Leon Bridges - Good thing

Leon Bridges- Good thing

Columbia / Sony
VÖ: 04.05.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Und das Feuer brennt

Voller Anerkennung und Erstaunen zeigte sich die Fachwelt, als der damals erst 25-jährige Leon Bridges mit "Coming home" mal eben mir nichts, Dir nichts dem Soul den Defibrillator auf die Brust setze und den wieder erklingenden Herzschlag in Form seines wunderbar verspielten Debüts auf Fans aller Länder losließ. Knapp drei Jahre später ist es allerhöchste Zeit für einen Nachfolger. Mittlerweile zählt der Texaner 28 Lenze, was immer noch recht jung ist, wenn man bedenkt, was der Mann schon alles vorzuweisen hat: Ein mit Gold ausgezeichnetes Top-Ten-Album, eine Grammy-Nominierung und das erfolgreiche Verstreichenlassen der Club-27-Aufnahmefrist. Wow! "Good thing" heißt der Zweitling und, Spoileralarm, es ist ein gutes Ding geworden.

Insgesamt geht Bridges es dieses Mal eher ruhig an. Größtenteils zeichnen sich die Songs auf "Good Thing" durch unaufgeregte Instrumentierung und einfache Songstrukturen aus. Auf diese Weise lenkt wenig von Bridges souliger Stimme ab, die auf "Coming home" bereits begeisterte, auf diesem Album aber sogar noch ein wenig besser klingt. Man hört Bridges die Erfahrung und Übung der letzten Jahre an, wenn er beispielsweise in "Bet ain't worth the hand" lässig zwischen Falsett und Vollstimme wechselt und sich in allen Registern eine unaufdringliche Körnung bewahrt. Die Kompositionen, über welchen der Gesang schwebt, bewegen sich im Spektrum zwischen Jazz, Soul, Blues und Funk.

Bridges fühlt sich in jedem dieser Stile wie ein Fisch im Wasser, sei es im bluesigen "Beyond" oder im funkigen "If it feels good (then it must be)". Textlich dreht sich "Good thing" zumeist um das Leben und die Liebe. Erzählungen vom Bezwingen der Widrigkeiten des Seins wechseln sich mit teils etwas schnulzigen Liebesliedern ab. Aber auch wenn der Kitsch alles andere als zu kurz kommt, die Vortragsweise der Songs zieht den Karren definitiv wieder aus dem Dreck. So lässt sich das Bild eines prasselnden Kaminfeuers vor dem inneren Auge stellenweise zwar nur schwer unterdrücken, aber wenn es schon kitschig sein muss, dann so. Immerhin hat sich der Sänger den exzessiven Gebrauch des Wortes "Baby" seit dem letzten Album ein wenig abgewöhnt.

"Good thing" ist ein gutes Album geworden, das, in der richtigen Stimmung aufgelegt, begeistern kann. An den Vorgänger kommt es trotzdem nicht ran. "Coming home" war stilistisch konsistenter, und auch wenn die größere Bandbreite des neuen Albums eindrucksvoll zeigt was Bridges kann, lassen die Songs, wenn auch nicht thematisch, dafür aber musikalisch, einen roten Faden vermissen. Für sich genommen ist dafür jeder einzelne Track sehr gelungen. Es macht den Eindruck, als wolle Bridges sich einfach ausprobieren, sein Repertoire erweitern und sehen, wohin es ihn verschlägt. Das sei ihm vergönnt, er ist ja noch jung genug.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

  • Bad bad news
  • Forgive you
  • If it feels good (then it must be)

Tracklist

  1. Bet ain't worth the hand
  2. Bad bad news
  3. Shy
  4. Beyond
  5. Forgive you
  6. Lions
  7. If it feels good (then it must be)
  8. You don't know
  9. Mrs
  10. Georgia to Texas

Gesamtspielzeit: 34:56 min.

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Armin

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2018-05-10 19:48:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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