The Donnas - Spend the night

The Donnas- Spend the night

Atlantic / Warner
VÖ: 28.04.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schwere Mädchen

Nachdem die schnieken Donnas-Ladies endlich volljährig geworden sind, was sie mit dem letzten Album "Turn 21" auch gleich plakativ kund getan haben, ist es nun an der Zeit, richtig einen drauf zu machen. Ordentlich Drinks kippen, Gesetze brechen und mit Vollgas Highways, Clubs und die Männerwelt unsicher machen. Girls just wanna have fun und so. Demzufolge nennt sich die neue Platte programmatisch "Spend the night", und den süß lächelnden Grazien auf dem Cover kann man(n) ja auch wirklich kaum widerstehen. Also ab ins Auto, die Mädels auf den Rücksitz gepackt und frisch ins Nachtleben gestürzt. "It's on the rocks" und "Take it off" knallen gleich mal recht flott und verheißungsvoll aus den Boxen. Daß der nächtliche Party-Trip am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen enden wird - und das nicht wegen zu exzessivem Alkoholkonsum - kann man jetzt noch gar nicht ahnen.

Einige Songs später wird dann aber schnell klar, daß die Donnas so gar nichts mit den vermeintlichen Riot-Chicks zu tun haben und auch die Beschreibung als "Girlie-Version der Ramones" kommt gehörig ins Wanken. Punk ist das nicht mehr und Riot schon gar nicht. Dafür sind die Mädels einfach zu brav und musikalisch viel zu glatt. Zumal das Quartett neuerdings mehr auf Heavy-Sound setzt denn auf trashigen Punkrock. Ein Blick ins Booklet, in dem die vier Ladies höchst lieblich mit Kuscheltieren und Hasenpuschen posieren, wischt dann auch die letzten Zweifel weg: Die ach so toughen und coolen Donnas sind einfach nur nette College-Girls. Wittert man nach dem Durchbruch mit "Turn 21" nun etwa das große Geld? Irgendwo müssen die Kröten für die teuren Gucci-Kleider und Pflege-Lotionen ja auch herkommen. Die Indie-Rockbitch sollen doch ruhig andere geben.

Mit "Spend the night" legen die Vier auf ihrem Majordebüt ein Album vor, das nichts weiter als gefällig ist. Stadion-Rock für alle Mädchen, die gerade dem Boygroup-Alter entwachsen sind. Zwar bratzen die Gitarren ordentlich nach vorne, und mit den Singalong-Refrains sind die Donnas sowieso meistens auf der sicheren Ohrwurm-Seite, aber wirklich rocken tut das Ganze nur selten. Da mag das Label noch so sehr von "rasiermesserscharfen Riffs" schwafeln, hier wurden mit dem Lady-Shaver die letzten Ecken und Kanten wegpoliert. Und auch wenn das Quartett nicht mal anspruchsvoll sein will - nach zehn Jahren Bandgeschichte sollte man doch wenigstens musikalisch mehr können, als nur die ewig gleichen AC/DC-Solos und Van Halen-Riffs herunter zu leiern. Niveau und Abwechslung sucht man auf dem vierten Donnas-Album aber so vergebens wie die Nadel im Heuhaufen.

Letztendlich ist es die Unbekümmertheit und der druckvolle Sound, der einige der Tracks zu kleinen Hits macht. Da vergiß man schon mal schnell, wie durchschnittlich die Scheibe eigentlich ist. Richtig ärgerlich ist dagegen, daß "Spend the night" auf ganze 14 Songs aufgeblasen wurde und damit vollends in die Belanglosigkeit abgleitet. Auf eine 6-Song-EP zurecht gestutzt könnte man damit durchaus einen gepflegten Party-Abend verbringen. Die ganze Nacht will man sich mit den Donnas dann aber doch nicht um die Ohren schlagen. Sorry, Mädels. Und jetzt hole ich mir eine Aspirin, vergesse den Ausflug mit Euch und gehe schlafen.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • It's on the rocks
  • Take it off

Tracklist

  1. It's on the rocks
  2. Take it off
  3. Who invited you
  4. All messed up
  5. Dirty Denim
  6. You wanna get me high
  7. I don't care (so there)
  8. Pass it around
  9. Too bad about your girl
  10. Not the one
  11. Please don't tease
  12. Take me to the backseat
  13. 5 o'clock in the morning
  14. Big rig

Gesamtspielzeit: 42:58 min.

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