Findlay Brown - Not everything beautiful is good

Findlay Brown- Not everything beautiful is good

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 18.05.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Album of the weak

Alles schlecht, alles blöd, alles nervt. Wahlweise zu laut oder zu leise, zu hell oder zu dunkel, zu viel oder zu wenig. Die Stimmung ist am Boden, der Ausblick in die zukünftige Existenz ein Graus, die Vergangenheit macht's aber auch nicht besser. Irgendwo war sie, die berühmte Kreuzung, an der man links abgebogen ist statt rechts oder geradeaus zu laufen. Da hilft wohl nur noch der Rückwärtsgang und ein bisschen Jammerei – oder eine helfende Hand. Tröstende Worte. Ein bisschen Verständnis. Von Findlay Brown gibt es dieses Gegenteil des Trio Infernale, wohl das Trio Divino, in Form seines neuen Studioalbums "Not everything beautiful is good". Das holt die Traurigen und Besorgten genau dort ab, wo sie glauben festzusitzen: am Boden.

Gut, nun klingt der Albumtitel nicht gerade nach Motivationsrede. Vielleicht tuts hier aber auch einfach ein bisschen Ehrlichkeit: Der mittlerweile in Kopenhagen beheimatete Brite will schließlich auch niemanden nur des Antreibens Willen mit der berüchtigten Karotte vor der Nase anlocken, sondern stattdessen andere Perspektiven ermöglichen. Das geht hier und da mit einfachsten Mitteln, ganz oben natürlich der Klassiker: Der selig-sanfte Opener "Call it what you want" setzt erste Akzente mit seiner Anpreisung der ewigen, allen Unwettern trotzenden Liebe. Er singt von Respekt und Akzeptanz, aber auch vom Kampfgeist, den man in den nicht ganz so frohen Minuten auch mal braucht. Etwas befreiter, aber ebenso wirkungsvoll gibt sich das in eine ähnliche Kerbe schlagende "Home", in dem der Vater eines kleinen Sohnes die Tür seines eigenen Zuhauses öffnet: "In my heart you'll always stay / We get stronger every day / The world keeps turning as we watch him grow."

Bei all der Sensibilität und Melancholie hört man, dass auch Brown nicht immer nur die rosigen Zeiten des Lebens gesehen hat. Ein dauerhaft zurückhaltender, introvertierter Trauerkloß ist er dennoch mitnichten, wie die zugegeben wenigen, aber durchaus vorhandenen poppigeren Nummern des Albums beweisen. So zum Beispiel das mit Streichern untermalte und regelrecht erleichtert aufatmende "Feel to the flame", das die eigene Depression mit bloßen Händen von vorne angreift: "I wake in the morning / I can hear it calling up high / Heaven is a place for crying / I'm better off in the rain", singt Brown und marschiert im flotten Rhythmus nach vorne durch. Und auch "We go out into the light" sucht nicht nur nach dem Licht am Ende des Tunnels, sondern geht unbeirrt seinen Weg, während Browns Vorliebe für Sechziger- und Siebzigerjahre-Pop mindestens für harmonisch-stimmige Untermalung sorgt.

An anderen Stellen, wie dem sehr sachten, beinahe zerbrechlichen "Only what is real" oder dem auf merkwürdige Art schwebenden "Seven hours", tastet sich Brown deutlich langsamer ans Ziel, kommt am Ende aber immerhin in ganzen Stücken an. Die Botschaft ist klar: Irgendwie muss es weitergehen. Dass das nicht immer eine große Hymne aufs Leben ist, spielt da kaum eine Rolle. "Not everything beautiful is good" wirkt ehrlich und aus dem Herzen kommend, selbst wenn die eine oder andere Nummer ein bisschen mehr Pep vertragen hätte. Ausgerechnet etwa der vermeintlich gerade aufwachende Finaltrack "The morning waits for us" kommt eine Spur zu träge und schleppend daher, um für ein wirkliches Ausrufezeichen am Ende einer gemeinsamen Reise zu sorgen. Aber schon gut: Wir wollen ja nicht mehr so viel jammern.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Call it what you want
  • Feel to the flame
  • We go out into the light

Tracklist

  1. Call it what you want
  2. Feel to the flame
  3. Home
  4. Not everything beautiful is good
  5. Sound in the distance
  6. In search of the golden flower
  7. Only what is real
  8. Feathers from the fray
  9. Seven hours
  10. We go out into the light
  11. When the lights go out
  12. The morning waits for us

Gesamtspielzeit: 43:51 min.

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Armin

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2018-07-08 21:35:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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