Brian Lopez - Prelude

Brian Lopez- Prelude

Dust And Stone
VÖ: 23.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Müdigkeit und Limitation

Weniger labern, mehr machen – so lässt sich das Arbeitskredo von Brian Lopez für "Prelude" wohl am besten beschreiben: Es muss nicht immer der Produktions-Bombast sein, nicht jeder Ton muss zwingend bis an die Schmerzgrenze auseinander gedacht werden. Genügend Gelegenheit bot sich dafür bereits: Nicht nur mit seiner Solokarriere, sondern auch mit dem Desert-Noir-Psycho-Kollektiv Xixa, dem spanischsprachigen Latin-Pop vom Orkesta Mendoza und dem vielseitigen Fokrock von Calexico konnte Lopez sich in den wildesten Klangfantasien austoben.

Für sein neues Vorhaben verabschiedete der Musiker sich daher von den vielschichtigen Pop-Arrangements seiner ersten beiden Alben und fuhr jeden Aspekt des handwerklichen Teils seiner kreativen Arbeit auf ein Minimum zurück: Das Schlafzimmer in Tuscon, Arizona wurde zum Studio, in dem die LoFi-Aufnahmen mit einfachstem Equipment und lediglich einer Akustikgitarre, einem winzigen Synthesizer und einem Jahrhunderte alten Klavier mit so wenigen Takes wie nur irgend möglich entstanden. Alle zehn Songs reiften nachts heran, und Lopez ging nicht eher schlafen, bis ein Stück fertig geschrieben, aufgenommen und gemischt war – mit Nebengeräuschen aus der Umgebung und gelegentlichen Verspielern inklusive.

"Fehler sind schön und in der Musik immer seltener", so der Multiinstrumentalist selbst dazu. Damit kritisiert er nicht nur mehr oder minder offen den durchgerechneten Radiopop aus der Dose, sondern hebt die Zerbrechlichkeit und Authentizität seiner neuen Songs hervor, die durch die zurückgenommene Songwriting-Methode als bittersüße, nächtliche Momentaufnahmen dienen. Bereits vor dem Opener "Meta, fall in love" lässt das weiße Rauschen auf Nahbarkeit schließen, die den Hörer auch gleich mit melancholischen Gitarrenmelodien und dem sanften Gesang des Musikers übermannt. "Like a kid" wirkt wie von einem müden, entschleunigten Elliott Smith, der seine Romantik für Melancholie eingetauscht hat; in "Will you be down?" teilt sich die düstere Stimmung den Platz mit subtilen Latin-Einflüssen im Gitarrenspiel, die selbst in solch reduzierten Songs durchschimmern und zeigen, wo Lopez nicht nur seine tatsächlichen, sondern auch seine musikalischen Wuzeln hat.

LoFi, und dann auch noch in Richtung Singer-Songwriter – da klingeln zunächst die Alarmglocken für den Soundtrack zum kitschigen Coming-of-age-Indiefilm des Sommers. "Prelude" klingt dafür allerdings zu klischeelos und – oft genug in den Singer-Songwriter-Gefilden propagiert, aber selten eingehalten – ehrlich. Für Allüren war bei den selbst auferlegten Einschränkungen schlichtweg kein Platz. Was übrig bleibt, sind starke Songs und pure, rohe, erschöpfte Emotionen von 22 Uhr abends bis 4 Uhr morgens.

(Anton Stechonin)

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Highlights

  • Meta, fall in line
  • Like a kid

Tracklist

  1. Meta, fall in line
  2. Your nomenclature
  3. Will you be down?
  4. Synapsis will pay
  5. Los Angeles
  6. Tale of us
  7. Fade out
  8. Like a kid
  9. Sonoran strange
  10. Meaningless and blithery

Gesamtspielzeit: 25:20 min.

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Armin

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2018-03-29 20:38:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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