Martin L. Gore - Counterfeit²

Martin L. Gore- Counterfeit²

Grabbing Hands / Mute / Labels / Virgin / EMI
VÖ: 28.04.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tarnfarben

Er steht nicht gerne im Rampenlicht, dieser Martin Lee Gore. Bei Depeche Mode, für die er seit über zwanzig Jahren einen Hit nach dem anderen schreibt, läßt er fast immer Dave Gahan den Vortritt. Selten wagte er sich für Momente sanfter Romantik wie "A question of lust", "Somebody" oder "Home" nach vorne. Nur einmal erlaubte sich Gore einen Soloauftritt: 1988 produzierte er eine unterkühlte Hommage an Vorbilder wie Tuxedomoon oder die Sparks. Diese "Counterfeit EP" findet nun fünfzehn Jahre später eine Fortsetzung, und einmal mehr sind es die Songs anderer, denen sich der kreative Kopf der Elektro-Paten aus Basildon widmet.

"Counterfeit²" versammelt Stücke so unterschiedlicher Künstler wie Nick Cave, Iggy Pop, Kurt Weill, Brian Eno, Velvet Underground oder John Lennon. Gore befreit deren Songs meist radikal aus ihren ursprünglichen Arrangements und überführt sie in eine nachgerade aseptische Umgebung. Statisches Knistern, flackernde LEDs, analoge Pinselstriche. Man fühlt sich nicht selten an die zurückhaltenderen Momente von "Ultra" und "Exciter" erinnert. Das Label spricht dazu von synthetischem Blues für das 21. Jahrhundert und hat damit nicht wirklich unrecht.

Gore erzählt aus der Perspektive eines Fans und suchte sich dafür bewußt Songs aus, die einen nicht sofort aufgrund ihrer Prominenz anspringen. Eine behutsame Auswahl. Doch nicht immer gelingt die Ehrerbietung. Mit "Oh my love" (John Lennon) oder der Vorabsingle "Stardust" (David Essex) tat der Brite weder sich noch den Originalkünstlern einen Gefallen. Wenn er aber Caves "Loverman" mit grollenden Bässen und zerfahrenem Quietschen unterlegt oder den Country-Schleicher "I cast a lonesome shadow" mit entrückten Tupfern aus der Steckdose überzieht, siegt die Ausstrahlung der Songs über das doch recht begrenzte Charisma des Sängers.

"Das Lied vom einsamen Mädchen" - aus seiner Berliner Zeit hat sich Gore ein ziemlich unfallfreies Deutsch erhalten - betört mit beinahe manischer Verzweiflung. Der Zwiespalt zwischen leidenschaftlichem Gesang und frostiger Elektronik verschafft hier eine echte Gänsehaut. Die beständig dunkle Atmosphäre sorgt für den bewußt unkommerziellen Charakter von "Counterfeit²", aber auch für gelegentliche Längen. Trotz allen versuchten Tiefgangs bleibt Gores Zweitling nämlich manchmal an der Oberfläche stecken. Dem Künstler wird das egal sein - und seinen Fans vermutlich auch.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • In my time of dying
  • I cast a lonesome shadow
  • Loverman
  • Das Lied vom einsamen Mädchen

Tracklist

  1. In my time of dying
  2. Stardust
  3. I cast a lonesome shadow
  4. In my other world
  5. Loverman
  6. By this river
  7. Lost in the stars
  8. Oh my love
  9. Das Lied vom einsamen Mädchen
  10. Tiny girls
  11. Candy says

Gesamtspielzeit: 47:13 min.

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