Soccer Mommy - Clean

Soccer Mommy- Clean

Fat Possum / Al!ve
VÖ: 02.03.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Anpfiff

"Was schaffen Sie alles in unter einer halben Stunde?", fragte Kollege Holtmann im August 2017 in seiner Rezension zu Soccer Mommys "Collection". Gehen wir doch noch einen Schritt weiter: Was haben Sie alles in Ihren ersten 20 Lebensjahren geschafft? Sophie Allison nämlich eine ganze Menge. Konnte sie mit ihrer eingangs erwähnten Songsammlung aus bereits veröffentlichten Stücken erste Aufmerksamkeit erregen, ist die Spannung vor Erscheinen ihres richtigen Studiodebüts "Clean" nur umso größer. Alles richtig gemacht also. Und da sich die Gute bereits ordentlich warmlaufen konnte, startet sie nun so richtig durch.

Die nächste Frage stellt sich sofort: Was haben Sie in den letzten zwei, drei Jahren alles erlebt? Allison beantwortet sie mit erdrückender Ehrlichkeit, wie sie vielleicht nur von Leuten in so jungem Alter kommen kann. Die erste Liebe, der erste Herzschmerz, die ersten Sorgen, die ersten Pläne – "Clean" ist ein Album voller erster Male und doch voller Unschuld. Melancholie und Verletzlichkeit gehen Hand in Hand, oft möchte man die Sängerin an ebendieser nehmen, ihr sagen, dass es weiß Gott nicht die letzten Male sind, aber doch alles gut wird. "I guess I'm only what you wanted for a little while", singt sie schon im reduzierten Opener "Still clean", der Sommer ist vorbei, der Flirt auch, das Gefühlschaos leider noch nicht.

"Clean" lebt von diesen Szenen, diesen tagebuchähnlichen Momentaufnahmen, an die sich wohl jeder erinnern kann, aber nicht unbedingt immer möchte. Und auch dafür hat Allison die passende Zeile parat: "And I choose to blame it all on you / 'Cause I don't like the truth", singt sie im zwischen Folk und Pop wandelnden "Flaw", das erst zum Ende den Knoten findet und alsbald zum Platzen bringt. Ganz anders das hochdramatische "Scorpio rising" oder auch "Last girl", das sich von Anfang an schnodderig-rotzig gibt, aber dem dann doch längst nicht alles so egal ist, wie es vorzugeben versucht. Wir reden hier immerhin von einem 20-jährigen Mädchen. Kommt schon.

Trotz dieses nicht immer ganz einfachen Wechsels zwischen Kindlichkeit und Erwachsensein bereitet "Clean" große Freude, weil es spürbar, hörbar authentisch ist. Der Neunzigerjahre-Slacker-Pop von "Cool", in dem sich Allison nicht entscheiden kann, ob sie sich von der besungenen coolen Mary lieber fernhalten sollte oder ob sie nicht doch lieber wie sie sein möchte, ist ebenso charmant-lässig wie das scheinbar aus der gleichen musikalischen Ära stammende "Skin". In ausgemergelten Chucks, zerrissenen Jeans und ausgebeultem Flanellhemd schrammelt sich die 20-Jährige, die offensichtlich lange nach der Hochphase ihrer Helden auf die Welt kam, durch jede Stimmungsschwankung und jede Gemütsform – und punktet am Ende nur umso mehr. Und das beste an "Clean"? Es ist noch immer erst der Anfang.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Cool
  • Last girl
  • Scorpio rising

Tracklist

  1. Still clean
  2. Cool
  3. Your dog
  4. Flaw
  5. Blossom (Waiting all my time)
  6. Last girl
  7. Skin
  8. Scorpio rising
  9. Interlude
  10. Wildflowers

Gesamtspielzeit: 34:49 min.

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Gomes21

Postings: 2443

Registriert seit 20.06.2013

2018-06-12 14:42:37 Uhr
Finds sehr gelungen, den Vergleich mit Baker - die mich überhaupt nicht anspricht - sehe ich nicht. Soccer Mommy ist cooler...

saihttam

Postings: 1084

Registriert seit 15.06.2013

2018-06-12 14:38:51 Uhr
Schönes Album. Wunderbar intime Atmosphäre mit dem nötigen Pep an den richtigen Stellen.
Mago
2018-03-19 10:33:03 Uhr
Finde die Rezension in Teilen sexistisch und diskriminierend.

"Es handelt sich um ein 20-jähriges Mädchen. Kommt schon."

Aha.

cargo

Postings: 124

Registriert seit 07.06.2016

2018-03-16 17:08:45 Uhr
Finde das Album auch extrem langweilig. Klingt wie Julien Baker und die ist schon unglaublich öde.
hm
2018-03-16 14:27:03 Uhr
Musik für RTL-Soaps.
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