Body/Head - The switch

Body/Head- The switch

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 13.07.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Juno hat's gewusst

"I bought another Sonic Youth record and it sucked… It's just noise." Die bezaubernde Coming-of-age-Perle "Juno" ist wohl einer der wenigen Filme, denen man das Sakrileg einer solchen Legendenschändung gerne verzeiht. Natürlich hat dessen Titelheldin mit ihrem Urteil trotzdem gänzlich unrecht, war es doch schon immer die größte Stärke der New Yorker, sich perfekt zwischen Lärm und Pop, Songdienlichkeit und Gitarren-Exzessen zu platzieren. Gegensatzpaare, die Thurston Moore und Lee Ranaldo mit ihren Nachfolge-Projekten weitergetragen haben, die Bassistin und Charakterstimme Kim Gordon aber offenkundig herzlich egal sind – und das, obwohl ihre Mini-Band mit dem Impro-Gitarristen Bill Nace schon so passend dualistisch betitelt ist. Was die beiden zusammen fabrizieren, ist nach wie vor weniger Body/Head und mehr Krach/Krach: Abgesehen von ein paar Drone-Texturen und Sprachfetzen spielen sie ausschließlich ihre verzerrten Sechssaiter gegeneinander aus, dissonant, lärmig und mit ganz viel Verachtung für konventionelle Strukturen und jede Form von Schönklang.

Dabei gehen Gordon und Nace sogar noch minimalistischer und unrockiger zu Werke, als es bereits auf ihrem Debüt "Coming apart" der Fall war – die vom Kollegen Pilgrim in seiner Rezension erdachte Hochzeit wäre mit den Stücken von "The switch" wohl noch viel schneller handgreiflich beendet worden. Es ist genau die Art von Musik, die man schnell als Kunstkacke abtun kann, doch ein differenziertes und faires Ohr ist nicht nur wegen Gordon angebracht. Tatsächlich schälen sich ein paar durchaus ansprechende Momente heraus, wenn man sich auf das Album einlässt und so konzentriert an die Sache herangeht, wie es Body/Head bei den Aufnahmen taten. Der Opener "Last time" beginnt mit einem klar durchschaubaren Intro, bis irgendwann das verstörende Geräusch die Oberhand gewinnt: ein Call & Response zweier Noise-Gitarren in Super-Slow-Motion, begleitet von einem brodelnden Unterton, der wie aus einem David-Lynch-Film gerissen klingt. Das folgende "You don't need" entwickelt trotz des – wie auf dem Rest des Albums – vollständigen Abhandenseins einer Rhythmussektion sogar den Ansatz eines Grooves, erst in "In the dark room" breitet sich die komplett nichtssagende Leere aus. It's just noise.

Geschenkt, dass sich der vereinzelte Mehrwert dieser ersten Hälfte auf wenige Minuten beschränkt, denn Überlänge ist mitnichten das Hauptproblem von "The switch". Tatsächlich kommt es nur mit gut der halben Laufzeit seines Vorgängers aus und außerdem ist sein längster Song, der Elfminüter "Change my brain", ein Volltreffer. Er ist nicht nur greifbarer als der Rest, weil sich Gordons Vocals hier einer Melodie und die Gitarren einer Riffstruktur annähern, er entfesselt auch eine einnehmende, gleichsam melancholische wie mächtige Shoegaze-Wucht. Es ist faszinierend, dass das abschließende, ähnlich lange "Reverse hard" stilistisch kaum etwas anders macht, aber wieder gänzlich vorbeirauscht. Die Grenzen zwischen egalem Nebengeräusch und wunderschönem Experiment scheinen so fließend zu sein, dass der grundlegende Ansatz von Body/Head gar nicht so schlimm ist und möglicherweise nur Nuancen den ganz großen Wurf verwehrten. Gordon und Nace werden sich allerdings für nichts rechtfertigen müssen, sie haben ihre Vision mit Sicherheit ganz genau ihren Vorstellungen entsprechend verwirklicht. Für mehr Hörerfreundlichkeit hätten sie wohl vorher Juno MacGuff konsultieren müssen.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Change my brain

Tracklist

  1. Last time
  2. You don't need
  3. In the dark room
  4. Change my brain
  5. Reverse hard

Gesamtspielzeit: 38:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@Marvin
2018-08-12 21:37:55 Uhr
Hals Maul!

MopedTobias

Postings: 10253

Registriert seit 10.09.2013

2018-08-12 21:08:13 Uhr
So 5/10 ;)
@wuffi
2018-08-12 20:48:19 Uhr
Dass sie auf Doggy-Style steht?
Wie ist die
2018-08-12 20:36:26 Uhr
Meinung von MopedTobias dazu?
Wuffi
2018-08-12 20:11:06 Uhr
Finde es arg anstrengend. Das Rumgebelle hätte sie wirklich lassen sollen. Manche Stellen klingen auch als ob sie einen von diesen Kauknochen im Mund hätte. Was will sie uns damit nur sagen?
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