Wax Chattels - Wax Chattels

Wax Chattels - Wax Chattels

Flying Nun / Captured Tracks / Cargo
VÖ: 18.05.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Dunkelheit im Herzen

Einfach mal bei Google den Begriff "wax" eintippen und sich durch die vom Algorithmus-Giganten vorgeschlagenen Anfragen belehren lassen: Internetnutzer suchen wesentlich öfter nach einer Gelegenheit der schmerzhaften Haarentfernung (Waxing) als nach dem ersten Album einer neuseeländischen Noiserock-Band (Wax Chattels). Haarwurzel-Distortion schlägt Noiserock-Distortion nach Punkten. Nun, die Wege des Herrn und des Menschen sind unergründlich. Aber wer einen weiteren Beweis gesucht hatte, dass einer durch Algorithmen gesteuerten Suchmaschine weniger zu trauen ist als einem nach Leidenschaft dürstenden Musiker-Herzen, der sollte einen Cut machen, um sich mithilfe des Debüts von Wax Chattels die Föhnfriseur neu zu richten.

Das Trio aus Auckland startet zunächst einmal mit einer kleinen Überraschung. Denn statt mit genretypischen E-Gitarren beschwört die Band den Sound zu ihrer morbiden Nachtwanderung ins Krawall-Tal lediglich mit Bass, Schlagzeug und Synthesizer sowie den sich wunderbar ergänzenden Peter Ruddell und Amanda Cheng an den Mikros herauf. Dabei sind es weniger die sich zwischen Sprechen, Singen und Brüllen abwechselnden Frontleute, die bei Wax Chattels die größten Kerben im Hörer-Gedächtnis hinterlassen. Es ist vielmehr das Schlagzeug, dass sich durch eiskalte Präzision in den Vordergrund spielt. Mit einer knallharten gespannten Snare-Drum prügelt die Rhythmus-Rappelbude wahlweise im Irrsinnstempo herumfliegender Schrapnellsplitter nach vorne oder pflügt mit dem oftmals verzerrten Bass als Buddy ahnungslos herumstehende Zuhörer um. Doch Gewalt ist nur eine Lösung, die andere lässt es zwischendurch immer wieder langsam angehen und bietet musikalische Ausdrucksformen zwischen psychedelischer Satansbeschwörung und schiefgelaufener Wurzelbehandlung. Dabei spielt das Keyboard, das sich in der Regel als nihilistische Hammond-Orgel tarnt, eine wichtige Rolle – knüpft der Tasmanische Tastenteufel doch einen Soundteppich zwischem bluesigem Sexappeal und jazziger Extrovertiertheit.

Wax Chattels sind Freunde der düsteren Zeiten, tragen diese Stimmung aber eher im Herzen denn auf der Zunge. Hier wird also weder oberflächliche Wave-Symbolik oder pathetisches Gothic-Gewitter bemüht, sondern eher ein gallig performter Witz immer wieder neu erzählt. Dies kann entweder spooky wirken wie bei "Gillian", deftig wie im an The Kills erinnernden "It" oder mit "In my mouth" sogar ganz entfernt auf die dunkle Seite von The Jon Spencer Blues Explosion verweisen. Die Songstrukturen hinterlassen dabei in ihrer Reduziertheit einen recht überschaubaren Eindruck, was aber hervorragend in das Gesamtkonzept einer Band passt, die in ihrer Ausdrucksweise eine unangenehme Verzweiflung transportiert, sodass sich bei "Wax Chattels" durchaus einmal die Körper-Haare aufstellen können. So man diese noch hat.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • It
  • Shrinkage
  • Career

Tracklist

  1. Concrete
  2. Stay disappointed
  3. It
  4. Gillian
  5. In my mouth
  6. Shrinkage
  7. Career
  8. NRG
  9. Parallel lines
  10. Facebook

Gesamtspielzeit: 39:16 min.

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