The Skull Eclipses - The Skull Eclipses

The Skull Eclipses- The Skull Eclipses

Western Vinyl / Cargo
VÖ: 09.03.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Bewusst sein

Amerikanischer HipHop hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung genommen. Während der Mainstream inhaltlich in allumfassender Leere dahinsiecht, brodelt es im Untergrund. Es ist nötig, wütend zu sein und diese Wut in Musik zu verpacken. Der aus Philadelphia stammende MC Lushlife ist schon eine Weile dabei und wohl das, was man einen ewigen Geheimtipp nennt. Zu verschroben ist seine Herangehensweise, um breitere Hörerschichten zu erschließen. Ähnlich wie Tyler, The Creator verfügt er über einen unverwechselbaren Style und eine klare künstlerische Vision: An erster Stelle steht immer die Atmosphäre. Gemeinsam mit dem Produzenten Botany hat er nun das Projekt The Skull Eclipses aus der Taufe gehoben. Deren selbstbetiteltes Debüt ist nicht nur rundum gelungen, sondern ragt ob seines Mutes zu Neuem deutlich aus der Masse der HipHop-Releases der jüngeren Vergangenheit heraus.

Aus einer Menge gelungener Tracks muss "Pillars" hervorgehoben werden. Schon der Beat ist spektakulär. Subbässe treffen auf synkopisch verschobene Percussion-Elemente, einige subtil platzierte Samples bilden das harmonische Fundament. Lushlife und Baba Maraire von Shabazz Palaces liefern in den Strophen ein Musterbeispiel für Rap mit melodischem Gespür ab, während die gesungene Hook von Felicia Douglas sich schon beim ersten Hören tief ins Gedächtnis frisst. In einer besseren Welt wäre das ein Riesenhit. Aber wir leben in der Realität. Deren Grafik ist zwar hübsch, der Content gibt allerdings mehrheitlich Anlass zur Sorge. Dies ist auch der Grund für die überwiegend düsteren Geschichten, die Lushlife erzählt. So berichtet er in dem wolkenverhangenen "Take my" vom alltäglichen Kampf mit widrigen Umständen. Schreiben ist in dieser Situation nicht einfach, jede Zeile will dem Leben abgerungen werden. Aufgeben scheidet aber ebenso aus. Denn das kann jeder.

Die musikalischen Einflüsse von The Skull Eclipses sind vielseitig. Während sich die Beats eher im HipHop der späten Neunziger verorten lassen, weisen viele der melodischen Ideen in Richtung Experiment. Nicht von ungefähr war Laraaji an der Entstehung von "Yearn infinite II" beteiligt. Durch fast jeden Track ziehen sich Delay-Schleifen und sphärische Pads. Vergleiche zu Dälek drängen sich auf, im Gegensatz zu den Lärm-Rappern aus Newark suchen The Skull Eclipses jedoch ihr Heil in der Flucht nach vorn. Anders gesagt: Trotz der düsteren Grundstimmung des Albums sind die Songs von klaren Hooks und einprägsamen Motiven geprägt. Das pumpende "Angels don't mind" lebt beispielsweise vom Kontrast zwischen hektisch vorgetragenen Raps und eher im Ambient anzusiedelnden Samples.

Apropos Samples: Ein gut gewähltes erkennt man daran, dass man sich nicht an ihm satthören kann. "Pushing up the hills" enthält so eines. Gerade einmal zwei Takte währt der Loop, doch diese besitzen mehr Substanz als die ganze Diskografie von The Black Eyed Peas. Hier wird auch eine gewisse Nähe zu den minimalistischeren Momenten eines Kanye West deutlich, wobei dessen Größenwahn Lushlife fremd ist. Dass der Mann definitiv auch die dunklere Seiten des Lebens gesehen hat, unterstreicht etwa der Closer "Spacecrafts in Rajasthan". "I don't wanna be slipping back / Into the setbacks" ist nur eine von vielen Lines, die an Prägnanz kaum zu überbieten sind. Derlei direkt verständliche Aussagen sind allerdings nicht die Regel. Der MC hat einen Heidenspaß daran, assoziative Bedeutungen zu verketten. Genaues Hinhören wird daher belohnt. Just diese Grundhaltung ist es auch, die The Skull Eclipses besonders macht. Bewusst sein lautet die Devise.

(Christopher Sennfelder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Angels don't mind
  • Pillars
  • Pushing up the hills
  • Spacecrafts in Rajasthan

Tracklist

  1. Yearn infinite I
  2. All fall
  3. Angels don't mind
  4. Pillars
  5. Take my
  6. Encyclopedia
  7. Gone
  8. Gun glitters
  9. Pushing up the hills
  10. Yearn infinite II
  11. Spacecrafts in Rajasthan

Gesamtspielzeit: 38:46 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Postings: 11544

Registriert seit 08.01.2012

2018-04-05 21:12:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum