Madsen - Lichtjahre

Madsen- Lichtjahre

Arising Empire / Warner
VÖ: 15.06.2018

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Gefangen in der DNA

Ein Lichtjahr entspricht ungefähr einer Streckendistanz von 9,5 Billiarden Kilometer, die das Licht unter Laborbedingungen in einem Jahr zurücklegt. Mehrere Lichtjahre bedeuten also verdammt viel abgegoltene Meter. Madsen haben sich wahrlich die Hacken wund getourt. Sie sind schon seit gefühlten Ewigkeiten dabei, ihren Festival-Konsens-Rock unters Volks zu mischen. Sie brüllten einst "Die Perfektion" ins Mikrophon und haben sie doch nie erreicht. Das wäre auch vermessen. Die vollkommenen 100 Prozent bleiben generell ein künstlerischer Wunschgedanke. Der Frühling 2005 ist inzwischen 13 Jahre her und es hat auch etwas Beruhigendes, dass diese Gruppe im Angesicht globaler Unruhen in ihren Grundfesten unverwüstlich scheint. Nur Keyboarder Folli verließ die Band nach drei erfolgreichen Alben. Die Brüder Sebastian, Sascha und Johannes machen immer noch gemeinsam Musik – das nie aufgegebene Familienprojekt existiert nun also schon seit ganzen sieben Studioalben. Unerschütterlich gibt sich die Band und unerschütterlich bleibt auch ihr Hang zur Beliebigkeit. Der Madsen-Sound bewegt sich kaum einen Millimeter vom Fleck. "Lichtjahre" gerät ähnlich angestaubt wie "Kompass", der entgegen seiner Bestimmung eine gewisse Ziellosigkeit dokumentierte.

Die verflixte Zahl Sieben muss öfter für einschneidende Ereignisse herhalten. Die unüberwindbaren Differenzen in einer Ehe oder der Schöpfungsmythos prallen in ihr aufeinander. Für Madsen hat das neuerliche Werk keinen derart wegweisenden Charakter, da zwar der Orbit versprochen wird, die Rakete aber kaum die Ausgangsposition verlassen kann. Madsen anno 2018 verheben sich nicht. Doch gleichwohl quält sich die Gruppe ebenso wenig, um voranzukommen. "Rückenwind" dient als exemplarisches Beispiel. Die erste Single tut keinem weh, aber hat außer einem rifflastigen Aufbruchsgedanken nur abgenutzte Praxistipps zu bieten: "Alles, was unerreichbar war, ist gar nicht mehr so weit / Wenn Du Dich nur kurz mal aus dem Alltag befreist." Im Einzelfall sorgt ein Song wie "Keiner" sogar dafür, dass die Band in den künstlerischen Minusbereich kippt. Die Kritik an der Social-Media-Dominanz des Alltags ist hier die Summe aus plakativsten Beobachtungen und Einschätzungen. Jener Pop-Rock der Marke Sportfreunde Stiller zieht sich über die gesamte Album-Distanz. Es tönt mal leiser mal lauter, aber das durchweg auf abgetretenen Pfaden. 2014 nahm die Band den Titelsong für eine lieblos wirkende Serien-Adaption von "Wicki und die starken Männer" auf. Der Hang zur Wiederholung scheint in der Band-DNA verankert.

Madsen wurden schon zu Release ihres Live-Albums "10 Jahre live" auf dieser Plattform als "Die Unscheinbaren" betitelt. Das hat sich bis zum heutigen Tag nicht verändert und zeigt, wie sicher sie ihr eigenes Gitarren-Schlagzeug-Einmaleins beherrschen. Die ewigen Mitgröler und treuen Begleiter können mit "Lichtjahre" unwillkürlich weiter die Stimmbände strapazieren. Die andere Fraktion, der Madsen vorher schon egal war, wird mit den Schultern zucken und weitergehen. Madsen zählen zwar nicht zur Hamburger Schule, aber stehen der Musikbewegung doch irgendwie nahe. So wirken die unzähligen Zeilen über Liebe und Glück noch ein wenig grobschlächtiger. Das letzte Kettcar-Album "Ich vs. Wir" trumpfte mit einer Haltung auf. Madsen meiden diese Reibungsflächen abgesehen von "Wo mal Wüste war" vollkommen und schwelgen lieber in den niemals bitteren Momenten von "Sommerferien": "Weißt Du noch als das egal war und wir mit dem Fahrrädern nach Hause fuhren und das einzig wichtige die Sommerferien waren." Diese Herangehensweise zieht sich durch die Platte und macht "Lichtjahre" zu einem typischen Madsen-Album: Keine wirkliche Verlustrechung, aber ein unergiebiges Nullsummenspiel.

(Michael Rubach)

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Highlights

  • Lichtjahre

Tracklist

  1. Wenn es einfach passiert
  2. Rückenwind
  3. Sommerferien
  4. Mein erstes Lied
  5. Keiner
  6. Wenn alles zerbricht
  7. Ich tanze mit mir allein
  8. Lichtjahre
  9. Ein paar Runden
  10. Athlet
  11. Kapitän
  12. Wird sie mich sehen
  13. Wo mal Wüste war

Gesamtspielzeit: 51:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Flupsh
2018-06-26 17:56:24 Uhr
Rückenwind ist ein Song den ich vom neuen Album kenne. Das reicht mir schon. Armselig! Hört euch mal das Riff am Start des Songs an. Dieser kommt dann im Song noch zwei, drei mal vor. Unglaublich, fast zu 100% von Marilyn Mansons "The Beautiful People" geklaut. Am Songende nochmal, dann mit zusätzlich leicht elektronischer Note. Manson und sein damaliger Produzent Trent Reznor (Nine Inch Nails) würden sich bedanken ihre Musik in diesem Song zu hören.
Bei aller Offenheit zu verschiedenen Musikrichtungen, sowas geht nicht!

Armin

Postings: 13618

Registriert seit 08.01.2012

2018-06-19 12:51:39 Uhr - Newsbeitrag

Armin

Postings: 13618

Registriert seit 08.01.2012

2018-06-16 19:47:55 Uhr - Newsbeitrag

Madsen feiern mit dem Video zu "Sommerferien" den Release ihres neuen Albums!

Liebe Freunde, liebe Medienpartner,

ach ja, wie schön war es, als man im Sommer sechs Wochen Ferien hatte und den lieben langen Tag machen konnte, was man wollte. Ein Traum für jeden, der einmal im Arbeitsleben angekommen ist. Genau daran erinnern sich Madsen auf ihrer neuen Single "Sommerferien", mit der nun endgültig die Freiluft-Saison eingeläutet wird.

Hier gibt es das Video zu sehen.


Armin

Postings: 13618

Registriert seit 08.01.2012

2018-06-07 21:06:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Obrac

Postings: 1022

Registriert seit 13.06.2013

2018-06-07 20:42:08 Uhr
Na, da hat sich der Rezensent wohl nicht erlaubt, Spaß mit der Platte zu haben.
Zum kompletten Thread

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