angehauchtes Kleinod irgendwo zwischen Alt-J, Everything Everything und Foals. Nur eine von zahlreichen kreativen Visionen auf "Nearer my God", die sich in der Zukunft vielleicht noch genauer finden werden – irgendwo zwischen den Polen.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Grand paradise
  • Slapstick
  • Nearer my God
  • Heartbeats

Tracklist

  1. Grand paradise
  2. Slapstick
  3. Lich prince
  4. Gameshark
  5. Nearer my God
  6. Five cups
  7. Heartbeats
  8. Trapped in Dillard's
  9. Bastardizer
  10. Crown candy
  11. Won't drown
  12. Lambert

Gesamtspielzeit: 54:31 min.

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Gomes21

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Registriert seit 20.06.2013

2018-08-27 12:11:37 Uhr
Also ich mag die Band eigentlich, aber die Vocals gehen mir hier irgendwie tierisch auf den Sack. Vielleicht schiebe ich es einfach noch mal ein bisschen auf. Was die Instrumentale Seite angeht ist ziemlich geiles dabei, Lich Prince zum Beipspiel ist echt stark und unerwartet!


p.s.: Das Artwork ist leider auch echt kacke :-D

Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2018-08-14 22:45:14 Uhr
vielleicht muss ichs auch nur noch entdecken =)

MopedTobias

Postings: 10486

Registriert seit 10.09.2013

2018-08-14 22:43:23 Uhr
Also den Stilmix find ich so schon sehr besonders :)

Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2018-08-14 21:57:05 Uhr
wirklich nicht schlecht, aber mir fehlt etwas das Besondere. 7/10 so far, vielleicht ist noch mehr drin

MopedTobias

Postings: 10486

Registriert seit 10.09.2013

2018-08-14 21:01:06 Uhr
Tolles Album. Schon etwas lang, aber ein hochunterhaltsamer Genre-Bastard, der in eigentlich allem ziemlich stilsicher ist. Da sind die ganze Portugal.The-Man-Diskographie, Everything Everything, R'n'B', Emo und Sigur Rós drin und irgendwie funktioniert's.
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