Jon Hopkins - Singularity

Jon Hopkins- Singularity

Domino / GoodToGo
VÖ: 04.05.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lumenschmuck

Die Welt ist nicht genug. Also kreiert sich Jon Hopkins seine eigene. Um genauer zu sein, einen auditiven Lebensraum, in dem scheuernder Techno und Chor-Musik koexistieren können. Diese Vision steht "Singularity" vor, war gedanklicher Leitfaden im Entstehungsprozess und spukte dem Briten angeblich schon seit 15 Jahren im Kopf herum. Nicht als fixe Idee, sondern als Arbeitsauftrag für sein zukünftiges Produzenten-Ich. Herleitung hin, Hinleitung her: Fünf Jahre nach seinem lobgepriesenen Durchbruchs-Album "Immunity" verschiebt Hopkins auf "Singularity" dessen Ingredienzien zu einem farbintensiven, detailträchtigen und mitunter spektakulären (Klang-)Universum.

Wer über den Begriff Techno stolpert und voreilig abwinkt, ist möglicherweise nicht vertraut mit dem Schaffen Jon Hopkins'. Selbst kein großer Clubgänger, haben seine bisherigen Soloplatten, Musik für Theater und Film, Mix-Compliations und Kollaborationstätigkeiten mit monotonem Bassgebastel gar nichts gemein. Der 38-Jährige zählt inzwischen zu den festen Größen der IDM-Szene, der Intelligent Dance Music, weil er konträre Pole in seinen Produktionen verlötet, emotionale Aggregatzustände in instrumentale Electronica zu überführen weiß und bannende Atmosphäre(n) erschafft.

Auf "Singularity" ist das nicht anders. Hopkins zeichnet hier einen langen Weg der Genese. Startend mit dem beklemmenden Titeltrack, folgt nach Verarbeitungsprozessen und dem Finden einer meditativen Mitte in "Recovery" physische und psychische Gesundung. Im besagten Opener drängen zuallererst nebulöse Flächen ins Epizentrum der aufblinkenden Sequenzer – eine Vorhut für die Industrial-Sounds, die als Ausdruck für das ungefilterte Niederprasseln auf das Individuum stehen können. Bei der famosen Vorab-Single "Emerald rush" zeigt das zugehörige, animierte Video einen Jungen, der kleinen smarragdgrünen Geschöpfen mit einem Maskerade-Panzer in eine Höhle folgt und dort in einem See kosmischer Selbstauflösung eintaucht. Dabei ertönen schemen- und nymphenhafte Chor-Stimmen und stemmen sich dickknochige Rhythmen dagegen, vom Rewind-Fahrtwind zurückgedrängt zu werden.

Es scheint nicht abwegig, dass Hopkins' künftige Konzerte zu einem cineastisch geprägten, audiovisuellen Erlebnis werden und ein Begleitfilm "Singularity" untermalt. Das Album sei ohnehin gedacht, am Stück konsumiert zu werden, heißt es im Begleittext zur Platte. Viel essenzieller aber – jaja, Klischee, Klischee – ist aus Sicht des Rezensenten der Genuss über Kopfhörer, weil Hopkins in "Echo dissolve" oder dem Schlusstrack auch mit Field- und Street-Recordings arbeitet. Und weil es erstaunlich ist, aus welchen Richtungen plötzlich Sounds auftauchen. Norden, Osten, Süden, Westen, Outer Space. So weiß "C O S M" mit Sicherheit, wo E.T. seinerzeit angerufen hat und wie Liebessignale in (Sc)hallwellen ihren Weg zum Empfänger suchen. "Luminous beings" trägt das multiple Richtungsleuchten bereits im Namen und "Neon pattern drum" baut sein Fundament auf ruckartigen Bewegungen auf, die klingen wie ein hektisches Hin und Her am Fader des Mischpults, dergestalt aber Lücken reißen für additive Sounds.

"Everything connected" hingegen ist nicht weniger als absoluter Wahnsinn. Der Titel verrät schon: In dieser zehnminütigen Ausgeburt an Großartigkeit kommt einiges zusammen. Der Bass besitzt eine mitunter dehnbare Leichtigkeit, die dynamischen Elemente sind brillant gesetzt und die Trance-Arrangements ein Zugewinn erster Güte. Die in ihrer Präsenz versatilen Flächen streuen Endorphine en masse aus. So funktioniert wahrscheinlich Feenstaub. Nachdem der letzte vernehmbare Takt unter eine Glocke verschwindet, bleibt kaum mehr über als das Rauschen des Windes. Und auch im finalen Ambient-Balsam "Recovery" wird jeder Pianoton ausgekostet. Bis zur absoluten Stille. Aber dieses Nichts strotzt vor Zufriedenheit.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Emerald rush
  • Everything connected
  • C O S M
  • Recovery

Tracklist

  1. Singularity
  2. Emerald rush
  3. Neon pattern drum
  4. Everything connected
  5. Feel first life
  6. C O S M
  7. Echo dissolve
  8. Luminous beings
  9. Recovery

Gesamtspielzeit: 62:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Larry
2019-07-18 07:43:38 Uhr
Der Remix ist nicht schlecht, aber das Alleinstellungsmerkmsl des Originals geht verloren, diese " Tangerine Dream" Eröffnung. Muss aber gestehen, sowohl Original wie auch Remix jetzt jeweils nur einmal gehört zu haben

hideout

Postings: 305

Registriert seit 07.06.2019

2019-07-17 23:32:42 Uhr
Ich poste das mal hier rein, auch wenn es nicht zum Album gehört, aber in den anderen Hopkins-Threads habe ich nichts dazu gefunden.
Nur für den Fall, falls es wer nicht kennen sollte:

https://www.youtube.com/watch?v=k8e_XoyboQ8



musie

Postings: 2489

Registriert seit 14.06.2013

2019-07-17 21:27:27 Uhr
Hammer Remix, wow

Jennifer

Postings: 1807

Registriert seit 14.05.2013

2019-07-17 16:47:22 Uhr - Newsbeitrag

Watchful_Eye

Postings: 1603

Registriert seit 13.06.2013

2018-05-12 13:08:00 Uhr
Wenn der das so gesagt hat, dann hat er schon Recht damit. Vlt ist es trotzdem ne 8, weil die Nicht-Ambient-Tracks allesamt so dermaßen gut sind.
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