Ghost - Prequelle

Ghost- Prequelle

Loma Vista / Spinefarm / Universal
VÖ: 01.06.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Komplett abgehakt

Er ist nicht mehr da. Einfach hinfort, schmählich durch einen niederen Untergebenen ersetzt. Nach viel Getöse ersetzen Ghost ihren Frontmann – Papa Emeritus III. ist Geschichte. Fortan soll nun also ein sinistrer Kleriker namens "Cardinal Copia" die Botschaft des Unterweltfürsten verkünden. Okay, nach den sich immer noch hinziehenden Streitigkeiten um Tantiemen-Anteile bei den Schweden ist der Mummenschanz tatsächlich nur noch Show, und wie sich Frontmann und Bandgründer, ach was, einziges hauptamtliches Bandmitglied Tobias Forge auch immer nennen mag, ist am Ende auch höchstens von gewissem Unterhaltungswert. Nicht mehr und nicht weniger. Nur die Nameless Ghouls, die maskierten Mitmusikanten, bleiben Nameless Ghouls. Schlicht und ergreifend, weil es derer etwa neun bis zehn sind, die in wechselndem Einsatz für das Okkult-Rock-Unternehmen des Herrn Forge tätig sind. Mit Verschwiegenheitsabkommen im Vertrag, steht zu vermuten.

Das Alleinstellungsmerkmal fällt für das vierte Album "Prequelle" also weg, so dass Forge nun erstmals wirklich unter dem Druck steht, liefern zu müssen, erst recht nach dem hoch dekorierten "Meliora". Und wie er liefert. Das heißt, wenn man den ersten Schock darüber überwindet, dass Produzent Tom Dalgety jede Menge Ecken und Kanten im Sound abgehobelt hat, an deren Stelle dafür jedoch eine unfassbare Sammlung grandioser Hooks getreten ist. Was das bedeutet, zeigt nach dem Intro zunächst die Vorab-Single "Rats". Was für ein Refrain! Und was für ein grandioses Video, man könnte beinahe meinen, die Zeiten von Musikvideos mit Spielfilm-Budget wie in den Neunzigern wäre wieder angebrochen. Spätestens wenn der düstere Kardinal mit Menjou-Bärtchen und unbeweglicher Mimik zur "Thriller"-Hommage bittet, bleibt kein Auge trocken, derweil ohrwurmt sich der Song unwiderruflich ins Hirn.

"Rats" ist das erste Ausrufezeichen der Platte, und es soll wahrlich nicht das letzte bleiben. "Faith" beispielsweise winkt zu Beginn noch einmal ganz dezent zum Grammy-gekrönten Song "Cirice" herüber, lässt auf die stampfenden Riffs jedoch einen feisten Refrain folgen. Dann allerdings folgt in der Klasse nicht unbedingt zu erwartendes. Was auch immer Forge beim Songwriting eingeworfen hat oder ob er schlicht ABBA in Dauerschleife gehört hat, es verwandelt jeden einzelnen verdammten Song in einen Ohrwurm der Meisterklasse. "See the light" weist einen Spannungsbogen auf, der manche ESC-Combo vor Neid erblassen ließe, während "Dance macabre" oder "Witch image" wunderbare Rock-Pop-Nummern sind, bei denen Einflüsse wie Foreigner oder Toto unüberhörbar sind – tja, und solche überragenden Harmonien wie im Refrain von eben "Dance macabre" sind wohl doch irgendwie von Benny Anderssons und Björn Ulvaeus' Notenblättern direkt in die schwedische DNA gewandert.

Das perfekte Beispiel für Forges überbordenden Eklektizismus allerdings ist ein Instrumental. Wer wirklich imstande ist, alle möglichen Zitate aus dem wahnwitzigen "Miasma" herauszuhören, darf sich wohl mit Fug und Recht als wandelndes Musiklexikon bezeichnen. Immer wieder tauchen Reminiszenzen an alte Horrorfilm-Klassiker auf, immer wieder nimmt das Stück eine unerwartete Wendung – bis sogar das Soloinstrument des Todes, nämlich das Saxofon, so eingebaut wird, als wäre es das normalste der Welt für eine Rockband. Eines ist jedenfalls klar: Die Zeit der ungestümen, ungeschliffenen Metal-Kracher vom Debüt "Opus eponymous" sind momentan vorbei, auch wenn Songs wie "Elizabeth" sicher einen dauerhaften Platz in der Setlist haben werden. Doch "Prequelle" zeigt viel mehr noch als zuvor "Meliora", wie sehr Forge auch als Songschreiber gereift ist. Tolle Refrains waren bislang auf allen Platten vorhanden. Eine derartige Sammlung von potenziellen Hits war jedoch so nicht zu erwarten und ist darüber hinaus noch ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung derjenigen, die Ghost ohnehin schon übermäßigen Kommerz vorgeworfen haben.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Rats
  • Faith
  • Miasma
  • Dance macabre

Tracklist

  1. Ashes
  2. Rats
  3. Faith
  4. See the light
  5. Miasma
  6. Dance macabre
  7. Pro memoria
  8. Witch image
  9. Helvetesfonster
  10. Life eternal

Gesamtspielzeit: 41:48 min.

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User Beitrag
Mr Right
2018-07-12 17:30:17 Uhr
Bei denen ist mehr als nur die Maske peinlich.

Mr Oh so

Postings: 1188

Registriert seit 13.06.2013

2018-07-12 17:24:31 Uhr
80er hair metal, welcher für den ghost-sound imho mehr als nur pate stand

Haha, da ist was dran. Ich find's nicht übel. Aber diesen Maskenquatsch sollten sie lassen. Das ist doch nur peinlich.
T bob
2018-07-12 16:56:11 Uhr
Meisterstück der Extraklasse Würde ich sagen.
vonMusikkeineAhnunghaber
2018-07-09 11:17:33 Uhr
Ist nicht ohne Grund das am schlechten bewerteste Ghost Album. Und die Interesse hier im Forum an dem Album hält sich ja auch in Grenzen. Das einzige was bei mir da groovt ist die lässige Handbewegung zur Pausetaste.

Nervtötender Rock der ganz schnell wieder in Vergessenheit geraten wird.

Hört lieber die neue NIN EP/LP
Musikliebhaber
2018-07-09 10:00:43 Uhr
Also die Melodien und Hooks sind schon unglaublich gut. Wenn ich an Witch Image denke - was für ein Groove, da ist Headbanging angesagt.
Auch die Art und Weise wir er singt und die Lyrics passend zum Rhythmus einbaut ist bemerkenswert.
Das ganze Album hat keinen einzigen Ausfall. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Intrumentalparts nicht eher solide Lückenfüller sind, aber anonsten kann ich nur den Hut ziehen. Von mir gibt es 8 von 10.
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