Midas Fall - Evaporate

Midas Fall- Evaporate

Monotreme / Cargo
VÖ: 04.05.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gezähmte Wildnis

"Wohlfühlwildwuchs"? Davon war auf dem letzten, 2015 veröffentlichten Midas-Fall-Album "The menagerie inside" nicht mehr viel übrig. Die überwiegend naturbelassene schottische Weite, wie sie sich noch zwei Jahre zuvor auf "Wilderness" erstreckt hatte, schien plötzlich eingemauert in viel zu hohe Soundwände. Quasi zu viel Wildwuchs und zu wenig zum Wohlfühlen. Post-Rock-typische Ausbrüche sind zwar seit jeher ein Stilmerkmal der inzwischen seit einer Dekade bestehenden Band, aber es waren letztlich die sanften Töne, die die Hörer in die Wildnis zogen.

Eine Einsicht, die offenbar auch die beiden Frauen hinter Midas Fall hatten, denn mit "Evaporate" vollziehen sie eine deutliche Abkehr von dem auf dem Vorgängeralbum eingeschlagenen Irrweg. Zurück in die Wildnis sozusagen. Wie scheinbar endlos lange, feingliedrige Sternschnuppen streifen Elizabeth Heatons Gesangslinien über das zum Glück nicht mehr allzu intensiv kolorierte Firmament von Multi-Instrumentalistin Rowan Burn. Die zuweilen düsteren, aber immer leichtfüßigen Ambient-Electronica-Elegien erzeugen eine anziehende Ästhetik, wie sie Grima Schlangenzunge aus Der Herr der Ringe wohl am besten beschrieben hat: "So schön, so kühl wie ein blasser Morgen im Frühling noch durchhaucht von Winterkälte."

Zwar mangelt es der Schönheit an Fixpunkten, sodass sie zuweilen etwas formlos wirken kann, doch allzu auffällige Einprägsamkeiten hätten den angenehmen Fluss des Albums wahrscheinlich ohnehin eher gestört. Im Grunde hat nur die Videoauskopplung "Glue" das Potenzial, als einzelner Song zu bestehen, fügt sich deswegen aber nicht weniger hervorragend ins äußerst harmonisch gestaltete Gesamtwerk ein, das im direkten Vergleich mit "Wilderness" zwar gezähmter und weniger abwechslungsreich, aber dafür deutlich atmosphärischer geworden ist. Oder anders gesagt: Kaum Wildwuchs, ganz viel zum Wohlfühlen.

(André Schuder)

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Highlights

  • Bruise pusher
  • Glue
  • Howling at the clouds

Tracklist

  1. Bruise pusher
  2. Evaporate
  3. Soveraine
  4. Glue
  5. Sword to shield
  6. Dust and bone
  7. Awake
  8. In sunny landscapes
  9. Lapsing
  10. Howling at the clouds

Gesamtspielzeit: 43:25 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-04-19 20:33:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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