A Place To Bury Strangers - Pinned

A Place To Bury Strangers- Pinned

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 13.04.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Bass-Boss

Stille. Absolute Stille. Diese Art von Stille, die uns Geräuschversehrten ins Ohr brüllt, obwohl wir in diesem Augenblick absolut nichts hören, da uns der Zufall vielleicht gerade aufs platte Land gelotst hat und wir inmitten der Lautlosigkeit verwirrt von fehlenden akustischen Impulsen in der immerwährenden Ödnis verzweifelt nach irgendetwas lauschen, was uns mit lärmendem Leben ablenkt. Ja, diese ungewohnte Stille kann etwas sehr Lautes sein. Und nein, sie ist definitiv nicht die Mission von A Place To Bury Strangers. Nicht auf einem ihrer vorherigen Alben und auch nicht auf ihrer fünften Platte "Pinned" – selbst wenn die New Yorker dieses Mal der Lautstärke die Schwäche gönnen, sich noch ein wenig mehr in sich selbst zu versenken.

Laute Töne spuckt das Trio auch mit dem Neuzugang im Trümmer-Team, der Gesangsverstärkerin und Schlagzeugerin Lia Simone Braswell, immer noch. Hier wird aber über dem in den Amps randalierendem Wahnsinn dieses Mal die eine oder andere Valium-Tablette zerbröselt. Im Ergebnis sabbert das sedierte Krach-Konsortium dem Zuhörer seine mit einer Extraportion Trockeneis versiegelten Songs etwas weniger hitzig und monumental entgegen. Dabei gerät der Albumstart mit "Never coming back" und seinem aufs Allernötigste reduzierten Basslauf trotz einer Spielzeit von über fünf Minuten zu einer äußerst kurzweiligen Angelegenheit. Das über die gesamte Songlänge souverän gezimmerte Crescendo stapft, wie nicht anders zu erwarten war, so lange durch den anfangs idyllisch anmutenden Porzellanladen, bis am Ende jede noch so friedfertige Soundfigur unter martialischem Krach in ihre Einzelteile zerlegt wurde. Im Folgenden wechseln sich mal mehr oder weniger Ohrenschmalz gefrierende Rappelkisten ab. Doch trotz nicht weniger Kracher auf der Tracklist, wie dem hypnotischen und von den Stimmen des Gründungsmitglieds Oliver Ackermann und Braswell getragenen "There's only one of us" oder dem unter Starkstrom dribbelndem Schlagzeug und von Feedbackschleifen bis zum Atemausfall gehetzten "Look me in the eye", kann auch der treueste Fan nur zu der Einschätzung kommen, dass dieses Mal nicht alles zum Besten steht.

Und das hat nicht einmal etwas mit dem dezent nach unten geschraubtem Lärmfaktor zu tun – vielmehr fehlen auf "Pinned" Hochkaräter wie der elegisch-epische Titeltrack vom 2012er-Album "Worship" oder ein Song, wie das auf "Transfixiation" zu findende und am Bass herrlich eskalierende "Straight". Auch über einen weiteren "It is nothing"-Soundalike hätte sich sicherlich niemand beschwert. Doch genug von "Früher war alles besser", schließlich haben A Place To Bury Strangers auch auf ihrem neuesten Werk noch definitiv ihre Qualitäten. Zumal Boss-Bassist Dion Lunadon wieder einmal deutlich macht, mit welch minimalem Aufwand maximale Wirkung erzeugt werden kann. Durch zahlreiche Effekte gejagte Drum-Machines, ins Nagelbrett gerammte Noise-Splitter oder die scheinbar in der Geisterbahn komponierte Ode an The Velvet Underground in Form von "Was it electric", bieten sowohl gewohnte Trademarks als auch eine abwechslungsreiche Interpretation moderner Noise-Watschn. Nur fehlen diese Mal die ganz großen, in Verzerrung verwirbelten Erinnerungswerte. Sicher, ein "Too tough to kill" mit dem frostigen Duett von Braswell und Ackermann ist kalt lächelnder Krawall, der nicht einmal sonderlich laut werden muss, um sich in den Gehörgängen seines Publikums zu verirren und von dort noch tagelang Erinnerungsfetzen zu funken. Doch die seelische Nahtod-Erfahrung, die den Hörer nach dem Genuss früherer A-Place-To-Bury-Strangers-Alben ereilte, sucht man dieses Mal leider vergebens.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • There's only one of us
  • Look me in the eye
  • Attitude

Tracklist

  1. Never coming back
  2. Execution
  3. There's only one of us
  4. Situations changes
  5. Too tough to kill
  6. Frustrated operator
  7. Look me in the eye
  8. Was it electric
  9. I know I've done bad things
  10. Act your age
  11. Attitude
  12. Keep moving on

Gesamtspielzeit: 39:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Nicolas Chains
2018-04-21 14:58:56 Uhr
Klar schwächstes Album in ihrer Diskographie. Überhaupt wirkt das Album wie ein einziger Anti-Klimax. Bis auf There's Only One of Us und Keep Moving On (hätte auch aus der Phase zwischen den ersten beiden Alben stammen können) ist eigentlich nichts hängen geblieben. Das der Noise-Anteil ziemlich zurückgeschraubt wurde, ist nicht mal schlimm, aber diese Post-Punk-No-Wave-Skelette wabern mir dann doch zu sehr dahin. Da sehne ich mich schon nach so etwas wie dem Schluss-Hattrick des Vorgängers, der den Hörer in den Schraubstock steckte.

Armin

Postings: 12593

Registriert seit 08.01.2012

2018-04-19 20:31:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

noise

Postings: 591

Registriert seit 15.06.2013

2018-02-13 21:36:58 Uhr
Sehe ich auch so wie "wilson". Die beiden ersten waren noch die besten.
wilson (ausgeloggt)
2018-02-03 12:44:30 Uhr
mir gefallen die ersten beiden (s/t + exploding head) immer noch am besten. transfixiation hat mich, trotz einer paar guter songs, unterm strich, ein wenig enttäuscht.

The MACHINA of God

Postings: 10065

Registriert seit 07.06.2013

2018-02-03 12:36:49 Uhr
Machen die auch noch Lärm?
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