TT - LoveLaws

TT- LoveLaws

Caroline / Universal
VÖ: 18.05.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Selbst ist die Frau

"Der kleine Sirius B möchte aus dem Bälleparadies abgeholt werden." Was wie eine Durchsage der Möbelhaus-Kinderbetreuung im Paralleluniversum Planetentests.de klingt, ist gar nicht so weit hergeholt. Sirius B heißt nämlich nicht nur ein Bestandteil des Sternbildes Großer Hund, sondern auch der 2005 geborene Sohn von Warpaint-Gitarristin Theresa Wayman – bei dem sich die Bespaßungseinrichtung inzwischen erledigt hat, da man über acht Jahren leider draußen bleiben muss. Doch Wayman geht es auf ihrem Solo-Debüt unter dem Alias TT ohnehin um Gewichtigeres, wie man schon am Titel ablesen kann: Die hier verhandelten "LoveLaws" greifen gleichermaßen bei Muttergefühlen, zwischenmenschlichen Wechselbädern und nagender Einsamkeit während des Touralltags, nachdem bereits auf dem selbstbetitelten Warpaint-Zweitling verschiedene Aspekte des Themas lichtblitzartig durch "Love is to die" zuckten. Fertig ist Wayman mit der Liebe also noch lange nicht – und umgekehrt verhält es sich vermutlich genauso.

Doch statt wie ihre Hauptband auf "Heads up" unterkühlte Eingängigkeit walten zu lassen oder die Beleuchtung herunterzudrehen wie Mitmusikerin Jenny Lee Lindbergh auf dem wuchtig-düsteren "Right on!", rückt die US-Amerikanerin ihren Herzensangelegenheiten mit subtileren Mitteln zu Leibe und folgt zusehends den Gesetzen von Downbeat und TripHop. Wer nun an Portishead denkt, liegt nicht ganz falsch – nur dass "LoveLaws" die bei den Briten stets mitschwingende Albtraum-Komponente durch dezent angerauten Dream-Pop ersetzt, der unliebsame Gefühlswirrungen mit einem Hauch Jenseitigkeit besänftigt. Zwar geht es nicht ohne Schmerz ab, wenn Wayman im Auftakt "Mykki" die Gitarre zum Jaulen bringt und dem "Dummy"-Opener "Mysterons" nacheifert oder über dem rissigen Beat-Gerüst von "Love leaks" konstatiert: "Feel like we fucked up / Feel like we lost our love", allerdings im unerschütterlichen Glauben daran, dass es ihr gutes Recht ist, ihre Beziehungen in den Sand zu setzen, solange sie sich dabei nur treu bleibt. Selbst ist die Frau.

Was auch für dieses stilistisch stringente Album gilt – und für Unerbittlichkeiten wie "The dream", das zu taumelnder Piano-Linie ähnlich saftig vorwärts Richtung Club schiebt wie Warpaints "Disco//very". Und entdeckt Wayman in der mit glitzernden Licks aufgebohrten, ebenfalls wunderbaren Single "I've been fine" zu waidwundem "Why can't you be next to me?" kurz doch ihre innere Beth Gibbons, wird man auch das ja wohl noch seufzen dürfen. Hochemotionale und auch musikalisch stichhaltige Momente, angesichts derer die fragmentierten, beinahe verhuschte Dubstep-Kargheit verströmenden Rhythmen von "Tutorial" und "Take care" trotz grummelnder Bass-Unterlage merkwürdig ungreifbar bleiben, sodass sich "LoveLaws" ab der Hälfte letztendlich etwas unentschlossen Richtung Ausgang pirscht. Bei so vielen seelischen Strapazen aber vielleicht auch nicht anders machbar – bis Wayman wieder ganz bei Kräften ist, können wir uns ja mit ihr die Nase an der Scheibe zum Bälleparadies plattdrücken.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Mykki
  • I've been fine
  • The dream

Tracklist

  1. Mykki
  2. I've been fine
  3. Love leaks
  4. The dream
  5. Tutorial
  6. Dram
  7. Safe
  8. Sassafras interlude
  9. Take one
  10. Too sweet

Gesamtspielzeit: 41:34 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-05-24 20:48:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Autotomate

Postings: 856

Registriert seit 25.10.2014

2018-05-02 19:12:31 Uhr
I've Been Fine

Armin

Postings: 12594

Registriert seit 08.01.2012

2018-03-07 20:29:57 Uhr - Newsbeitrag


TT - "LOVELAWS", SOLODEBÜT DER WARPAINT-MUSIKERIN
VÖ: 18.05.
LOVELEAKS / CAROLINE INTERNATIONAL



Jetzt ist es raus: Theresa Wayman – Sängerin und Gitarristin bei Warpaint, einer der beeindruckendsten Indie-Rockbands der Stunde – veröffentlicht am 18.05. unter dem Namen TT ihr Debütalbum bei Caroline International!

„LoveLaws“ reflektiert Waymans persönliche und musikalische Entwicklung der letzten 14 Jahre und eröffnet ihr die Möglichkeit, Ideen auf andere Weise umzusetzen, als es im Band-Kontext möglich ist.

Das Album handelt von den Höhen und Tiefen der Liebe im Leben einer tourenden Musikerin; davon wie Routine und Einsamkeit unterwegs die Aufrechterhaltung von romantischen Beziehungen erschweren. Die Songs waren Waymans Weg, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Im Ergebnis steht ein Album, das in Waymans Worten „down tempo, pretty sexy, and a bit emotional“ ist. „I’m a romantic person in a world where a relationship is difficult. But I also needed to be on my own and not force having a relationship.”

Auch ein neues Warpaint-Album ist in Arbeit. Mehr dazu demnächst bei uns!
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