Nothing, Nowhere - Ruiner

Fueled By Ramen / Warner
VÖ: 13.04.2018
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bescheidenes Selbstbewusstsein
Grundsätzlich darf man über Genre-Progressionen stets hocherfreut sein. Während Rockmusik den Mainstream langsam immer weiter verlässt und auch dadurch nur noch im Nischendasein Weiterentwicklung erfährt, durchlebt Hip-Hop zur Zeit einen äußerst fruchtbaren Frühling. Spätestens seit Revoluzzer Kendrick Lamar ist Rap auf einem Höhenflug. Und trotz alledem darf man einigen Entwicklungen des Genres durchaus mit Skepsis entgegenblicken, denn die nicht enden wollende Welle des Soundcloud-Raps bringt zwar enorm viele lobenswerte Ansätze mit sich, ist in ihrem Ergebnis aber dennoch teilweise fragwürdig. Besonders exemplarisch ausgedrückt wird das etwa durch XXXTentacion, der den Anspruch nach Aufbruch und Zerstörung altbekannter Formeln wie wohl kein zweiter verkörpert, dabei aber nicht über fragmentarisch-chaotische Stil-Kollisionen hinauskommt. Wer mit dieser Bewegung auch durch endlose Nonsens-Repititionen eines Lil Pump auf Kriegsfuß steht, der könnte in Nothing, Nowhere möglicherweise seine Rettung finden.
Denn Joe Mulherin schafft die Gratwanderung zwischen Neudenken und Substanz im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen tatsächlich. "Ruiner" lebt in erster Linie von seiner beeindruckenden Stilsicherheit, die das komplette Werk konstant zusammenhält. Mulherin bleibt trotzdem nie bei Grundlegendem, sondern baut seine klanglichen Welten aus melancholischen Emorock-Instrumentals und smoothen Pop-Hymnen. Erstes Gebot ist dabei Zurückhaltung, denn "Ruiner" wird niemals aufdringlich und fühlt sich gerade dadurch so eindrücklich schmerzhaft an. Damit vereint es viele Stärken, die andere Genre-Kollegen kaum aufweisen können, sowohl im Rap, als auch im Emo. Mulherin vollbringt einen ungewöhnlichen Genremix, in dem er sich zuhause zu fühlen scheint, aber er schreit es einem nicht ins Gesicht.
Und so steht dem Genuss von Mulherins teilweise verflucht guten Songs kein widerer Umstand im Wege. "Reminiscer" stützt seinen herrlich unaufgeregten Refrain mit subtilen Synthie-Einflüssen, "Sayer" ist mit seinem treibenden, aber im Hall ertrinkenden Gitarrenbeat Disko-Pop ohne Disko, der Closer "Waster" stellt Mulherins Stimme im Mix fast vollständig in den Hintergrund und lässt lieber minimalistisches Gitarrengezupfe sprechen. All das ist zwar nach wenigen Tracks der Platte bereits erwartbar, woanders möchte man während des Genusses von "Ruiner" aber auch gar nicht hin. Mulherin kennt seine Grenzen und das tut gut, er weiß aber auch, wie tief er mit seinen Songs gehen kann. Deswegen ist seine zweite Platte wohl eines der Soundcloud-Rap-Werke, die man tatsächlich ernst nehmen kann. Ein wenig Ehrlichkeit hat nie geschadet.
Highlights
- Reminiscer
- Sayer
Tracklist
- Outsider
- Reminiscer
- Better
- Sinker
- Hammer
- Rejecter
- Ruiner
- Sayer
- Vacanter
- Changer
- Waster
Gesamtspielzeit: 36:06 min.
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MopedTobias (Marvin) Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion Postings: 20172 Registriert seit 10.09.2013 |
2018-04-16 19:37:06 Uhr
Muss hier einmal formal klugscheißen: Der schreibt sich "nothing,nowhere.", also beides klein, ohne Leerzeichen nach dem Komma und mit Punkt am Ende. Ansonsten bestes irgendwie dem Rap zuordenbares Album 2018 bisher. |
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 28505 Registriert seit 08.01.2012 |
2018-04-12 11:41:18 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
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Referenzen
Lil Peep; Dashboard Confessional; Twenty One Pilots; XXXTentacion; Lil Pump; Lil West; Tag Shai; Oliver Francis; Kodie Shane; ITSOKTOCRY; Lil Aaron; Lil Tracy; Bexey; Silverstein; Jimmy Eat World; Paramore; Senses Fail; My Chemical Romance; From First To Last; Blink-182; Trippie Redd; Ski Mask The Slump God; Lil Yachty; Rico Nasty; Lil Uzi Vert; Post Malone; Travis Scott; 6ix9ine; Spose
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