J. Cole - KOD

J. Cole- KOD

Dreamville / Roc Nation / Interscope / Universal
VÖ: 23.04.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lean-Wörter

Stars der neuen Rap-Generation aus den Staaten zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus: Drogenglorifizierung und Gesichtstattoos. J. Cole kann mit Lean und Xanax nichts anfangen und sein Gesicht ist bisher frei von lebenslangen Verzierungen. Der in Frankfurt geborene MC genießt mit seinem fünften Album trotzdem mehr Erfolg als viele junge Profiteure der "Gucci gang"-Ära. "KOD", das mit den Bedeutungen "Kill our demonz", "Kidz on drugs" oder "Kings overdosed" spielt, hat in den USA in den ersten 24 Stunden alles eingerissen, was Drake mit "More life" an Streaming-Rekorden aufgestellt hat. Das Premieren-Signing bei Jay-Zs Label Roc Nation scheint inhaltlich einen Nerv zu treffen. Wo Eminem kaum etwas zu berichten hat, außer wie sich das Leben im Elfenbeinturm so anfühlt, haut J. Cole eine Schneise in den Medikamentenschrank aller Lils und Youngs. Um zum Angriff auf die vernebelten Konsumkids zu blasen, braucht es nicht mehr als einen Gratis-Gig kurz vor Release. Cole vermeidet den pompösen Aufgesang, um dennoch fulminant auszuholen.

Der zudem als Producer tätige MC war seit jeher ein wenig mitteilsamer unterwegs. Seine Alben von "Cole world: The sideline story" bis "4 your eyez only" bedienten sich stets eher des Deskriptiven als des Verschreibungspflichtigen. Zusammen mit Kendrick Lamar oder Vince Staples bildet Cole die Speerspitze der aktuellen US-Rapper, die mehr im Blick haben als den Drop der neuen Gucci-Kollektion. Da jedes seiner Alben bisher die Nummer eins erreichte, setzt sich der erzählende Maestro also nicht zu Unrecht mit stolzgeschwellter Brust selbst die Krone auf, um an den Strippen derer zu ziehen, die im Codein zu versinken drohen. Zusammen mit seinem eigens für "KOD" geschaffenen Alias Kill Edward beschreibt er auf "Friends", dass er keinen Bock, hat zuzusehen, wie seine Community an Abhängigkeiten zerbricht: "I understand this message is not the coolest to say / But if you down to try it I know of a better way / Meditate."

Für die Zurechtweisung der "Kidz on drugz" bedient sich Cole mitunter auch all der "Skrrts" und schablonenhaften Hook-Variationen, die den HipHop dieser Tage durchziehen. Diese leichte Zeigefinger-Mentalität lässt sich dem wortgewaltigen Rapper wohl am ehesten ankreiden, doch auf musikalischer Ebene gibt es nichts auszusetzen. Cole trägt sein Anliegen so inbrünstig vor, dass in jeder Line deutlich wird, dass es hier um etwas Längerwährendes geht als um einen Hit. Komiker und Schauspieler Kevin Hart bekommt gar einen eigenen Song, weil er stellvertretend für die menschliche Natur mit all ihren Widersprüchen eintritt. Sein offensiver Umgang mit einer Affäre samt Erpressungsversuch machte in den USA Schlagzeilen und legt offen, dass die oberste Ebene der Schöpfung im ständigen Clinch mit sich selbst steht: "My actions I know they confusin' / At home I look happy as usual / On the road I'm a mack, I'm a chooser / 'm a addict, I'm maskin' that / Kevin's heart".

Mit einer gottgleichen Verherung, wie sie bisweilen Kendrick Lamar erfährt, muss J. Cole noch nicht umgehen. Die Sample-starken Instrumentals berappt er trotzdem, wie es der Compton-MC kaum besser könnte. Die erste Single ""ATM"" über das liebe Geld typisiert ihn demnach als fliegenden Herrscher in den Wolken. Mit dieser klaren Haltung lassen sich vielleicht nicht die Teens von der Abfeierei der hedonistischen Helden abhalten – das steht auch gar nicht auf der Agenda. Aber: Wie Cole daran erinnert, dass es möglich ist, Inhalte abseits von schräg betonten Wortgruppen zu platzieren und damit Erfolge feiern zu können, bleibt lange im Gedächtnis. Ohne Nebenkriegsschauplätze geht aber selbst hier nicht. Hinter das Outro packt der Gründer von Dreamville Records noch Bars, die für den Geist eines zeitlosen HipHop eintreten. Beiläufig zerlegt er die Kurzweiligkeit der Generationslieblinge, die ihn schon mit plumpesten Disstracks bedacht haben. "1985 (Intro to "The Fall off")" taucht die bunten Dreadsträger tief ins violette Mischgetränk, schüttelt sie und zeigt, wie vergänglich der augenblickliche Rausch zu werden droht. Zum Glück dauert der von "KOD" induzierte länger an.

(Michael Rubach)

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Highlights

  • ATM
  • Brackets
  • 1985 (Intro to "The fall off")

Tracklist

  1. Intro
  2. KOD
  3. Photograph
  4. The cut off (feat. Kill Edward)
  5. ATM
  6. Motiv8
  7. Kevin's heart
  8. Brackets
  9. Once an addict
  10. Friends (feat. Kill Edward)
  11. Window pain (Outro)
  12. 1985 (Intro to "The fall off")

Gesamtspielzeit: 42:27 min.

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Armin

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2018-05-10 19:49:04 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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