Pabst - Chlorine

Pabst- Chlorine

Crazysane / Broken Silence
VÖ: 06.07.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wir sind

Das Problem der meisten englischsprachigen Bands aus Deutschland ist: Sie klingen wie eine englischsprachige Band aus Deutschland. Nicht ohne Grund singen deshalb mittlerweile die Donots und Caliban in ihrer Muttersprache. Vielleicht verkauft sich das Ganze so auch einfach besser. Dass dieses Phänomen nicht jederzeit Bestand hat, zeigten vor einiger Zeit Gurr, die es aus Berlin bis zum South By Southwest nach Austin geschafft haben. Internationaler Sound kommt außerdem ebenfalls von drei Typen, die zwar wirken, als hätten sie den erstbesten Kreuzberger Vintage-Laden leergekauft, deren Musik dabei aber keineswegs unter Authentizitätsproblemen leidet.

Pabst spielen Indie- und Surf-Rock, Grunge, Post-Punk sowie Stoner und huldigen damit Bands wie Dinosaur Jr., Queens Of The Stone Age und King Gizzard & The Lizard Wizard, ohne angestaubt zu klingen. Ihr Debütalbum "Chlorine" strotzt vor Spielfreude, und obwohl es bis auf wenige Ausnahmen kaum stilistische Abwechslung gibt, besitzt jeder einzelne Song Hit- und Hypepotenzial – allen voran die Single "Shake the disease", die bis auf den Titel nichts mit Depeche Mode gemein hat. Das Stück beinhaltet in seinen zweieinhalb Minuten alles, was den Sound der Berliner ausmacht: unterschwellige, bisweilen übersteuerte Bassläufe, Uptempo-Drumming, Fuzz-Gitarren, Erik Heises leicht psychedelische Stimme und eine sich spätestens im Refrain sofort einprägende Gesangsmelodie. Der Opener "Vagabondage" beginnt mit einer kurzen Orgel-Einlage und wird jäh von verzerrten Gitarrenwänden durchbrochen, die gleichermaßen von My Bloody Valentine als auch von Kyuss stammen könnten. Nach wenigen Sekunden entwickelt sich daraus ein poppiger Surf-Rock-Song mit eingängiger Hook. "Shit" und "Perfume" versprühen einen ähnlichen Vibe und dank Wah-Wahs und dem übermäßigen Einsatz von Retro-Gitarreneffekten kommt 70er-Feeling auf. In "Waterslide" pumpt ein Stoner-Basslauf direkt aus der Sahara, während Heise ausgerechnet eine Wasserrutsche besingt.

Das anschließende Skit "Waiting loop" verbreitet Woodstock-Feeling, ist der erste und größte Ruhepol auf "Chlorine" und sorgt an der passenden Stelle für Abkühlung und vor allem Abwechslung. Denn obwohl die ersten fünf Songs einzeln betrachtet allesamt Hitcharakter aufweisen, laufen sie latent Gefahr, sich aufgrund ihrer Ähnlichkeit abzunutzen. "Accelerate", "Cheapskate" und "Commitment issues" nehmen nach der kurzen Ruhepause den stilistischen Faden wieder auf und unterscheiden sich zwar nur noch in einzelnen Nuancen, aber verbreiten etwa dank der Drumrolls im Refrain von "Commitment issues" durchgehende Energie. Dass auf "Chlorine" vieles gleich klingt, ist weniger ein Manko als ein Qualitätsmerkmal, denn neben "Shake the disease" erfüllt jeder Song die Voraussetzungen für Radio-Airplay, Vintage-Indie-Discos und Best-Of-Playlisten auf Spotify. Der Retro-Charme klingt an keiner Stelle aufgesetzt, die Spielfreude der drei Berliner überträgt sich mit jeder Note und mit dem Abschlusstrack "Under water" zeigen Pabst, dass sie auch abseits von Uptempo große Songs schreiben können. Und dabei keineswegs nur wie eine weitere englischsprachige Band aus Deutschland klingen.

(Sebastian Schiller)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Shake the disease
  • Waiting loop
  • Catching feelings
  • Commitment issues

Tracklist

  1. Vagabondage
  2. Shake the disease
  3. Shits
  4. Perfume
  5. Waterslide
  6. Waiting loop
  7. Accelerate
  8. Cheapskate
  9. Catching feelings
  10. Commitment issues
  11. Summer never came
  12. Under water

Gesamtspielzeit: 35:28 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Plattenbeau

Postings: 502

Registriert seit 10.02.2014

2018-07-10 16:43:22 Uhr
Irgendiwe mag ich den Sound, besonders die Gitarren. Ist ein ziemlicher 90er-/00er-Cocktail, schwer auf einen Nenner zu bringen. Ähnlichkeiten zu King Gizzard, Pavement oder Dinosaur Jr. höre ich da aber kaum.

molch

Postings: 27

Registriert seit 26.06.2013

2018-07-10 15:08:30 Uhr
"Sollten Pabst tatsächlich den Sound von Dinosaur Jr., Pavement etc nachbilden und neuverpacken wollen, dann haben die Musiker diese Bands schlicht nicht verstanden."

ich glaube nicht mal, dass das der band selbst beim songwriting so bewusst war. vor kurzem ein interview gelesen, wo der sänger meinte, er habe sich dinosaur jr. erst dann angehört, nachdem ihm ständig gesagt wurde, dass seine band genauso klingt.
BennZorn
2018-07-10 14:52:53 Uhr
is ne smoothe number geworden.
Patrick
2018-07-10 10:15:32 Uhr
Etwas bemühte Rezi, die am Kern der Platte vorbeigeht: Dinosaur Jr., Hüsker Dü oder Pavement sind als Referenzen viel zu hoch gegriffen. Soundästhetik, Songstrukturen, Dynamik und Texte von Pabst haben mit den gedroppten Namen nichts zu tun. Das spielt sich hier auf einem ganz anderen Level ab.

Pabst klingen maximal wie Blackmail um 2000, dazu schwachbrüstig produziert. Als Pate für diesen ausgenudelten Powerrock könnte man vielleicht noch Biffy Clyro anführen.
Sollten Pabst tatsächlich den Sound von Dinosaur Jr., Pavement etc nachbilden und neuverpacken wollen, dann haben die Musiker diese Bands schlicht nicht verstanden.

Ich bin gestern zufällig über Spotify auf das Album und die Band gestoßen und war einigermaßen überrascht, dass es tatsächlich noch Gruppen gibt, die heute noch einen Sound produzieren, den schon vor 10 Jahren niemanden mehr besonders interessiert hat.

Armin

Postings: 12923

Registriert seit 08.01.2012

2018-07-08 21:38:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum