Moaning - Moaning

Moaning- Moaning

Sub Pop / Cargo
VÖ: 02.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Musik mit dem Blubb

Musik zu beschreiben, erinnert bisweilen an die Aufgabe, sich unter Wasser ohne Missverständnisse zu verständigen. Der Artikulationswille ist vorhanden, die Technik auch, nur kommt beim Gegenüber lediglich ein diffuses "Blubb blubb" an – und selbst die zuvor gelernten Handzeichen funktionieren im redefeindlichen Feuchtgebiet eher leidlich. Besonders dann, wenn das zu Beschreibende mit keiner gängigen Vokabel fassbar ist. Das ehrt das schwer einzuordnende Objekt der Deskription, lässt denjenigen, dem die Aufgabe des Beschreibens aufgetragen wurde, hingegen gefrustet aufstöhnen. Und zwar nicht nur, wenn es sich wie in diesem Fall um eine Band namens Moaning handelt.

Die Herausforderung beim Debüt des Trios aus Los Angeles besteht darin, dass diese zwar mit zahlreichen Genres flirtet, sich aber nicht wirklich für eine langfristige Beziehung entscheiden kann. So wäre es durchaus angebracht, den Begriff Shoegaze in den Raum zu hauchen, nur schlagen Moaning für diese Spielart des Lärms dann doch zu viele Haken Richtung Rock. Ebenfalls sind bei der hier verabreichten Dosis Indie durchaus Spuren von Wave enthalten, nur eben längst nicht genug für eine eindeutige Zuordnung. Auch an den heutzutage fast schon fahrlässig gebrauchten Begriff Post-Rock ließe sich ein Gedanke verschwenden. Problem: All die Zuordnungen aus dem Sprachführer "Musikrezensionen für Dummies" treffen nicht wirklich zu. Moaning zelebrieren eher einen zeitlosen Crossover der oben beschriebenen Einflüsse.

Würde man "Tired" beispielsweise in einem Rorschachtest verwenden, würden nicht wenige Probanden Bands wie The Cure, Curve, My Bloody Valentine oder Lush assoziieren. Bei "Don't go" sieht sich das Verzerrer-Pedal über einen konstanten Zeitraum energischen Fußtritten ausgesetzt. Und dennoch windet sich statt tumber Aggression ein fast schon zärtlich anmutender Punkrock-Song aus den Membranen der Marshall-Box. An anderer Stelle führen die ausgiebige Rückbesinnung auf die Qualitäten der Rückkopplung und ein eskalierendes Ride-Becken nicht etwa zum wütendem Klingeln in den Ohren, sondern eher zu romantischem Flattern in der Magengegend. Verantwortlich dafür zeichnet Sänger Sean Solomon, der es versteht, mit seiner versöhnenden Stimme laut und leise, Pop und Popo-Tritt, Geradeaus-Rock und Um-die-Ecke-Gepolter zu einem musikalischen Vielvölkerstaat zu formen, in welchem alle Subgenres einander respektieren, um gemeinsam der übergeordneten Album-Vision zu dienen.

Dabei verlieren sich Moaning nicht in luziden Traumwelten, sondern holen von Zeit zu Zeit immer wieder den rostigen Hammer raus, um den Hörer aus allzu schöngeistigen Traumwelten zu schmettern. Denn selbst wenn etwa die Synthies in "Close" das Hohelied des Pop wimmern, dengeln im Refrain wieder eine biestige Leadgitarre und ein übergewichtiger Bass zwischen den Tönen herum. Durch dieses Wechselspiel gerät das ganze Album zu einem expressiven Ölbild voller Moll-lastiger Schlichtheit, bei dem das US-Trio in schöner Regelmäßigkeit sein abgestandenes Pinsel-Reinigungswasser über die zuvor kreierte Schönfärberei ausgießt – was für markant irritierende Schlieren sorgt. Exemplarisch dafür ist vielleicht "For now" mit seiner verzückten Electronica, dem präsenten Schlagzeug und einer von hinten aufgezäumten Melodie, die gegen Ende auch einmal von einer Soundwelle durch den harten Sand gewirbelt wird. Auch "Useless" oder "Misheard" lassen nicht nur Melodien in die Hirnrinde einsickern, sondern verteilen auch feine Distortion-Kopfnüsse. Konsequenterweise werden die Hörer am Ende nicht etwa mit einem sanften Absacker nachhause verabschiedet, sondern, lautstark mit den Doc Martens vor die Tür befördert. So schön können sich Schmerzen anhören.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • Tired
  • Does this work for you
  • Misheard

Tracklist

  1. Don't go
  2. Tired
  3. Artificial
  4. Close
  5. Does this work for you
  6. The same
  7. For now
  8. Useless
  9. Misheard
  10. Somewhere in there

Gesamtspielzeit: 33:45 min.

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User Beitrag

Math

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Registriert seit 03.12.2017

2018-04-30 18:38:25 Uhr
Cooles Ding. Mag die Scheibe

Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2018-04-30 18:36:45 Uhr
dito

Gordon Fraser

Postings: 1192

Registriert seit 14.06.2013

2018-04-30 18:33:04 Uhr
Angenehm kurzweilig. Klassische Sub-Pop-Band irgendwie.

Armin

Postings: 14508

Registriert seit 08.01.2012

2018-04-05 21:11:39 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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