Revolverheld - Zimmer mit Blick

Revolverheld- Zimmer mit Blick

Columbia / Sony
VÖ: 13.04.2018

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Für Bastelfreunde

Die inoffiziellen Bremer Stadtmusikanten Revolverheld waren genervt von zu vielen Akustik-Sessions. Das schmusige Drama in drei Akten vernagelte die Köpfe und lieferte somit den Impuls für eine Aufbruchsstimmung im eingeschworenen Bandgefüge. Also zurück zum Strom! Was Johannes Strate und seine Mitstreiter heute anpacken, ist aber selbst mit Amperestärken höchstens so ereignisreich wie das Anbringen eines Bücherregals. Die einst zumindest wuchtige "Generation Rock" von 2005 hat im Jahr 2018 endgültig ausgedient und erfährt auch keine wiederbelebenden Maßnahmen. Das letzte Studioalbum "Immer in Bewegung" trudelte derart schon zu drei Goldenen Schallplatten. Augenscheinlich gab es für Revolverheld kaum plausible Gründe, vom Schema "R" abzuweichen: Reibungslose Romantik scheint das Patentrezept zu sein.

Phrasen für die Beschreibung von Zwischenmenschlichkeit kommen nie aus der Mode und so wird es immer wieder Songs über die Liebe und die liebe Welt geben. Eingestreute Nik P.-Gedächtnis-Soli wie in "Ich kann nicht aufhören unsere Leben zu lieben" und "Du kannst auf mich zählen" machen es schwer, eine Ernsthaftigkeit auszumachen, was wohl leider ohne größeres Augenzwinkern gemeint ist. Es steht außer Frage, dass dieser allzu schlichte Bauplan Revolverhelds überarbeitungswürdig ist. Gewagt geht anders, und auch der Ausflug in die Achtziger mit ein bisschen schmissiger Synthie-Arbeit kaschiert keineswegs die verlebte Ruine namens "Zimmer mit Blick", in der Sound und Text campieren. Die Einwürfe über ewig gleiche Beziehungspanoramen versprechen jedoch Anklang zu finden, solange es noch phantasievolle Hörer gibt, für die ein neues Revolerheld-Projekt eine Oase der Ruhe darstellt. "Die Stille im Lärm" erzählt von jener seitens der Band selbsterdachten Stellung in den stromlinienförmigen Deutsch-Pop-Kanälen.

Wie in einem angeschlagerten Prinz-Pi-Album, der die letzten Jahre Rückschau nach Rückschau betreibt, schunkeln sich die Bremer durch die gegenwärtigste aller Erinnerungskulturen. Sie thematisieren Fragmente von Jugend, den Neunzigern und alles, was sich mit Retro und Gefühl noch so unterfüttern lässt. Die Aufforderung: "Schrei unsere Narben in die Nacht!" aus "Sieben Seelen" ist dabei eine schonungslose Wandtattoo-Vorlage und passt in Schnörkelschrift auf jeden Oberschenkel. Der Schmerz sucht sich darüber hinaus auch andere Ventile. Vereinzelt werfen Songs große philosophische Fragen auf. Allerdings scheint das Fenster im versprochenen "Zimmer mit Blick" recht schmutzig. Viele der schaurigen Kalendersprüche zeugen von viel Einfalt und wenig Weitsicht.

Balladeskes in lauten und leisen Variationen rieselt dazu in allen Songs wie alter Putz von den Wänden. In "Du kannst auf mich zählen" kanzelt die Band ironischerweise all die "Hobbyphilosophen" ab, wobei sie selbst kaum mehr bereithält als simpelste Weisheiten. Die Antwort auf tiefergehende Fragen bleibt auf "Zimmer mit Blick" natürlich "Unsichtbar". Jedes neue Album verspricht eine Aussicht auf Besserung oder zumindest ein kleines Guckloch in womöglich bessere Zeiten. Vielleicht ist genau das der clevere Meta-Gag dieser Platte und wir sind alle nur Spielball subversiver Sound-Architekten.

(Michael Rubach)

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Highlights

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Tracklist

  1. Immer noch fühlen
  2. Sieben Seelen
  3. Das Herz schlägt bis zum Hals
  4. Liebe auf Distanz
  5. So wie jetzt
  6. Ich kann nicht aufhören unser Leben zu lieben
  7. Die Stille im Lärm
  8. Unsere Geschichte ist erzählt
  9. Unsichtbar
  10. Du kannst auf mich zählen
  11. Immer geliebt
  12. Zimmer mit Blick

Gesamtspielzeit: 43:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Deutschpop-Dummkopp
2019-03-07 22:11:09 Uhr
Geil, Alter, endlich wieder.

Jaggy Snake

Postings: 333

Registriert seit 14.06.2013

2019-03-07 20:16:34 Uhr
Ja Mensch, Wahnsinn! Bläser!

Armin

Postings: 15654

Registriert seit 08.01.2012

2019-03-07 19:15:01 Uhr - Newsbeitrag
So wie jetzt: Die neue Single von Revolverheld ist da!







„Wir schauen immer zu den anderen und doch nie übern Tellerrand
Geduld ist für uns ein Fremdwort, das ich später googlen kann.
Wir sind Individualisten und boosten uns bei Tinder hoch –
von einem Job in den nächsten, suchen wir nach dem großen Los.
Wann fangen wir zu kämpfen an?“





Revolverheld’s „So wie jetzt“ entstammt dem Album „Zimmer mit Blick“, das im April 2018 erschienen ist. Jetzt erstrahlt der Song in ganz neuem Gewand! Wer sich von der Kraft von Bläsern gern mitreißen lässt, darf jetzt ruhig ein bisschen lauter aufdrehen!



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► Hier gehts zum Video „So wie jetzt“:







Keine Ahnung, wie Revolverheld das machen. Diese Band liefert seit Jahren Songs ab, die das Radio liebt, die sich millionenfach verkaufen und dennoch nie Gefahr laufen, flach zu sein. Jeder neue Release beweist ihr herausragendes Händchen für Hooks und bringt Zeilen, die man sich direkt auf ein Poster drucken lassen möchte.



So auch die dritte Single aus dem aktuellen Album „Zimmer mit Blick“: „So wie jetzt“. Komplett überarbeitet und mit taghell strahlendem Bläserarrangement ausgestattet, ist der Track von Takt eins an voll da. Was immer uns gerade beschäftigt, welch trübem Gedanken wir eben noch nachgehangen hatten – hat alles keine Chance, wenn „So wie jetzt“ läuft. Revolverheld holen uns ab, wo wir gerade sind, werfen den Ballast in den Kofferraum, reißen das Verdeck auf und spätestens im Chorus wehen die Haare im Wind und wir singen lauthals mit, wovon wir plötzlich völlig überzeugt sind: „So wie jetzt wird’s nie wieder sein. Leb doch einfach im Jetzt, lass dich endlich auf’s Leben ein“. Ja, Mann. Nach Platz 2 für „Zimmer mit Blick“, dem stärksten Entry der Bandgeschichte, und zehn Millionen Video- und Audio-Streams für die Vorgängersingle. Die offizielle Tour startet am 14.03, diese wird Revolverheld durch Arenen in Deutschland und Österreich führen wird.







TOURTERMINE



14.03. Emden - Nordseehalle

15.03. Hannover - TUI Arena

16.03. Hamburg - Barclaycard Arena

18.03.Bremen - ÖVB-Arena

19.03. Leipzig - Arena

20.03. Frankfurt - Festhalle

22.03. Stuttgart - Schleyer-Halle

23.03. Nürnberg - Arena Nürnberger Versicherung

24.03. München - Olympiahalle

25.03. Wien- Stadthalle

27.03. Köln - Lanxess Arena

29.03. Oberhausen - König-Pilsener-Arena

30.03. Berlin - Mercedes Benz Arena
Ernst Hafte-Antwort
2019-02-20 18:02:38 Uhr
Johannes Strate ist schon schnuckelig. Schade, dass die Musik so unsagbar kacke ist.

Und ja, anscheinend findet das jemand gut, sonst müsste ich das Gejaule nicht jeden tag dreimal im Radio ertragen.. lel
Ernst Hafte-Frage
2018-12-08 01:30:14 Uhr
Findet das irgendwer gut?
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