Goldfrapp - Black cherry

Goldfrapp- Black cherry

Mute / Labels / Virgin / EMI
VÖ: 28.04.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Obstsalat

Vorsicht! Wer sich einst in den ätherischen Goldfrapp-Erstling "Felt mountain" verliebt hat, dürfte eine böse Überraschung erleben, wenn unvermutet die analogen Ecken und Kanten aus "Crystalline green" oder der Vorabsingle "Train" auf ihn einstürzen. Wo ist denn die samtweiche Verhuschtheit hin? Wo sind die getupften Arrangements und die durchscheinenden Juchzer von Alison Goldfrapp? Entsorgt sind sie - und zwar ziemlich gründlich. Plötzlich gibt's kratzige Störgeräusche, aggressive Beats und deftige Rechteckswellen. Auf den schillernden Kristall des Debüts folgt nun ein grober Klotz.

Diese "Black cherry" muß erst einmal verdaut werden. Doch kaum, daß man sich auf die Suche nach dem bitteren Nachgeschmack macht, findet man durchaus Gefallen am neuen Aroma. Nicht umsonst hat man noch den bauchdeckensprengenden Baß von "UK girls", des überraschend wummernden "Physical"-Covers von neulich, im Ohr. Wo der Vorgänger die behutsame Fusion der Klangwelten versuchte, haut "Black cherry" jedenfalls erst einmal mit der Faust mitten in die Elektronik. "Wonderful electric" säuselt die Dame am Mikrophon dazu und zupft sich am Dekolleté. Aus dem goldgelockten Engel ist mittlerweile ein echter Vamp geworden. Mondän, aufdringlich, überschminkt. Jawohl, Trash is the word. Zumindest aufs erste Ohr.

Doch "Black cherry" hat natürlich mehr zu bieten, als neonsaures Blubbern und urbane Gelüste. Schüchtern nur fiept die Elektronik in "Deep honey", während die Stimme nach den Abgründen der Seele fahndet. Dann wieder schwebt sie ganz ladylike durch erhabene Songs wie "Forever" oder das ergiebig wachsende "Tiptoe". In "Hairy trees" blinzelt gar die alte Anmut durch die Baumspitzen und läßt sich von sanften Rhythmen entführen. Für einen Augenblick.

Plötzlich taucht Goldfrapps Stimme als nachtschwarzes Etwas auf und haucht laszive Löcher in die Luft. Das riecht nach feuchten Schlüpfern. Will Gregorys Synthesizer wollen mitstöhnen, doch Goldfrapps Ansagen dulden keine Einmischung. "Put your dirty angel face / Between my legs and knicker lace." Sex statt Sinnlichkeit. Die blütenweiße Unschuld von "Felt mountain" erscheint bestenfalls noch als vage Erinnerung. Stattdessen verführen tiefer Ausschnitt und schwarzer Kajal. Und das kreisende Becken, das dem stampfenden Takt von "Strict machine" oder "Twist" keinen Widerstand zu leisten vermag. Ein bißchen plump bisweilen, aber nie ohne Reiz. So ist letztlich auch in der 2003er Ausgabe mit Goldfrapp noch ganz gut Kirschen essen. Serviert in einem duftenden Bauchnabel.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Crystalline green
  • Tiptoe
  • Deep honey
  • Forever

Tracklist

  1. Crystalline green
  2. Train
  3. Black cherry
  4. Tiptoe
  5. Deep honey
  6. Hairy trees
  7. Twist
  8. Strict machine
  9. Forever
  10. Slippage

Gesamtspielzeit: 43:00 min.

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