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Evanescence - Fallen

Evanescence- Fallen

Epic / Sony
VÖ: 28.04.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwarze Witwe

Viel zu lachen hat die Tonträgerindustrie im Moment ja wirklich nicht. Keiner will mehr für seine Musik bezahlen, die Großen verschlucken die Kleinen und jeder bangt um seinen Job. Da muß sich der Talentscout, der als erster von Evanescence Wind gekriegt hat, schon gefühlt haben, als fielen Weihnachten, Ostern und der Todestag seiner Schwiegermutter aufs gleiche Datum. Was ihm da entgegenwehte, roch nämlich nicht nur nach mehr Kohle, als selbst Michael Jackson verplempern könnte, sondern auch nach Beförderung. Altbekanntes aus Metal und Rap, dazu ein sexy Gothic-Vamp hinterm Mikrofon. Besser geht's ja gar nicht, schließlich ließ sich mit Minderheiten schon immer gut Kohle machen. Kaum zu glauben, daß vorher noch niemand auf diese Idee gekommen war.

Danach kam es natürlich, wie es stets zu kommen pflegt. Zunächst wurde das Image der Truppe perfektioniert, sprich: die Anwesenheit männlicher Mannschaftsteile so gut als möglich unter den Tisch gekehrt. "Bring me to life", der massentauglichste aller Evanescence-Songs kam auf dem Soundtrack des Superhero-Streifens "Daredevil" unter, und schließlich stand fest: Diese Band wird groß rauskommen. Amerikas Jugend schnallte sich die Stachelhalsbänder um, stürmte die Plattenläden, und das blasse Gesicht der mysteriösen Frontfrau machte von nun an in Millionen Kinderzimmern ernste Miene zum bösen Spiel. Mission accomplished.

Jenes düstere Wunderkind heißt übrigens Amy Lee, ist gerade mal 20 Jahre alt, spielt Klavier und singt nun auch Europa ihre Leidensgeschichte vor. "Wake me up inside / Call my name and save me from the dark" heißt es zu scharf gewürzten Raps und Riffs in besagter Erfolgssingle. Ob Amy nun leidet, weil man sich heute als dunkle Seele schon mal einen schiefen Blick einfängt, ihr Kajalstift abgebrochen ist, oder hinter ihr eine bestenfalls mittelprächtige Band durch die 11 Songs auf "Fallen" stümpert, tut da nichts zur Sache. Wichtig ist: Sie leidet. Habt ihr gehört, Kinder? Natürlich nicht. Es haben ja alle nur noch Augen für Amy.

Die Musik verkommt bei Evanescence derartig zur Nebensache, daß es fast müßig ist, zu erwähnen, wie maßanzüglich sie der genannten Zielgruppe auf den Leib geschneidert wurde. Die Gitarren knattern im hohen Drehzahlbereich, ausreichend Geigen sorgen für morbide Gothic-Stimmung, und ein bißchen Elektronik lockert das stramme Spektrum der Platte. Hand und Fuß hat das ja. Herz und Hirn nicht. Ganz egal, ob Evanescence nun wütend in die Vollen langen, oder Amy sich allein am Klavier in Nachdenklichkeit übt - es hört sich immer nach einer Band an, bei der die Homepage vor dem Album fertig war.

"Going under" klingt zum Auftakt, als hätte man die Guano Apes in einer Gruft weggesperrt. Ein Gedanke, mit dem man sich gerade angefreundet hat, als "Haunted" zunächst vielversprechend piept und zirpt, dann aber mit Muckibuden-Gitarrensolo und gleichzeitig lospolterndem Kirchenchor nur knapp an den sieben Todsünden der Musik scheitert. Und wenn Amy später ihr Opernorgan in "Hello" am Klavier reibt, könnte das auch Tori Amos sein, die sich einen üblen Scherz erlaubt. "Spice Girls on stereoids" sagen manche. Linkin Park für Mädchen wir. Und in drei Wochen kommt dann die Gothic-Barbie auf den Markt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Bring me to life

Tracklist

  1. Going under
  2. Bring me to life
  3. Everybody's fool
  4. My immortal
  5. Haunted
  6. Tourniquet
  7. Imaginary
  8. Taking over me
  9. Hello
  10. My last breath
  11. Whisper

Gesamtspielzeit: 44:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

VelvetCell

Postings: 10011

Registriert seit 14.06.2013

2026-03-06 10:12:43 Uhr
Beitrag von 2003:

"ihr wollt mir sagen das evanescence die in denn top 10 der us charts und in unseren sind scheisse sind!!

Zum Beweis, dass Charterfolg logischerweise was mit musikalischer Qualität zu tun haben muss, hier mal die aktuellen Albumcharts der USA und der Bundesrepublik:

Billboard Album Charts Issue Date:May 10, 2003
1. Madonna - American Life
2. 50 Cent - Get rich or die tryin'
3. Kelly Clarkson - Thankful
4. Linkin Park - Meteora
5. Cher - The very best of Cher
6. Norah Jones - Come away with me
7. Evanescence - Fallen
8. Fleetwood Mac - Say you will
9. Various Artists - Now 12
10. 50 Cent - The new breed

Deutsche Album Charts vom 02.05.2003
1. Madonna - American life
2. Linkin Park - Meteora
3. Wolfsheim - Casting shadows
4. HIM - Love metal
5. Norah Jones - Come away with me
6. Robbie Williams - Escapology
7. Simply Red - Home
8. Nena - 20 Jahre: Nena feat. Nena
9. Deutschland sucht den Superstar - United
10. Herbert Grönemeyer - Mensch

Ich zähle insgesamt 4 gute Alben, davon eine Doppelnennung..."

Aus heutiger Sicht gar nicht mal so scheiße. :D

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 11955

Registriert seit 23.07.2014

2026-03-06 09:30:16 Uhr
Ich find ja den Nachfolger noch ein gutes Stück stärker. Alleine der Opener dort ist so ein Brett.

Arne L.

Postings: 3281

Registriert seit 27.09.2021

2026-03-06 09:29:31 Uhr
Ok, jetzt wird's wild: Album heute auf dem Weg zur Arbeit mal wieder angemacht, weil Bock. Thread aufgemacht, gesehen, dass ich vor ungefähr einem Jahr geschrieben hab, dass ich schon vor zwei Jahren punktgenau den Thread geöffnet habe. Irgendwas scheint's ja mit der Jahreszeit und dem Album auf sich zu haben.

Die ersten vier Songs sind immer wieder eine Wucht und "Bring me to life" einfach der perfekte Karaoke-Song (ich bin natürlich Amy).

Mr Oh so

Postings: 3690

Registriert seit 13.06.2013

2025-02-03 19:00:07 Uhr
Mochte das Album schon immer und stehe da auch dazu.

Arne L.

Postings: 3281

Registriert seit 27.09.2021

2025-02-03 18:07:29 Uhr
Ziemlich genau ein Jahr später bin ich wieder hier, weil ich gerade "Going under" gehört hab und nicht wusste, ob ich das mal hier reingeschrieben hatte, haha.
Zum kompletten Thread

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