The Hunna - Dare

The Hunna- Dare

Warner
VÖ: 13.07.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Retter der Ahnungslosen

Als Freund der Rockmusik hat man es im Jahr 2018 nicht gerade leicht. Rap ist im Mainstream angesagt, dem eigenen Lieblingsgenre wird an jeder Ecke das baldige Ende prophezeit und die großen Festival-Platzhirsche in Deutschland können sich schon lange nicht mehr bloß mit Gitarrenacts am Leben halten. Einziger Silberstreif am Horizont: Die britische Popkultur, in der die Beliebtheit von Indie-Bands nach wie vor nicht abzureißen scheint. Das äußert sich nicht nur in der nach wie vor ungebrochenen Popularität der landeseigenen Heroen Arctic Monkeys, sondern auch in jungen Sensations-Durchstartern wie Royal Blood oder Catfish And The Bottlemen - und eben The Hunna.

Letztere sind ein Phänomen, das man als zeitgenössischer Rockmusik-Pessimist kaum noch für möglich gehalten hätte, denn die Musikindustrie scheint tatsächlich ein ernsthaftes Interesse an dieser Formation zu haben. Schon ihr erstes Album "100" veröffentlichte die Band bei Warner, trat beim Reading- und beim Leeds-Festival auf und wurde beim Songwriting von einigen externen Schreibern unterstützt. Ist man nun froh darüber, dass es da draußen scheinbar doch noch Menschen aus dem Business gibt, die solchen Bands eine Zukunft prognostizieren? Sind The Hunna der Beweis, dass Rock eben doch nicht tot ist? Die Nachfolgeplatte "Dare" liefert darauf nur mittelmäßig befriedigende Antworten.

Denn man muss zwar eingestehen, dass das Quartett absolut in der Lage ist, sehr unterhaltsame Refrains zu inszenieren, dabei aber nie über gleichförmiges Standardwerk hinauskommt. The Hunna klingen auf ihrer zweiten Platte durchgängig wie auf der ersten und arbeiten sich konsequent an extrem glattgebügelten Formeln von zeitgenössischen Indie-Bands wie Circa Waves oder The Amazons ab. Immer und immer wieder ächzt sich die Band durch die selbe Songstruktur und agiert so dermaßen berechenbar, dass man spätestens nach zwei Songs jegliche Idee hinter "Dare" durchschaut hat. Songs wie "Summer" oder "Flickin' your hair" könnte man durchaus als launige Pop-Singles akzeptieren, würden nicht sämtliche anderen Tracks der Platte auf ebenjenes standartisierte Konzept aus aufbauenden Strophen, daherpreschendem Ohrwurm-Refrain und obligatorischer Bridge zurückgreifen. Deswegen ist "Dare" trotz ansprechender Soundästhetik auf lange Sicht viel zu gleichförmig, als dass sich irgendein Song darauf ernsthaft festsetzen könnte.

Abgesehen von einer kuriosen Ausnahme: Der Closer "Y.D.W.I.W.M." macht urplötzlich eine radikale Kehrtwende und bedient sich sehr offenkundig bei Rage Against The Machine. Dieser Bruch wirkt im Kontext des Albums ziemlich absurd, erfrischt aber dennoch und zeigt deutlich, dass The Hunna eigentlich mehr könnten, wenn sie denn nur wollten. Obwohl auch dieser Song extrem kalkuliert ist, ist er doch eine bessere Morello-Imitation als jeder Track des schnarchigen Prophets-Of-Rage-Debüts. Die Band könnte also mehr. Für den Augenblick ist "Dare" aber das, was selbst die verzweifelsten Rockfans nicht wollen können: Musik für den kleinsten gemeinsamen Nenner.

(Jakob Uhlig)

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Highlights

  • Y.D.W.I.W.M.

Tracklist

  1. Dare
  2. One
  3. Fever
  4. Babe, can I call
  5. Flickin' your hair
  6. NY to LA
  7. Lover
  8. Summer
  9. Mother
  10. Y.D.W.I.W.M.

Gesamtspielzeit: 31:56 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-07-17 16:42:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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