Yung Hurn - 1220

Yung Hurn- 1220

Live From Earth / Soulfood
VÖ: 04.05.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Dem doch wurschd

Der Rezensent hat Snapchat nie verstanden. Mal runtergeladen, paar Face-Swaps gemacht, bissel gelacht, dann vergessen. Gut, die App mit dem Geister-Logo hat ihren Zenit nun auch schon ein Weilchen überschritten, aber das unterstreicht nur, was hier aufgezeigt werden soll: Immer häufiger gibt es Dinge, die Angehörige der viel zitierten Generation Y schon nicht mehr verstehen, für die sie auch immer irgendwie zu spät dran zu sein scheinen. Sie sind Digital Natives, aber weniger native eben als die nachfolgende Generation Z. Die macht dann so was wie Cloud Rap. Nie kapiert, was das soll, so richtig. Nur Yung Hurn stach da von Anfang an heraus. Weil dieses totale Phlegma, das der Wiener an den Tag legt, sich hier tatsächlich mit künstlerischer Rafinesse paart. Jetzt hat Yung Hurn, für "uns Alte" quasi, auch noch ein echtes, wirklich richtiges Album aufgenommen: "1220".

Das nach Yung Hurns Bezirk im Wiener Stadtgebiet benannte Album professionalisiert, was der junge Mann 2015 und 2016 auf drei Mixtapes bereits angedeutet hatte. Die Beats sind cremig durchproduziert auf "1220", Yung Hurn nuschelt sogar irgendwie anders, nicht unbedingt deutlicher, aber eben besser. "Ok cool" ist dabei der Überhit der Platte, der stoisch das Zur-Kenntnis-Nehmen diverser Ansagen kommentiert: "Ok cool", eigentlich wurschd, Content gibt's so viel, kann man sich alles schon mal gönnen, aber ändert nichts. Ist das dann Perspektivlosigkeit oder das genaue Gegenteil, weil man sich in der gelebten Egalheit seine Aussichten schafft? Sorry für so viel Schmalspurphilosophie, aber das ist schon ernst gemeint. Vielleicht sieht so heute perfektes Songwriting aus, denn es berührt, weil es gar nicht erst touchy wird. Mit dem Opener "Mhm" leitet Yung Hurn schon ein, was er in "Ok cool" auf den Punkt bringt, der passende Prolog, trappiger Beat, ein paar Glocken, Coolness kurz vorm Gefrierpunkt.

Es gibt allerdings auch die schnelleren Teile auf "1220": Eines davon ist "Was sie will", ein wahnsinniger Ohrwurm, Yung Hurn singt unterstützt vom Autotune seiner Angebeteten entgegen, auf Augenkontakt beim Blowjob legt er großen Wert, lässt er wissen. Nicht wesentlich unasozialer, aber deutlich smoother als der sonstige Schwertschlucker-Rap. Ähnlich sexy erscheint "Sie schauen", noch so ein krasser Singalong, das will man im Club hören, wenn der Schweiß von der Decke tropft, zu "Leg Dich hin" möchte man sich betten. Zur Profilierung schickt der Rapper unterstützt von Jonny5 "Du lügst" ins Rennen, das bedrohlich klackert und anhand der erneut krass runtergebrochenen Message klar macht, was Phase ist. In "Lachs anthem" hingegen entzieht der Rapper einem Song den letzten Sinn, der Chorus: "Lachs, Lachs, Lachs." Kann man so machen.

"Y. Hurn wieso?", möchte man da fragen. Antworten darauf gibt es allerdings auch im entsprechenden Track keine. Früher hatte der Rezensent mal die Theorie, gute Musik benötige Dringlichkeit, musikalisch und inhaltlich im besten Falle. Ja, nee, alles Bullshit. Gute Musik ist, wenn man nicht aufhören kann, sie zu hören. Und die Reduktion, die Yung Hurn auf "1220" zelebriert, ist eine wunderbare Waffe gegen das große Zuviel des Heute, das gerade "uns Alte" oft ratlos zurücklässt. Das sollte man mal Yung Hurn erzählen und ihm danken. Wär ihm egal.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Ok cool
  • Was sie will
  • Du lügst (feat. Jonny5)

Tracklist

  1. Mhm
  2. Ok cool
  3. Hellwach
  4. Sie schauen
  5. Was sie will
  6. Bist Du alleine
  7. Gggut
  8. Du lügst (feat. Jonny5)
  9. Sie hassen mich.
  10. Y. Hurn wieso?
  11. Lachs anthem (feat. Jonny5)
  12. Eisblock
  13. Fühlen
  14. Leg Dich hin

Gesamtspielzeit: 36:07 min.

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User Beitrag
real1220
2018-07-20 08:00:17 Uhr
ich fühle mich nicht vertreten von dieser art musik.

molch

Postings: 28

Registriert seit 26.06.2013

2018-07-18 11:09:08 Uhr
Lachs = 10er-Bündel, weil lachsfarben.

mMn yung hurns schlechtestes release, beats auf den singles top, sonst uninspiriert. haiytis debutalbum ist da langlebiger.
Ok schlimm
2018-07-17 18:20:57 Uhr
Dämliches, uninspiriertes Soundcloudgetrappe. Hat ja schon bei Amis wie kleiner Schiedel Peep oder XXXTesticle genervt.
Das ist so 2015/2016 und braucht kein Mensch mehr, nicht mal der snapchattende Wegwerfteenie mit Festnetzvertrag.
Oah neee
2018-07-17 16:49:29 Uhr
Schmeisst den Brenner endlich raus! Er hat echt null Ahnung von Hip Hop!

Armin

Postings: 13618

Registriert seit 08.01.2012

2018-07-17 16:43:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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