Spanish Love Songs - Schmaltz

Spanish Love Songs- Schmaltz

Uncle M / Cargo
VÖ: 30.03.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Spielt denselben Song noch mal!

Irre, wie schnell man mit den halbgaren Vorwürfen bei der Hand ist, solange es nur um die anderen geht. Wie schmerzhaft man die Augen verdrehen kann, wenn man merkt, dass anderswo immer noch Bands als der heißeste Scheiß abgefeiert werden, denen man sich als ordnungsgemäß durchdistinguierter Hobbymusikkritiker natürlich schon seit einer gefühlten Ewigkeit entwachsen glaubt. Ach, die Beatsteaks. Ach, die Foo Fighters. Die gibt's alle noch? Dabei sollten – der Rezensent selbstverständlich eingeschlossen – die meisten lieber erst einen Blick in den Spiegel statt einer dicken Lippe riskieren. Bei mir jedenfalls liegen Spanish Love Songs auf dem Tisch und mit ihnen die Feststellung, mal wieder irgendwo im Bereich zwischen Punkrock, Pop-Punk und verdammten Hymnen unterwegs zu sein.

Alle, die jetzt "schon wieder?", seufzen haben natürlich recht. The Smith Street Band, Pup, Tiny Moving Parts, Modern Baseball, The Flatliners, die Liste ist ohnehin schon zu lang. Man kommt einfach nicht vorbei an der Frage, was nun genau "Schmaltz", das zweite Album von Spanish Love Songs, abseits seines Titels so erwähnenswert macht. Man muss sogar zugeben, dass die Argumente, wie eigentlich immer, die gleichen sind. Melodien, Leidenschaft, Bock, Ihr wisst ja, wie das läuft. Klar ist man bestens vorbereitet auf das, was einen auf so einer Punkrock-Platte ungefähr erwarten könnte und doch erwischt einen das Quintett aus Los Angeles mit spielerischer Leichtigkeit auf dem falschen Fuß. Nicht nur ein bisschen übrigens, sondern eher in der Form, die einen für längere Zeit in einer Mischung aus Freude und Überraschung am Boden zurücklässt. Und zwar so nachhaltig, wie es – so weit lehnen wir uns hier mal gerne aus dem Fenster – wohl zum letzten Mal The Menzingers mit "On the impossible past" geschafft haben.

Was natürlich an der grundsätzlichen Ähnlichkeit im Sound der beiden Bands liegt. Vor allem aber an all dem, was dieses Album mitbringt. Über knapp 40 Minuten ist hier mit Ausnahme des akustischen Rauswerfers "Aloha to no one" permanent Druck auf dem Kessel, ohne dass die Chose ins Hektische abzurutschen droht. Stellvertretend sei als Beispiel das rasante "Sequels, remakes and adaptions" angeführt, das so ziemlich alle Stärken dieses Albums auf den Punkt bringt. Eine Melodie, die man zwar bestimmt schon mal irgendwo gehört hat, die sich aber tief ins Hirn fräst, ein mitreißender Vortrag und immer wieder Singalongs, auf die auch My Chemical Romance in ihren besseren Zeiten stolz gewesen wären. Und im Hinterkopf denkt man so ein wenig an "Burn after writing" von The Menzingers und stürzt sich ohne Netz und doppelten Boden kopfüber in das Stück. So funktionieren diese Songs ein ums andere Mal und treffen voll ins Schwarze. Dass mit "Carl" dabei eine Nummer vom Laster fällt, die auf keiner Best-of-Punkrock-Compilation fehlen darf, macht die Sache umso besser.

Überhaupt scheint die Band gerade zur Halbzeit der Platte Spaß daran zu haben, immer noch einen drauf zu setzen. Bei Songs wie "Carl", "The boy considers his haircut" oder "Joana, in five acts" will man sich nicht festlegen müssen, welches Stück jetzt wirklich die meisten Kühe vom Eis holt. Macht aber auch nichts. Es reicht völlig, dass man hier elf hervorragende Antworten auf die Frage, warum man hier jetzt schon wieder mit einem Punkrock-Album ankommt, serviert bekommt. Auf dem Silbertablett, wohlgemerkt. Schon irre, wie viel Spaß die Wiederkehr des immer Gleichen machen kann. Vor allem, wenn zur gelungenen musikalischen Umsetzung noch Texte kommen, die das Wort "Selbstreflexion" nicht nur vom Hörensagen kennen. Und spätestens, wenn "Joana, in five acts" zum Finale ansetzt, schreit man nach der Zugabe. Spielt denselben Song noch mal!

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Sequels, remakes and adaptions
  • Carl
  • The boy considers his haircut
  • Joana, in five acts

Tracklist

  1. Nuevo
  2. Sequels, remakes and adaptions
  3. Bellyache
  4. Buffalo buffalo
  5. Carl
  6. The boy considers his haircut
  7. El nino considers his failures
  8. Joana, in five acts
  9. Beer & nyquil (hold it together)
  10. It's not interesting
  11. Aloha to no one

Gesamtspielzeit: 39:22 min.

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ToniDoppelpack

Postings: 111

Registriert seit 14.06.2013

2018-04-10 14:02:27 Uhr
Die Meinung scheinst du ziemlich exklusiv zu haben, auch wenn man etwas nach Rezensionen googelt, die alle sehr sehr positiv sind, soweit ich sehe. Versuch es doch nochmal, vielleicht entdeckst du die Hits ja noch.
kann ich...
2018-04-10 12:44:39 Uhr
... ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. klingt für mich einfach nach einer deutlich schwächeren Version von Gaslight oder Menzingers, deren Hitqualitäten erreichen die Songs jedenfalls bei weitem nicht.
Editor
2018-04-10 12:24:32 Uhr
Zuviel positive Werbung hier. Muss ich kaufen.

MartinS

Postings: 428

Registriert seit 31.10.2013

2018-04-10 12:08:12 Uhr
Ich habe hierzu einen Nachtrag zu machen:
Als ich den Text abgegeben habe, hatte noch ein kleines Stück weit Angst, dass die anfängliche Begeisterung zu einer auf Dauer vielleicht zu hohen Wertung geführt hat.
Inzwischen hat sich das nicht nur gelegt, sondern würde ich auch meinen, das es nicht viele Punkrock-Alben gibt, die mit dieser Platte mithalten können. Saugut ist das.
Eins noch: Die Gitarre am Ende von "Nuevo" habe ich fast 1:1 schon mal in einem anderen Song gehört, ich komm nur seit Wochen nicht drauf wo?!

Petr

Postings: 61

Registriert seit 14.06.2013

2018-04-09 23:57:30 Uhr
kurz und bündig: Album des Jahres bisher!

Menzingers ganz klar erste Referenz, aber wie Polster schon sagt, klar besser als die zuletzt waren und wie die Rezension so schön sagt, auf Augenhöhe mit deren "on the impossible past". Ein bisschen weniger abwechslungsreich, aber dafür packender und berührender von Lyrics und Songwriting her.
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