Christopher Kah - Limited resource

Christopher Kah- Limited resource

HighWav
VÖ: 27.04.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Bassig Instinkt

Eigentlich würden dieser Rezension die folgenden beiden Sätze genügen: Christopher Kahs neues Album "Limited resource" gehört zu den besten Techno-Releases des Jahres. Bitte weitersagen und kaufen. Doch eine solch kurz gefasste Empfehlung leidet natürlich darunter, dass sich Leser keinen rechten Reim darauf machen können, weshalb "Limited resource" nun zu den besten Techno-Releases des Jahres gehört. Erst recht, wenn die Review auf einer Seite mit dem Untertitel "Das Beste aus Rock und Independent" veröffentlicht wird. Deshalb dürfen es doch ein paar Absätze mehr sein. Dieses Album verdient nämlich Aufmerksamkeit, da es ohne großen Firlefanz zeigt, wie emotional elektronische Funktionsmusik wirken kann.

Christopher Kah ist ein französischer Produzent und wohl das, was man eine Szenegröße nennt. Fernab der Hitlisten ackert der Mann in Studios und Clubs wie ein Besessener, nebenbei zeigt er auf seinem empfehlenswerten YouTube-Kanal, wie eng verwandt eine Maschinen-Performance mit einem herkömmlichen Live-Konzert ist. Auch der Knöpfchendreher muss nämlich nicht nur genau wissen, wie seine Instrumente funktionieren, er muss auch ein Gespür für Stimmungen entwickeln. Kahs Ansatz ist dabei erfrischend simpel: Seine Tracks verzichten auf Knalleffekte und fokussieren sich stattdessen aufs Kerngeschäft. So gibt "Fury" eine eindeutige Richtung vor. Zu einer feisten Basslinie gesellt sich eine leicht verzerrte Bassdrum, während einige wenige Synthie-Akzente den melodischen Rahmen definieren. Spannung wird durch das gezielte Weglassen des Erwartbaren erzeugt.

Auch das an Stephan Bodzin erinnernde "La morsure" lebt von seiner konsequent ausdefinierten Grundidee. Hier sind es triolische Arps, die einander umkreisen, wobei durch gekonnt eingesetzte Percussion-Elemente zusätzliche Varianz erzeugt wird. Weniger technisch ausgedrückt: "La morsure" ist Trance, ohne in die Dudelfalle zu tappen. Diese vermeidet Kah aber ohnehin stets gekonnt. Härtere Tracks wie das mit finsteren Stimmsamples ausgestattete "Madness" funktionieren ebenso hervorragend wie das sich in Acid-Geblubber verlierende "Chasm". Bisweilen fährt der DJ sogar richtige Überraschungen auf: "Night track" beinhaltet einen sich zusehends in Dissonanzen verlierenden Mittelteil, der den an sich eng gesteckten Rahmen gekonnt ignoriert. Genau dieser Wille zur Grenzüberschreitung macht Christopher Kahs Musik auch so effektiv. In erster Linie muss Techno im Club funktionieren. Wenn er aber auf der heimischen Anlage oder über Kopfhörer noch tiefer ins Mark fährt, dann spricht das für das Gespür des Urhebers.

(Christopher Sennfelder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Fury
  • La morsure
  • Night track
  • Chasm

Tracklist

  1. In
  2. Fury
  3. Real unreal
  4. La morsure
  5. Night track
  6. Flush
  7. The escape experience
  8. Madness
  9. Chasm
  10. Ex

Gesamtspielzeit: 60:53 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
HubiKah
2018-06-15 11:39:27 Uhr
...mein Bruder...

Armin

Postings: 12930

Registriert seit 08.01.2012

2018-06-14 20:53:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum