Nas - Nasir

Nas- Nasir

Mass Appeal / Def Jam / Universal
VÖ: 15.06.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Helden unter sich

"Ich fühle mich wieder wie 18, wenn ich Beats für Nas mache", gab Kanye West in einem raren Moment der Verehrung und Bescheidenheit zu Protokoll. "Nasir" ist das nunmehr vierte von fünf Alben in seiner mittlerweile als "Wyoming sessions" referenzierten Albumserie und West scheint tatsächlich ehrfürchtig an das gemeinsame Projekt mit der Rap-Legende herangegangen zu sein. Vielversprechend auch, dass der bislang beste Output – das den Reigen eröffnende "Daytona" – mit Pusha T ebenfalls einen anderen Künstler als Hauptprotagonist hatte. Und während sich Wests eigene Projekte "Ye" und "Kids See Ghosts" vornehmlich zerrissen präsentierten, bleibt "Nasir" weitestgehend auf konsistentem Terrain und wirkt weniger hastig zusammengestellt. Hooks bleiben Hooks, auf halsbrecherische Wendungen wartet man vergeblich. Sogar einen thematischen Überbau sollen die Songs angeblich haben: Jedem der sieben Stücke sei eine der Todsünden zugeordnet, so West per Twitter. Während diese Interpretation zumindest weites Dehnen und Strecken erfordert, bleibt das von Nas beackerte Themenfeld zugegebenermaßen durchaus breit.

Relaxter Urlaub in Süd-Fronkraisch mit "plenty of bisous"? "Bonjour" hat sogar Tony Williams für den Throwback zur Pop-Inkarnation des Nasty Nas aufgefahren. Zwei Songs davor eine wütende Anklage der rassistisch motivierten Polizeigewalt, wie sie tagtäglich noch stattfindet? "White kids are brought in alive / Black kids get hit with like five", giftet Nas und West lässt sich glatt mit anstecken: "Tell me, who do we call to report crime / If 911 doing the drive-by?" Zu blöde, dass das comicartige Slick-Rick-Sample mit seiner Repetition dermaßen an den Nerven zerrt, dass die Raps mit Message in den Hintergrund treten. Dann lieber die herrlich hängende Soulplatte aus "White label", welches zumindest erkennbar textlich die Völlerei abdeckt: "I know the consumer behavior / I target that / You impressed with what they wearin' / I started that." Neben gewohnt inspirierten Zeilen hat Nas aber auch Futter für Verschwörungstheoretiker dabei, von Irritation bis hin zu Fremdscham auslösend. Wenn er im Opener behauptet, Fox News sei von einem Schwarzen gegründet worden, hört man dank der tollen Hook von 070 Shake noch galant drüber hinweg. Dass er sich nach "Stillmatic" im episch langen und eigentlich gelungenen "Everything" erneut auf Seite der Impfgegner stellt, führt jedoch unmittelbar zur Facepalm-Geste. "Why'd you let them inject me? / Who's gonna know how these side effects is gonna effect me?" Wie viele Globuli hätten's denn gern?

Bei aller gekonnter Verschnipselung, die West seinem Helden als Grundlage liefert, hilft es doch nicht, dass das meistens recht entspannt tönende "Nasir" den Funken nicht unbedingt überspringen lassen will. Durch Abdeckung aller möglichen Themen fehlt die Kohärenz und die Songs wirken flacher, als sie eigentlich gerne wären. Ausgerechnet umschifft werden Aussagen zu den in diesem Jahr öffentlich gewordenen Gewaltvorwürfen von Ex-Frau Kelis – die Trennung verarbeitete er noch auf dem sechs Jahre zurückliegenden Vorgänger "Life is good". Musikalisch bleibt es derweil solide bis gut, aber auch hier verbucht Pusha Ts "Daytona" klar die besseren und lebhafteren Beats. "Adam and Eve" stellt eine verdammt eingängige Hook von The-Dream ins Zentrum, aber das Geschehen drumherum fällt unweigerlich etwas ab und hebt den Track nicht auf eine höhere Ebene. "I just want my kids to have the same peace I'm blessed with", konstatiert Nas noch im Closer "Simple things", bevor dieser plötzlich endet und "Nasir" als Ganzes somit auch vorbei ist. Klar, wichtige Message raushauen und Mic Drop, so die Idee. Die Geste wäre aber imposanter, wenn das Album davor ein echtes Statement gewesen wäre anstatt nur ein einigermaßen gelungenes Pairing zweier HipHop-Helden.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Not for radio (feat. Diddy & 070 Shake)
  • White label

Tracklist

  1. Not for radio (feat. Diddy & 070 Shake)
  2. Cops shot the kid (feat. Kanye West)
  3. White label
  4. Bonjour (feat. Tony Williams)
  5. Everything (feat. The-Dream & Kanye West)
  6. Adam and Eve (feat. The-Dream)
  7. Simple things

Gesamtspielzeit: 26:33 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 12924

Registriert seit 08.01.2012

2018-06-21 20:50:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Kojiro
2018-06-18 22:28:54 Uhr
Life Is Good war auch ein ziemliches solides Album. Mit "Nasir" kann ich nachwievor weitgehend nichts anfangen. Und "Everything" ist wohl einer der unnötigsten Songs auf einem Nas-Release ever.

MopedTobias

Postings: 9972

Registriert seit 10.09.2013

2018-06-17 20:52:58 Uhr
Einspruch beim letzten Satz. It was Written ist schwächer als Illmatic, aber nicht viel.

Plattenbeau

Postings: 502

Registriert seit 10.02.2014

2018-06-17 19:57:34 Uhr
Das wird nichts dauerhaftes mit diesem Album. "Not For Radio" mit seinem ach so epischen Männerchor nervt mich, genauso wie das ähnliche "Hate Me Now". Ich mag diesen epischen Stil nicht. "Cops Shot The Kid" klingt im ersten Moment cool, ein bisschen nach Run The Jewels, aber nervt mit seinem Vocal-Sample in Dauerschleife und dem Geschrei. Ähnliches gilt für "White Label", im ersten Moment ganz nette Idee, aber dann doch recht wenig Substanz. "Bonjour" ist ganz gut. "Everything" passt irgendwie gar nicht, hätte in etwas abgewandelter Form vielleicht eher auf "Ye" oder "Kids See Ghost" funktioniert. "Adam & Eve" finde ich auch gelungen. "Simple Things" geht auch irgendwie klar, angenehm entspannt. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass ich bei Bock auf Nas-Musik, immer lieber zu "Illmatic" greifen würde. Es ist und bleibt sein einziges Überalbum.

Amused

Postings: 223

Registriert seit 28.11.2016

2018-06-17 12:47:36 Uhr
Find's bis jetzt auch nicht so pralle. Die Beats passen nicht wirklich zu Nas und dann noch komische Aluhut-Lyrics.
Zum kompletten Thread

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