Cardi B - Invasion of privacy

Cardi B- Invasion of privacy

Atlantic / Warner
VÖ: 06.04.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Keine Bewegung

Der Siegeszug des Geschirrspülautomats im 20. Jahrhundert hat den Weg bereitet: Heute muss keiner mehr als Tellerwäscher anfangen, um den amerikanischen Traum zu leben. Der letzte bekannte Musiker mit einer solchen seifenwassergetränkten Vita war David Hasselhoff. Und der brachte immerhin die Berliner Mauer zu Fall. Die ist nun schon fast drei Dekaden weg, und Cardi B war damals noch nicht einmal geboren. Die 25-Jährige verkörpert heute das "From rags to riches"-Prinzip, zumindest steht das in sämtlichen Musikmedien, an dieser Stelle ja jetzt auch. Vom Stripclub in die sozialen Medien, ins Reality-TV, an die Spitze der Charts. Ihr Debüt "Invasion of privacy" wird rund um den Globus gefeiert. Aber warum jetzt noch mal?

Mal vorweg: Cardi B ist allenfalls eine durchschnittliche Rapperin, das ist eben so. Nicki Minaj, die bisherige weibliche Chartkönigin im US-HipHop verfügt über ein deutlich umfangreicheres Skill-Level, aber sie kokettiert eben mit einer Photoshop-Realität, während Cardi B angeblich pure Authentizität widerspiegelt. Die fault aber auch: "Invasion of privacy" ist ja doch ein erfolgsoptimiertes Pop-Album, an dessen Lyrics über 20 verschiedene Schreiber beteiligt waren und das die Karte der (vorgetäuschten) künstlerischen Anfassbarkeit voll ausspielt. Kein Vorwurf, aber wie sollen die Geschichten der Rapperin aus der Bronx einen wirklich bewegen, wenn man das im Hinterkopf hat? Ist Plastik-Pop besser, weil er ein paar Laufmaschen in den Strapsen hat? Ja, schon.

Denn es gelingt dem Album wirklich über weite Strecken mitzureißen, vor allem dort, wo es nicht vordergründig den Hit sucht. Etwa in der US-Nummer-Eins "Bodak yellow" beispielsweise, das ohne klassische Hook auskommt und Cardi B giftig spitten lässt. Ähnlich präsentiert sich "Bartier Cardi": Kein Chorus, keine Klimax, aber passiv-aggressive Rhymes mit einem Feature von 21 Savage. Auch die Migos-Kollabo "Drip" verfügt über ein gleichartiges Machschema, eignet sich aber besser für die Ferrari-Ausfahrt mit heruntergelassenen Fenstern, genauso "Money bag". Auch schon der Opener "Get up 10" hat wahnsinnig viel Zunder im Gepäck, wenn er langsam losrollt und dann mit angelegter Pistole klarstellt, das Widerstand wohl zwecklos ist. In "Best life" hingegen weicht die Wut der Freude. Der Beat klackert smooth um die Ecke und wird von Chance The Rapper wahrlich bereichert. "I like it" verschiebt die Stimmung mit Trompeten und Salsa-Anklängen in den Buena Vista Strip Club. Das macht schon Laune.

Dabei ist das lyrische Rezept immer dasselbe: Cardi B legitimiert ihren Platz im Game mit ihrem Lebenslauf und zelebriert mithin eine gewisse, durchaus nicht unangenehme Großkotzigkeit. Wo "Invasion of privacy" diesen Weg aber verlässt, offenbart es denn auch seine Schwächen, meist genauso musikalisch: "Be careful" fehlt es an Tempo, "Ring" mit Kehlani ist für eine echte Ballade zu billig, "She bad" ist arg fahrig, bricht aus dem ansonsten sehr klaren Konzept aus und "Thru your phone" ist thematisch zwar irgendwie spannend, bräuchte aber eine härtere Gangart in den Raps und müsste den gesungenen Refrain streichen, so gerät die gewollt dellige Fassade eben doch zu glatt. So weit, dass sie Erwartungen einfach wieder einreißen kann, ohne dabei zu scheitern, ist die Rapperin dann doch noch nicht. Aber das schaffte auch eine Beyoncé erst mit ihrem bisher letzten Album "Lemonade".

Apropos Beyoncé, auch die lebt ihn ja, den American Dream. Aber machen wir uns mal nichts vor: Dieses ganze Gesülze ist einfach Schwachsinn. Es ist doch scheiß egal, was oder wer Cardi B tatsächlich ist, und zu glauben, die Person hinter diesem Pseudonym sei tatsächlich so etwas wie Phänomen, resultiert nur aus ganz leichtgläubigen Kausalitäten. Aber hey: Wenn man das akzeptiert, bietet "Invasion of privacy" ein durchaus ordentliches Unterhaltungspotenzial – und ist das nicht am Ende doch das, was der geneigte Musikhörer sich noch ein Stückchen mehr wünscht, als tatsächlich bewegt zu werden? Jein.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • I like it (with Bad Bunny & J Balvin)
  • Money bag
  • Bartier Cardi (feat. 21 Savage)

Tracklist

  1. Get up 10
  2. Drip (feat. Migos)
  3. Bickenhead
  4. Bodak yellow
  5. Be careful
  6. Best life (feat. Chance The Rapper)
  7. I like it (with Bad Bunny & J Balvin)
  8. Ring (feat. Kehlani)
  9. Money bag
  10. Bartier Cardi (feat. 21 Savage)
  11. She bad (mit YG)
  12. Thru your phone
  13. I do (feat. SZA)

Gesamtspielzeit: 48:13 min.

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Felix H

Postings: 2862

Registriert seit 26.02.2016

2018-05-30 08:39:36 Uhr - Newsbeitrag

Felix H

Postings: 2862

Registriert seit 26.02.2016

2018-05-22 11:03:44 Uhr - Newsbeitrag

Amused

Postings: 213

Registriert seit 28.11.2016

2018-05-08 19:38:27 Uhr
Nicht wirklich.

haubi

Postings: 6

Registriert seit 08.05.2018

2018-05-08 17:15:42 Uhr
hört sich alles nach Migos Songs an, die nicht auf Culture 2 raufgepasst haben haha
Alicia Fettarsch Carrey
2018-05-08 11:34:51 Uhr
u know me
cardi b
pusi poppin on de charts
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