Françoise Hardy - Personne d'autre

Françoise Hardy- Personne d'autre

Parlophone / Warner
VÖ: 06.04.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jetzt erst recht

Dass es "Personne d'autre" gibt, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich hatte Françoise Hardy angekündigt, keine weiteren Alben aufnehmen zu wollen. All ihre Kraft war nötig, um eine schwere Erkrankung zu überwinden. Dass "Personne d'autre" existiert, ist in erster Linie also ein kleines Wunder. Die französische Sängerin, die auf eine ebenso lange wie wechselvolle Karriere zurückblicken kann, besinnt sich auf ihrem neuen Werk aufs Wesentliche. Kein Pathos, keine übertriebenen Gesten. Stattdessen schenkt sie ihren Hörern zwölf Songs, die die Stärken der Chanteuse betonen und sich vor allem durch Eleganz auszeichnen.

Dies beginnt schon beim unnachahmlichen Vortrag der Französin. Gut bei Stimme verleiht sie den Songs auf "Personne d'autre" einen zeitlosen Anstrich. Die Arrangements sind stilvoll und unaufdringlich, glücklicherweise sucht man allzu verkitschte Momente vergebens. Stattdessen dominieren akustische Instrumente das Klangbild, wobei der Name Erick Benzi nicht unerwähnt bleiben darf. Der Produzent und Komponist (Céline Dion, Charles Aznavour) beweist viel Gespür für Details, wodurch die Hauptdarstellerin ihr Können voll ausspielen kann. Dies wird beispielsweise im Titeltrack deutlich: Lediglich ein paar sachte Klavierakzente genügen, um dem Song Struktur verleihen, während Hardy mittels einer wunderbaren Melodieführung alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

Wer des Französischen mächtig ist, dürfte auch an den Texten seine helle Freude haben. Diese weisen deutliche Bezüge zum klassischen Chanson auf und beeindrucken ob ihrer Offenheit und Bildhaftigkeit. "Un seul geste / Pour renaître / Et qu'on arrête / De souffrir", haucht Hardy beispielsweise in dem tieftraurigen "Un seul geste" und fordert den Konsumenten damit dazu auf, selbst interpretatorisch tätig zu werden. Nur selten nennt sie die Dinge beim Namen, doch genau diese Uneindeutigkeit sorgt dafür, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit den Worten reich belohnt wird. Ein wenig aus dem Rahmen fällt diesbezüglich der einzige englischsprachige Song "You're my home", der ganz klassisch von Sehnsucht und einer Liebe, die auch die widrigsten Lebensumstände übersteht, handelt.

Zwar ist "Personne d'autre" ein überwiegend nachdenkliches und schwermütiges Album, niedergeschlagen oder gar fatalistisch wird es allerdings nie. Sonnigere Momente wie das beschwingte "Brumes" sorgen zusätzlich dafür, dass man den Eindruck gewinnt, einer Künstlerin lauschen zu dürfen, die mit dem Leben noch lange nicht abgeschlossen hat. Angesichts der Vorgeschichte zu diesem Album eine Tatsache, für die nicht nur Freunde der französischen Liedermacherei dankbar sein dürfen. So vergänglich wie die Tage auf Erden sind auch die Momente für Musik, die tief berührt. Sie zu genießen ist weit mehr als Stoff für Kalendersprüche.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Personne d'autre
  • Un seul geste
  • Brumes

Tracklist

  1. A cache-cache
  2. Dors mon ange
  3. Personne d'autre
  4. Un seul geste
  5. You're my home
  6. Seras-tu là?
  7. Quel dommage
  8. Train spécial
  9. Brumes
  10. Trois petits tours
  11. Le large
  12. Un mal qui fait du bien

Gesamtspielzeit: 39:19 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-04-12 11:38:40 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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