L.A. Salami - The city of bootmakers

L.A. Salami- The city of bootmakers

Sunday Best / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 13.04.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schrecklich guter Leckerbissen

Kurzes Musik-Quiz: Was haben Tom Neuwirth, Marvin Lee Aday und L.A. gemeinsam? Klar, Tom Neuwirth ist als Conchita Wurst bekannt und Marvin Lee Aday als Meat Loaf, mit der Stadt L.A. hat das aber nichts zu tun. Dafür aber sehr viel mehr mit dem britischen Folk-Musiker L.A. Salami, dessen Fleischgehalt allerdings tatsächlich Teil seines bürgerlichen Namens ist. Oft wurde das arme Würstchen wegen seines komischen Namens belächelt, aber statt die beleidigte Leberwurst zu spielen, nahm Lookman Adekunle Salami es mit Humor und spielte ganz nebenbei mit "Dancing with bad grammar" ein großartiges Album ein, das vor keinem der heiklen Themen wie Gesellschaft oder Politik Halt machte. Und auch dem Nachfolger "The city of bootmakers" geht es um die Wurst. Von L.A. Salami kann man sich also ruhig eine Scheibe abschneiden. Versprochen: Das war das letzte Wortspiel.

Darin ist L.A. Salami, wie es allein der Titel beweist, eh viel besser. Und miese Witze würden "The city of bootmakers" auch kein Stück weit gerecht. Denn statt sich auf schlechte Scherze zu beschränken, verpackt L.A. Salami den Ernst der aktuell brisanten Lage um Terror, Flucht, Macht und individualistischen Hedonismus in richtig gute Songs. Und diese Formulierung ist ebenso ein Understatement wie "I'm tasteless but I can charm a beer" aus dem launigen "Generation l(ost)". Ein Bier könnte sich der Sympath natürlich locker ergaunern. Wer aber mit "England is unwell" einen vielschichtigen sozialpolitischen Essay aus dem Ärmel schüttelt, den selbst der größte Brexit-Befürworter pfeifend durch warme Frühlingstage tragen könnte, kann eben so viel mehr. Dazu zählt auch der Folk-Rock-Ohrwurm "Terrorism! (the Isis crisis)", der so leicht daherkommt, dass er einem immer wieder ein Lächeln aufzwingt, egal, wie schmerzhaft das auch ist. Klar kann man einen Mitgröl-Refrain zu dieser Thematik grenzwertig finden, leichtfertig geht Salami jedenfalls nicht damit um, bringt er doch in weniger als vier Minuten eine weit vielschichtigere Analyse unter als es so mancher politischer Kommentar vermag.

Es braucht ein wenig Sardonismus, um "The city of bootmakers" richtig wertzuschätzen, genauso wie ihn L.A. Salami benötigt, um bei all den schönen Melodien nicht doch an dem Schrecken der Welt zu zerbrechen. Die Erkenntnis, wie gut es einem selbst geht, wenn man sich wie in "Brick lane" eigentlich um nicht viel mehr als den richtigen Lifestyle oder den bestmöglichen Zeitvertreib sorgen muss, macht es dabei nicht besser. Denn der Schlag in die Magengrube namens "I'll tell you why" ist nicht fern. All unsere first-world-problems rund um die liebe Liebe zerfetzt Salami da mal eben in der Luft: "On the shoreline lay an empty shell – What was a boy, his body quelled / He ran from hell for help but got told he ain't got the right papers."

"The city of bootmakers" verkommt dabei aber nicht zum Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger. Natürlich kennt auch L.A. Salami, wie in der verzweifelten Suche "I need answers", nicht für alles eine Lösung. Natürlich weiß auch er, wie beschissen es ist, verlassen zu werden, selbst wenn er letztlich resümiert "You're better off alone". Natürlich bleibt auch L.A. Salami nicht viel mehr als die in "Science + buddhism = a reality you can own" gewonnene Erkenntnis, dass das eigene Leben es trotz all dem Mist um einen herum nicht wert ist, gelebt zu werden, wenn man sich dabei nicht lebendig fühlt. Es ist also völlig in Ordnung, an all den schönen Folk-Melodien von "The city of bootmakers" seine Freude zu haben. Wie in "Who's cursing us now", das man sich wunderbar anhören kann, wenn man vom Balkon der Sonne beim Untergang nachsieht, darf man dabei aber nie vergessen, dass es noch eine andere Seite der Welt da draußen gibt.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Terrorism (the Isis crisis)
  • I'll tell you why
  • England is unwell
  • What is this

Tracklist

  1. Sunrise
  2. Generation L(ost)
  3. Who's cursing us now?
  4. Terrorism! (the Isis crisis)
  5. Brick Lane
  6. I'll tell you why
  7. England is unwell
  8. A man: a man without warning (certified)
  9. You're better off alone
  10. I need answers
  11. Science + Buddhism = a reality you can own
  12. The talisman on the age of glass
  13. What is this?
  14. Jean is gone (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 55:48 min.

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slowmo

Postings: 288

Registriert seit 15.06.2013

2018-04-26 20:04:39 Uhr
mhm keiner da, der das hört?

Eine sehr schöne Platte bisher! Interessanter Mix aus britischem Verschnitt von Neil Young, Bob Dylan, Pavement'schen Lo-Fi und ein bisschen Shins und Oxford Collapse.

Meine Highlights: I'll Tell You Why, Brick Lane, England Is Unwell, Terrorism und What Is This?

Armin

Postings: 13639

Registriert seit 08.01.2012

2018-04-19 20:35:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 13639

Registriert seit 08.01.2012

2017-11-30 18:34:58 Uhr - Newsbeitrag
L.A. SALAMI


Der in London lebende Lookman Adekunle Salami, auch bekannt als L.A. Salami, gibt mit “The City Of Bootmakers” für den 13.04. über Sunday Best den Nachfolger seines Debütalbums aus dem letzten Jahr bekannt.
Aufgenommen wurden die 14 Songs in Berlin zusammen mit Robbie Moore. Auf “The City Of Bookmakers” zeichnet der junge Künstler mit Wurzeln in Nigeria ein kritisches Bild der sozialen und bildungspolitischen Situation der Bevölkerung in London und wie diese von den machthabenden Kräften gesteuert wird. “Generation L(ost)” ist nach Terrorism! (The Isis Crisis) bereits der zweite Track vom neuen Album und handelt vom Gefühl des Verlorenseins auf dem Weg der Selbstfindung.
Im Video wird dargestellt, was man eben so auf der Reise zu sich selbst tut, aber seht selbst.


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