G.Rag / Zelig Implosion Deluxxe - Schöner warten

G.Rag / Zelig Implosion Deluxxe- Schöner warten

Gutfeeling / Broken Silence
VÖ: 04.05.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Nächste, bitte

"Mach mal nicht so die Welle!" Ein Ausspruch, den der Münchener Plattenladenbesitzer und hyperaktive Bandleader Andreas Staebler alias G.Rag offenbar längst verinnerlicht hat. Zumindest, wenn er nicht gerade mit seinen Großkapellen Los Hermanos Patchekos und Die Landlergschwister von Gypsy-Swing über Volks- und Blasmusik bis hin zu Americana-Blues alles auf links zieht, was sich nicht wehrt, und stattdessen im Duoformat zusammen mit Schlagzeuger Mikel Zelig wissen lässt: "We're only a No Wave thing". Dann scheppert nämlich auf einmal das schrottreife Drumkit noch eine Spur ruinöser und rasseln die Stahlsaiten so verheißungsvoll mit dem Lo-Fi-Klistierbesteck, als würden die frühen Wire bei ihren ersten Gehversuchen im Studio alles umschmeißen, was nicht niet- und nagelfest ist. Und geht es in die "Manhattan disco", lärmt auch der New Yorker Underground der ausgehenden siebziger Jahre im Geiste mit – kantig, aber höchst eingängig. Oans, zwoa, druffa!

Auf ihrem zweiten Album als G.Rag / Zelig Implosion verstärken sich die beiden nun mit Tastenmann Prof. Deluxxe, der seinem Moog ausgesucht vorsintflutliches elektronisches Geblubber, Gewabber und Gesprotze entlockt. Hat sich also was mit dem Hochglanz-Content, den der Zusatz im Bandnamen suggeriert – hier geht es durch sämtliche blechern bis kaum produzierte Trash-Instanzen des Garagen-Rock'n'Roll und Post-Punk mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil. "Schöner warten" muss der Hörer nach auf analogem Gefiepe und verkratzten Riffs dahereiernder "Begrüßungsfahrt" jedenfalls nicht lange, bis die "Alien boys" überfallartig die Abrissbirne schwingen – dass die Jungs schon im Titel stecken bei einem Stück, das zu rasanten Leads und vernuschelten Vocals unverkennbar mit "Fell in love with a girl" von The White Stripes um die Wette holzt, versteht sich hier beinahe von selbst. Von München nach Detroit und wieder zurück in nicht einmal zwei Minuten – und noch 'ne Runde.

Der nächste "Cool crash" mit vorwitzig dazwischenfunkendem Synthie, ungemütlicher Brutzelgitarre und Megaphon-Vocals kommt nämlich bestimmt: Zum anarchischen Minimal-Punk des Trio-Debüts fehlt nur noch ein herzliches "Los Paul, Du musst ihn voll in die Eier haun". Ähnlich angestochen hetzt "Kopflos" durch die Weltgeschichte und steckt so lange dadaistische Handkantenschläge ein, bis der Song ganz ramponiert aus der Wäsche guckt. Und auch die Palais-Schaumburg-Coverversion "Morgen wird der Wald gefegt" gipfelt nicht etwa in dezenter Besenreinheit, sondern in einem entwurzelt vorwärts wankenden Boogie, der das tonlos ratternde Original bassig-frühelektronisch aufbrezelt und um das gleiche klackernde Metronom herumbaut wie Fehlfarben einst "Paul ist tot". Manchmal reichen neben drei Akkorden eben auch Fetzen von Neuer Deutscher Welle, Krautrock und ein paar kosmische Abfallprodukte, solange die Power stimmt. Ein Album wie ein übervolles Wartezimmer, in dem man viel rennen muss.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Alien boys
  • Manhattan disco
  • Morgen wird der Wald gefegt
  • Kopflos

Tracklist

  1. Begrüßungsfahrt
  2. Alien boys
  3. Manhattan disco
  4. Click shine
  5. Leonie tanzt
  6. 3 + 2 = space
  7. Cool crash
  8. Morgen wird der Wald gefegt
  9. Kopflos
  10. Komm
  11. Dirty eight

Gesamtspielzeit: 41:59 min.

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Armin

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2018-05-31 17:55:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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