Post Malone - Beerbongs & bentleys

Post Malone- Beerbongs & bentleys

Republic / Universal
VÖ: 27.04.2018

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Humble-Mann

Austin Richard Post hat seine Künstlerpersönlichkeit Post Malone von einem Rap-Namens-Generator ausspucken lassen. Außerdem schwirrt noch eine Kurz-Dokumentation im Netz herum, die suggeriert, dass der Musiker jemanden dafür bezahlt, sich als Beerbong-Guy ständig verfügbar zu halten. Triviale Trichterbetankung während die Bentleys in den Garagen vor sich hin stehen – Post Malone vereint diese Extreme und wird von Wegbegleitern trotzdem als "humble" beschrieben. Der auffällige Mann, der sich Gitarrespielen mittels Guitar Hero beigebracht hat, gibt sich trotz Grillz und Versace-Slippers volksnah, demütig und bescheiden, wenn er öffentliche Auftritte absolviert. Der Job des gut bezahlten Bierlieferanten ist natürlich auch nur eine urbane Legende. Trotzdem hat sich seit dem Song "White Iverson" und dem Album "Stoney" wahrhaftig vieles im Alltag des Soundcloud-Emporkömmlings verändert. Der Junge vom Land ist sehr schnell unverhältnismäßig reich und absurd berühmt geworden. Dieser Umstand definiert den Pop-Rap-Folk-Sound, den Post, selbst Träger einer permanenten Dornenkrone, für sich perfektioniert hat. "Beerbongs & bentleys" beschreibt das konfuse Leben eines 23-jährigen Megastars, der den Ruhm aushalten muss, aber weiterhin Comics, Videospiele und die einfachen Dinge im Leben schätzt.

Seit seinem Durchbruch begleiten den Buddy von Justin Bieber Vorhaltungen der kulturellen Aneignung. Kritiker behaupten, er nutze Rap lediglich als musikalische Ausdrucksform, weil er sich gut verkaufe. Diesen Vorwurf entkräftet der Angegangene nicht gerade, als er in einem Interview darauf verweist, dass im HipHop keine Lyrics zu finden sein, die einen zum Weinen bringen würden. Wenn er über sein Leben nachdenken und Tränen vergießen möchte, lausche er lieber Bob Dylan. Er tut selbst auch nicht allzu viel dafür, um jene Emotionen beim Hörer abzugraben. Hauptsächlich besteht sein textliches Spektrum aus Designer-Marken, Blowjobs, Groupies und ein bisschen Superstar-Paranoia. Gesungene Migos-Drake-Megalomanie, wie sie zum pop-stelzigen Usus geworden ist. Um aufrüttelnde Einsichten scheint es dem selbsternannten "Rockstar" nirgends zu gehen. Zusammen mit Mumble-Rapper 21 Savage schwelgt er lieber im Highlife des Posterboys. Dank Gespür für Melodie und Hooks gerät der Song in all seiner Einfachheit schlichtweg lässig. Die Folgesingle "Psycho" ist ein ähnlicher Instant-Classic und macht auch nichts unnötig kompliziert. Im Kontrast dazu wirken Tracks wie "Better now" oder "Sugar wraith" so unendlich austauschbar, dass klar wird, wie schmal der Grad zwischen Hit und Hirngespinst bei Post Malone ist.

Neben den bekannten Erfolgssongs steht die beliebigere Füllware und auch ansonsten ziehen sich Gegensatzpaare durch das Album. "Rich & sad", "Zack and codeine" verkünden das ambivalente Leben bereits im Titel. "Takin' shots" und "Stay" stecken die Fronten am prägnantesten ab. Der erste Song verkümmert zu einer fast schon frechen Trap-Fingerübung, die es sich ohne Augenzwinkern rausnimmt, den naheliegendsten Witz mit Schnäpsen und Schussgeräuschen zu erzählen. Der zweitgenannte Track ist eine schnörkellose Südstaaten-Ballade, die nahezu ausschließlich mit Akustik-Gitarre sowie dem Organ des Hauptdarstellers auskommt. Das Post Malone live auch gerne mal Metallicas "Nothings else matters" covert, fügt sich hier nahtlos ins Bild. Der leidende Liedermacher ist eine Rolle, die dem jetzigen Megastar gut zu Gesicht steht. Wahrscheinlich kann kaum jemand nachvollziehen, wie es sich anfühlt "Multimillionaire by the time I’m 23" zu sein, wie er in "Zack and codeine" anführt. Der ständigen Versuchung ausgesetzt, im nächsten Moment durchzudrehen, ist sein Leben ein kaum nachvollziehbarer innerer Twist. Trotzdem hätten es fünf bis sechs Songs weniger auch getan, um diesen polarisierenden Mindstate in Szene zu setzen. Das Debüt "Stoney" wäre in einer eingedampften Variante bereits ein gutes Pop-Album gewesen. Dass es aber schon längst nicht mehr darum geht, schlüssige Alben abzuliefern, sondern das boomende Streaming-Geschäft für sich zu nutzen, zeigte jüngst die Track-Ansammlung auf"Culture II" von den Migos. Demut deckelt letztendlich den Bierdurst nicht – selbst, wenn man auf eigene Faust zum Kühlschrank geht.

(Michael Rubach)

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Highlights

  • Rockstar (feat. 21 Savage)
  • Psycho (feat. Ty Dolla $ign)
  • Stay

Tracklist

  1. Paranoid
  2. Spoil my night (feat. Swae Lee)
  3. Rich & sad
  4. Zack and codeine
  5. Takin' shots
  6. Rockstar (feat. 21 Savage)
  7. Over now
  8. Psycho (feat. Ty Dolla $ign)
  9. Better now
  10. Ball for me (feat. Nicki Minaj)
  11. Otherside
  12. Stay
  13. Blame it on me
  14. Same bitches (feat. G-Eazy & YG)
  15. Jonestown (Interlude)
  16. 92 explorer
  17. Candy paint
  18. Sugar wraith

Gesamtspielzeit: 64:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
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2018-05-14 10:50:50 Uhr
GraT

Armin

Postings: 11889

Registriert seit 08.01.2012

2018-05-10 19:50:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
pre malone
2018-02-04 00:12:10 Uhr
Also rockstar ist auf jeden Fall ein ziemlich starker Song

Armin

Postings: 11889

Registriert seit 08.01.2012

2017-10-01 13:10:10 Uhr - Newsbeitrag
Post Malone
Post Malone überrollt mit "rockstar" die internationalen Charts: #1 global und in Deutschland ++ Neuer Streaming-Rekord
Kein Song lief in dieser Woche häufiger als Post Malones aktuelle Single „rockstar“ feat. 21 Savage: Mit gleich 65 Millionen Streams setzte sich der US-Amerikaner in 21 Ländern – neben Deutschland u.a. auch in USA, UK, Kanada, Australien, Österreich, Schweiz, Holland, Schweden und Dänemark – wie auch global an die Spitze der Spotify-Charts. Auch bei Apple Music sprengte der von Tank God & Louis Bell produzierte Song mit weltweit über 25 Mio. Streams binnen einer Woche die bisherige globale Rekordmarke. Zudem stieg "rockstar" in 27 Ländern auf Platz #1 bei iTunes ein und brach auch in Kanada die bisherige Bestmarke für die meisten Streams in der ersten Woche.

Parallel dazu hält sich sein im Dezember veröffentlichtes Debütalbum „Stoney“ seit inzwischen über 40 Wochen in den Top-10 der meistgestreamten Alben in den Staaten. Auch in die offiziellen US-Top-10 kehrte das Platinalbum, angeschoben von „rockstar“, in dieser Woche zurück. Mit über 3 Milliarden Streams hatte „Stoney“ Post Malone zuvor schon den Titel „Most Streamed New Artist“ beschert. Er selbst wurde dadurch vom Hip-Hop-Phänomen endgültig zur Pop-Sensation.

Ein Grund für den massiven Erfolg seiner „rockstar“-Single sind die Lyrics, in denen der MC aus Dallas Parallelen zu den größten Rock-Ikonen der letzten Jahrzehnte zieht – genauer gesagt: zu den Partynächten, die das Rockstarleben mit sich bringt. Die Anspielungen auf Jim Morrison, AC/DC & Co. sind z.T. dermaßen gut verpackt, dass sich „rockstar“ auch bei Genius aktuell ganz oben auf der Liste der meistgesuchten Songs befindet.

Weil er in seinem Sound (er sagt dazu: „Sauce“) alles von Hip-Hop bis R&B, von Pop bis Alternative und Country verschnürt, wurde er von Highsnobiety schon mal als derjenige Mann im Hip-Hop-Kosmos bezeichnet, der am ehesten mit Bob Dylan zu vergleichen sei. Aufgewachsen mit Metallica, Johnny Cash, UGK und The Notorious B.I.G., bekam Post Malone seine erste Gitarre mit 11. Fünf Jahre später stellte er sein erstes Mixtape ins Netz, packte mit 18 kurzerhand seine Siebensachen und ging ohne festen Plan nach Los Angeles, wo er seither seine Zelte aufgeschlagen hat.

Schon vor dem massiven Erfolg seines Debütalbums „Stoney“ landete der Rapper, Sänger, Produzent und Gitarrist, der immer wieder auch durch seine krassen Frisuren und mit seinem ganzen Look für Furore sorgt, mit „White Iverson“ einen Vierfach-Platinhit, um mit „Congratulations“ feat. Quavo sogar 5x US-Platin abzuräumen.

Das Beste: Sein zweiter Longplayer soll noch im Jahr 2017 kommen. Auch der Titel des neuen Longplayers ist Programm: „Beerbongs & Bentleys“.




Schon ziemlich gut.
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