Sting & Shaggy - 44/876

Sting & Shaggy- 44/876

Interscope / Universal
VÖ: 20.04.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Slick und Schwof

Sting und Shaggy. Was zunächst ungefähr so nachvollziehbar klingt wie "Elton John und Snoop Dogg", ergibt bei genauerer Betrachtung durchaus Sinn. So stand Sting, bevor er zum Weltstar wurde, schon mit The Police musikalischen Einflüssen aus Jamaika nahe. Weshalb er nun aber ausgerechnet mit dem Schöpfer des Evergreens "Mr. Boombastic" kollaboriert, ist teils der längeren Bekanntschaft der beiden Musiker und teils Gevatter Zufall geschuldet – sofern man Interviews und Promotexten Glauben schenkt. Inwiefern auch Kalkül dabei eine Rolle gespielt hat, möge jeder Konsument von "44/876" selbst entscheiden. Fest steht, dass das Album bei weitem nicht so schlimm ist, wie zu befürchten war. Und es ist auf jeden Fall um Welten gelungener als das Fremdscham auslösende Cover.

Den zwölf Songs ist anzuhören, welchen Spaß die Beteiligten bei deren Entstehung hatten. Die größte Überraschung stellt hierbei die Konzentration auf eher traditionelle Reggae-Vorstellungen von Musik dar. Nur wenige Songs weisen Kennzeichen kontemporärer Pop-Stangenware auf, stattdessen darf gemütlich zum Off-Beat gewippt werden, während die beiden Protagonisten abwechselnd toasten und singen. Moment, Sting toastet auch? Ja, tut er und er versucht sich im Titelsong sogar daran, Patois zu sprechen, was ihm gar nicht mal so schlecht gelingt. Grundsätzlich sind die Kompetenzen jedoch klar verteilt: Shaggy froscht sich durch die Strophen, während Sting in den Refrains melodische Kontrapunkte setzt. Die Stimmen der beiden harmonieren dabei wie erwartet nur selten. Zwar gibt sich Sting alle Mühe, variabel zu singen, Shaggys Limitierungen bremsen dieses Vorhaben jedoch meist konsequent aus.

Dies kann jedoch nicht verhindern, dass "44/876" überwiegend gute Laune verbreitet. Schuld daran ist das durchweg solide Songwriting. Hierbei stehen die beiden ungleichen Partner Acts wie UB 40 oder Inner Circle näher, als sie wahrscheinlich zuzugeben bereit wären. Exemplarisch für jene nett vorbeiplätschernden Tracks sei "Night shift" genannt, welches zudem durch einige witzige Flötenspielereien im Gedächtnis bleibt. Ebenfalls gelungen ist "Just one lifetime", in welchem Sting beweist, dass er noch immer das Kunststück beherrscht, binnen weniger Verse zwischen verschiedenen Stimmungslagen zu wechseln. Fragwürdig ist hingegen "Dreaming in the U.S.A", das Elemente des Stax-Sounds integriert und nicht recht weiß, ob es Parodie oder Hommage sein will.

Glücklicherweise begehen die beiden Musiker nicht den Fehler, übertrieben jugendlich oder gar hip wirken zu wollen. Die Partys feiern mittlerweile andere, Sting und Shaggy geben sich auch mit ein paar Kaltgetränken und einem gut bestuhlten Strand zufrieden. Daher finden sich erstaunlich wenige Uptempo-Songs auf dem Album, was gleichzeitig dazu führt, dass Shaggy oft verloren wirkt. Bisweilen trumpft er aber doch auf, so weiß etwa sein herrlich ignoranter Beitrag zu der Lagerfeuer-Nummer "Don't make me wait" durchaus zu überzeugen. Auch in dem stark von Stings Frühwerk beeinflussten "Waiting for the break of day" macht der Jamaikaner eine gute Figur. Das "Sad trombone" muss also glücklicherweise nicht ausgepackt werden. Irritiertes Amüsement erscheint angebrachter.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • 44/876
  • Waiting for the break of day
  • Night shift

Tracklist

  1. 44/876
  2. Morning is coming
  3. Waiting for the break of day
  4. Gotta get back my baby
  5. Don't make me wait
  6. Just one lifetime
  7. 22nd street
  8. Dreaming in the U.S.A.
  9. Crooked tree
  10. To love and be loved
  11. Sad trombone
  12. Night shift

Gesamtspielzeit: 57:28 min.

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MM13

Postings: 1516

Registriert seit 13.06.2013

2018-04-21 13:26:01 Uhr
finde es auch klasse,und dreaming in the u.s.a. hat tatsächlich was von police.

Hogi

Postings: 267

Registriert seit 17.06.2013

2018-04-21 09:18:02 Uhr
Könnte mein Sommeralbum werden... Sehr relaxed. Die beiden ergänzen sich sehr gut. Leichtes Police-feeling ab und an.
Scholz
2018-04-12 18:19:56 Uhr
Christopher: Was hast Du gegen das Albumcover? Ist doch völlig in Ordnung, und außerdem folgt es einer gewissen jamaikanischen Tradition.

Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2018-04-12 14:04:24 Uhr
Gar nicht mal so scheiße.
nichts
2018-04-12 14:03:00 Uhr
nein.
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