Princess Nokia - A girl cried red

Princess Nokia- A girl cried red

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 13.04.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 1/10

Queerverweis

Alles kommt zurück. Geschichte wiederholt sich – und nicht nur Geschichte: Alles kommt zurück. So ebenfalls der längst verdrängte Pop-Punk der frühen 00er Jahre. Und wer bringt ihn zurück? Princess Nokia alias Wavy Spice alias Destiny Frasqueri, HipHop-Künstlerin wie Impulsgeberin im Queer-Rap. Überzeugte ihr Debüt "1992 deluxe" eher durch seine Botschaften als durch seinen Sound, folgt jetzt mit "A girl cried red" der Verweis auf frühe musikalische Einflüsse. Denn die 25-jährige New Yorkerin machte nie einen Hehl aus ihrer Liebe für Rock. So beginnt dieses Mixtape mit den Worten: "It won't even hurt, I'm already dead." Lyrics geschrieben mit Kajalstift. The E.M.O.

Allerdings hat sich Frasqueri nicht nur bei der Wortwahl munter an den traurigsten Zeiten der Musikgeschichte orientiert, sondern mehr als einmal deren Melodieführungen übernommen. Während "For the night" sich noch ein wenig bei Trap bedient, könnte "Your eyes are bleeding" durchaus seinen Platz in der melancholischen Spätphase von Blink 182 haben. Allerdings führt Frasqueri diese beiden Welten in den restlichen Tracks dieses Albums konsequent zusammen. So richtig in den Flow kommt Frasqueri jedoch in keinem Stück, dafür orientiert sich "A girl cried red" eben zu sehr an Melodien. Beats gibt es kaum bis gar nicht. Vielmehr saubere, schrammelige Gitarren und Autotune. Es bleibt dabei vor allem die Frage: Wie ernst meint Frasqueri dieses Mixtape überhaupt? Ein Stinkefinger auf dem Cover lässt sich in postironischen Zeiten in alle möglichen Richtungen interpretieren.

Princess Nokia macht auf "A girl cried red" keine Ansagen. Der Rückzug auf das Emotionale greift zwar in "Little angel", aber so wirklich herzlich will dieses Mixtape nicht werden. Was an der Spielzeit liegen könnte, an der zeitlichen Distanz, an Frasqueris Herangehensweise ans Thema. Das lässt sich nach diesen acht Songs kaum beantworten. Dafür bleiben zu viele Tracks zu sehr Skizze, zu sehr Fingerübung. Die 20-minütige Spieldauer lässt sich als Selbstbewusstsein interpretieren. Oder als ziemliche Frechheit. Pop-Punk selbst verkam nie zu einem seelenlosen Produkt, entstanden aus den Erwartungen des Markts – er war es schon in seinem Ursprung. Dementsprechend wenig Inspiration lässt sich aus diesem Genre ziehen. Von Bands folgte nur Selbstzitat auf Selbstzitat auf Selbstzitat.

Nun kommt Frasqueri und verknüpft mit wenig Mühe dieses Genre mit der Gegenwart. "Do you think I give a fuck? Only care about myself", heißt es in "At the top", das damit den vielleicht ehrlichsten Moment dieses Mixtapes liefert. Die eigene Innerlichkeit als Mittelpunkt der Welt. Damit lässt sich weder im Queer-Rap noch im HipHop ein Meilenstein setzen. Einzig "Little angel" erzählt lieber eine Geschichte. Die Zielsetzung sah sowieso vermutlich sowieso anders aus: "Es ist echte alternative Musik. Es gibt keine Features, das bin einfach nur ich", sagte Frasqueri in einem Interview. Ist dieses Mixtape alternative Musik? Nicht wirklich. Wozu auch? Es funktioniert nach altbekannten Spielregeln, das greift schon. Aber Frasqueri bekommt genug Seele auf diese Tracks, dass mancher Song hängenbleibt. Und sei es, dass sich nur eine Zeile, eine Melodie in ein paar Jahren an einem sonnigen Tag wieder aus dem Unterbewusstsein schält. Alles kommt eben zurück.

(Björn Bischoff)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Your eyes are bleeding
  • Little angel

Tracklist

  1. Flowers and rope
  2. Your eyes are bleeding
  3. For the night
  4. Look up kid
  5. Interlude
  6. Morphine
  7. At the top
  8. Little angel

Gesamtspielzeit: 20:12 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Prince Sony
2018-04-30 16:37:46 Uhr
wieso EP? sind 8 Songs drauf !

humbert humbert

Postings: 1719

Registriert seit 13.06.2013

2018-04-29 23:21:01 Uhr
Seit wann werden denn hier EPs rezensiert?

Armin

Postings: 13828

Registriert seit 08.01.2012

2018-04-27 13:43:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum