Rae Sremmurd - Sr3mm

Rae Sremmurd- Sr3mm

Ear Drummer / Interscope / Universal
VÖ: 04.05.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die liebe Verwandtschaft

Mit Verwandten ist es so eine Sache. Die einen sind um jede Sekunde froh, in der sie die Bande mal nicht ertragen müssen. Andere brauchen schon eine Standleitung zu ihrer Familie, wenn auch nur die kürzeste Distanz herrscht. Swae Lee und Slim Jxmmi gehören klar zu letzterer Kategorie. Als Brüder in Atlanta aufgewachsen, sind sie seitdem laut eigener Aussage allerhöchstens kurz voneinander getrennt gewesen. Wie praktisch, dass sie als Rae Sremmurd nun noch mehr Zeit miteinander verbringen dürfen. Vor allem, nachdem "Black Beatles" in den USA ein Megahit wurde und selbst hierzulande die Top Ten der Charts stürmte. Und für ihr drittes Album, das nach "SremmLife" und "SremmLife 2" nun überraschenderweise auf den Namen "Sr3mm" hört, ziehen sie alle Register. Triple-Album. Über 100 Minuten. 27 Songs. Gemeinsam und doch voneinander separiert.

Aber der Reihe nach. Die Verwandtschaftsverhältnisse von "Sr3mm" sind ebenso interessant und sozusagen der Schlüssel zum ganzen Gebilde. Ganz klar kommt dabei als nächstes das aus der gleichen Stadt stammende Trio Migos in den Sinn, zwischen deren Mitgliedern ebenfalls eine Form von Blutsverbindung besteht. Nicht nur das – deren Trap-Sound ist maximal einen Steinwurf von dem entfernt, was Rae Sremmurd auffahren, und auch sie hatten sich mit ihrem dritten Album "Culture II" für eine ähnlich erschlagende Länge entschieden. Was Swae Lee und Slim Jxmmi auf den ersten neun gemeinsam erschaffenen Songs auf "Sr3mm" präsentieren, kommt allerdings deutlich schräger und abwechslungsreicher daher.

Gleich der Opener "Up in my cocina" lässt seinen knochentrockenen Beat immer wieder in Dissonanz fallen – eine Blaupause für die meisten folgenden Songs. Besonders das Future-Feature "Buckets" macht mächtig Laune, wie es durch das schleppende Tempo langsam eine halluzinogene Wirkung entfaltet. Es darf als Statement gewertet werden, dass die am einfachsten zündenden Banger am Ende von "Sr3mm" – gemeint ist nur der erste der drei Parts – zu finden sind. Dafür ist "Powerglide" mit melodischerem Ansatz und smoothem Ansatz eine absolute Killersingle, "Rock n Roll Hall of Fame" und "T'd up" stehen dem allerdings nichts nach. Eine Einschränkung ist zu konstatieren: Wer Autotune für Teufelszeug, Braggadacio-Lyrics für einfältig und die im Trap üblichen Ad-Libs für albern hält, wird mit "Sr3mm" ebenso wie mit "Culture II" nichts anfangen können – es ist kein das Genre transzendieres Meisterwerk. Viel mehr als beim Migos-Dauerlutscher werden Freunde des gepflegten Traps aber entlohnt. Denn es wartet noch einiges.

Beide Brüder haben nämlich jeweils neun Solostücke im Köcher, welche Swae Lees "Swaecation" und Slim Jxmmis "Jxmtro" ergeben. Und tatsächlich fokussieren beide Soloalben weitestgehend einen Aspekt des Rae-Sremmurd-Sounds. Slim Jxmmi ist noch näher dran, gibt den geldversessenen MC, in "Keep God first" macht er klar, dass neben jenem "God", auch noch die "family", die "squad" und das liebe "money" ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Dazu findet er meist basslastige Beats, die ab und zu leichten Soul-Einschlag einfließen lassen. Davor hat Swae Lee mit "Swaecation" ganz klar das freischwimmendere, emotionalere Werk geschaffen. Nicht nur, dass er mit einem instrumentalen Vers im Opener "Touchscreen navigation" die Fans dazu aufruft, ihre eigenen Bars einzuschicken – Songwriting 2.0 sozusagen –, er schafft auch einen Spannungsbogen vom liebestrunkenen Beginn zu deutlich introvertieren Songs. Mehr R'n'B-Pop als Rap, mehr Herzensangelegenheiten als Bling-Bling.

Moment, Moment – Rap-Duo teilt sich für Soloalben auf, einer gibt den toughen Rapper, einer singt lieber und wundert sich über die Liebe? Selbstverständlich ist OutKasts "Speakerboxxx / The love below" ein weiterer, naheliegender konzeptioneller Vergleichspunkt. Doch die hatten damals nicht das gemeinsame Drittel, mit dem Rae Sremmurd jetzt den Reigen eröffnen. Tatsächlich sind die beiden genau dort am besten: im Tandem. Auch wenn "Swaecation" definitiv ein lohnender Ausflug ist und "Jxmtro" in seiner Kürze eine beeindruckende Menge Energie versprüht, so dass das Gesamtpaket äußerst stimmig und unterhaltsam gerät. Nebenbei bemerkt war jenes OutKast-Doppel damals der Anfang vom Ende des Duos, Swae Lee und Slim Jxmmi featuren sich jedoch gegenseitig auf ihren Soloalben und haben mehrfach betont, dass dieses Mammutwerk vor allem ihre Zusammengehörigkeit zeigen soll. Anders wäre es auch zu schade.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Buckets (feat. Future)
  • Powerglide (feat. Juicy J)
  • Rock n Roll Hall of Fame
  • Touchscreen navigation
  • Lost angels
  • Brxnks truck

Tracklist

  • CD 1
    1. Up in my cochina
    2. Close (feat. Travis Scott)
    3. Bedtime stories (feat. The Weeknd)
    4. Perplexing pegasus
    5. Buckets (feat. Future)
    6. "42"
    7. Powerglide (feat. Juicy J)
    8. Rock n Roll Hall of Fame
    9. T'd up
  • CD 2
    1. Touchscreen navigation
    2. Heartbreak in Encino Hills
    3. Heat of the moment
    4. Offshore (feat. Young Thug)
    5. Guatemala (with Slim Jxmmi)
    6. Lost angels
    7. Hurt to look
    8. Red wine
    9. What's in your heart?
  • CD 3
    1. Brxnks truck
    2. Players club
    3. Anti-social smokers club (feat. Zoë Kravitz)
    4. Chanel (with Swae Lee feat. Pharrell Williams)
    5. Cap (feat. Trouble)
    6. Changed up
    7. Keep God first
    8. Juggling biddies (feat. Riff 3X)
    9. Growed up

Gesamtspielzeit: 101:43 min.

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User Beitrag

Felix H

Postings: 3776

Registriert seit 26.02.2016

2018-06-02 20:59:34 Uhr
Meine Wertungen einzeln:

Sr3mm 7-8/10
Swaecation 7/10
Jxmtro 6/10
raerae
2018-06-02 19:46:48 Uhr
Bis jetzt mein Album des Jahres (also das Rae-Album).

Swaelees Album mit ein paar der besten Tunes des Jahres und slimmys Album wie der Autor gut beschrieben hat mit viel Energie. Für mich aber der schwächste Teil.

Armin

Postings: 16004

Registriert seit 08.01.2012

2018-05-31 17:57:40 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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