Yardbirds - Birdland

Yardbirds- Birdland

Favored Nations / Zomba
VÖ: 22.04.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Federn gelassen

Nein, das hier ist kein Debüt. Wenn ihr noch nie was von den Yardbirds gehört habt, mag daran liegen, daß "Birdland" ihr erstes Album nach einer 35-jährigen Pause ist. Und als Legende stehen die Vögelchen ein wenig im Schatten übermächtiger Nachlaßverwalter, allen voran Led Zeppelin. Tatsächlich waren die Yardbirds Mitte der 60er das Vorbild so ziemlich aller Bands, die es mit der Elektrifizierung des Blues ernst meinten. Außerdem spuckte ein kräftig rotierendes Besetzungskarusell einige der unbestrittenen Größen des Gitarrenfachs aus: Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page gaben sich hier in der Frühphase ihrer Karrieren die Klampfen in die Hand.

1992 trafen die Überlebenden anläßlich der Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall Of Fame zusammen, 1995 reformierte man sich mit neuem Bassisten/Sänger und Harmonica-Bläser, besetzte den traditionell vakanten Posten des Lead-Gitarristen mit John Mayo, der Ende der 70er mal mit Dr. Feelgood für ein wenig Furore gesorgt hatte und benötigte dann doch noch ganze acht Jahre, um das vorliegende Album herauszubringen, das zu mehr als der Hälfte aus Neueinspielungen alter Klassiker besteht. Nein, einen Schnellschuß, der mal eben ein wenig Geld in die Kasse spülen soll, kann man hier wohl ausschließen.

Stattdessen erwartet den gespannten Hörer die mit Abstand langweiligste Dokumentation eines Treffens alter, behäbiger Herren, die in den letzten Jahren eine CD-Presse durchlaufen hat. Die neuinterpretierten alten Songs werden mit der Unterstützung fast aller Weltklassegitarristen-die-ihre-beste-Zeit-schon-hinter-sich-haben in jeder Hinsicht perfekt nachgespielt. Trotz oder vielleicht auch wegen der Beiträge von Steve Vai, Brian May, Joe Satriani und Steve Lukather verlieren sie dabei jenes jugendliche Feuer, das in den altehrwürdigen Originalaufnahmen bis heute lodert. Die Frage nach dem "Warum" beantwortet sich hingegen mit dem ersten neuen Song "Crying out for Love": Eine Blues-Rumba für den Nachmittags-Tanztee im Café der einsamen Herzen sägt sich quälend in den um Gnade winselnden Gehörgang.

"Birdland" demonstriert eindrucksvoll, was passiert, wenn Musiker, die seit 30 Jahren nicht dazugelernt haben, ihre Vorstadtreihenhäuschen für ein paar Wochen verlassen, um mal wieder den Blues zu spielen: Alles wirkt auf erschreckende Weise sauber, adrett und vor allem unsagbar spießig. Man fragt sich ernsthaft, wie man Ex-Gunner Slash zur Mitarbeit an diesem geschmacksfreien und zahnlosen Zwölf-Takt-Schoßhündchen bewegen konnte. Entweder blendete ihn der große Name - oder der Mann kommt selbst langsam in die Jahre.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

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Tracklist

  1. I'm not talking
  2. Crying out for love
  3. The nazz are blue
  4. For your love
  5. Please don't tell me 'bout the blues
  6. Train kept a rollin'
  7. Mr. Saboteur
  8. Shapes of things
  9. My blind life
  10. Over, under, sideways, down
  11. Mr. you're a better man than I
  12. Mystery of being
  13. Dream with a dream
  14. Happenings ten years time ago
  15. A original man

Gesamtspielzeit: 56:52 min.

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  • The Yardbirds (11 Beiträge / Letzter am 22.09.2006 - 19:58 Uhr)