Motorowl - Atlas

Motorowl- Atlas

Century Media / Sony
VÖ: 27.07.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aufgefrischt

Da sage doch mal jemand, frische Bands hätten heutzutage keine Chance mehr. Zwei Jahre ist es her, als fünf junge Burschen aus Thüringen mit ihrem Debütalbum für Aufsehen sorgten. Mitten im damaligen Hype um das Doom-Genre, wohlgemerkt. Doch Motorowl schienen mit "Om generator" einen Nerv getroffen zu haben, konnten sie doch nicht nur die Kritiker begeistern, sondern reüssierten auf zahlreichen Touren unter anderem als Support-Band von Sólstafir oder Die Apokalyptischen Reiter. Und in der Tat schafften es die Thüringer, ihre eklektische Mischung aus Psychedelic Doom und Proto-Metal mit unbändiger Spielfreude zu verbinden – und zwar so gut, dass niemand geringerer als der schwedische Star-Produzent Dan Swanö die Band für jene Platte unter seine Fittiche nahm.

Nun also der nächste Schritt, das berühmt-berüchtigte zweite Album, die erste Platte üblicherweise, die eben nicht im schützenden Refugium des Proberaums ausgefeilt wird, sondern direkt den Gesetzen des Marktes gehorchen muss. Und bereits in den ersten Takten wird deutlich, dass das Quintett seine Unbekümmertheit auch auf "Atlas" unter Beweis zu stellen gedenkt. Denn "Infinite logbook" marschiert entschlossen vorwärts, ist viel spritziger als weite Teile des sich eher in gemäßigtem Tempo bewegenden Debüts und zeigt vor allem eines: Selbstbewusstsein. Nämlich das Selbstbewusstsein einer Band, die mittlerweile davon überzeugt ist, was sie zu leisten imstande ist.

Das wird sehr schön in Person des Keyboarders Daniel Detlev bei "The man who rules the world" deutlich. Während nämlich die Keyboards auf dem Debüt eher für Soundteppiche zuständig waren, bekommt Detlev hier den Freiraum, nach Herzenslust das Hauptriff zu schweineorgeln, bis ein orientalisch anmutendes Solo übernimmt. Allerdings – und das ist angesichts der Klasse dieses Songs schon fast ironisch – finden sich die wahren Highlights an anderen Stellen. Nehmen wir beispielhaft den Titeltrack. "Atlas" ist pure Spielfreude, changiert zwischen wilden Jams und kontrollierter Offensive, zwischen Spannungsbögen und Ausrasten. Nennen wir's beim Namen: Das können Genre-Größen wie Candlemass oder Kadavar nicht besser.

Der passende Begleiter dazu ist das direkt folgende "To give", das mit einem fragil dahingleitenden Instrumentalpart beginnt, dann aber erneut Fahrt aufnimmt, um dann wahrhaft schwelgerisch zu eskalieren. Wenn man nun das alles zusammenwirft und weil das beste bekanntermaßen zum Schluss kommt, darf "Norma Jean" sozusagen die große Klammer über eine große Platte bilden. Hier werfen die Thüringer nochmals alles in die Waagschale, was schon die ersten sechs Songs zu einem faszinierenden Erlebnis gemacht hat, lassen quasi noch einmal so richtig die Sau raus, um es einmal flapsig zu formulieren. Was für ein Abschluss – und geradezu beängstigend, wie gut Motorowl bereits bei dieser zweiten Platte geworden sind. Spätestens mit diesem Album ist ein neuer Stern am Psychedelic-Doom-Himmel aufgegangen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Atlas
  • To give
  • Norma Jean

Tracklist

  1. Infinite logbook
  2. The man who rules the world
  3. Atlas
  4. To give
  5. To take
  6. Cargo
  7. Norma Jean

Gesamtspielzeit: 45:04 min.

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Marküs

Postings: 190

Registriert seit 08.02.2018

2018-07-20 07:54:51 Uhr
Vorfreude! Habe die Mannschaft letzten Sommer im Vorprogramm von Dool gesehen. Sie haben den Headliner - obwohl auch sehr gut - nahezu an die Wand geblasen. :-)

Armin

Postings: 13637

Registriert seit 08.01.2012

2018-07-17 16:42:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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