Various Artists - Standing at the gates: The songs of Nada Surf's 'Let go'

Various Artists- Standing at the gates: The songs of Nada Surf's 'Let go'

Mardev / Broken Silence
VÖ: 02.03.2018

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Im Inneren der Liebe

"In the blizzard of '77 / The cars were just lumps on the snow / And then later trippin' at 7-11 / The shelves were stretching out of control." Kenner wissen längst Bescheid: Das sind die ersten Worte, die einst auf Nada Surfs Drittlingswerk "Let go" ertönten. Und nur kurz darauf folgte diese herzzerreißende Beichte: "I miss you more than I knew." Die passt wundersamerweise auch zum Empfinden diesem gutem Album gegenüber, wenn man sein Alter bedenkt. Kaum zu glauben, dass das Teil wirklich schon satte 15 Jahre auf dem nicht vorhandenen Buckel haben soll. Weil Geburtstage feiern aber Freude bereitet, gehen Matthew Caws & Co. mit ebendiesem alten, aber niemals alt gewordenen Meisterwerk sogar noch mal auf Tour. Und weil eine Fete mit vielen Leuten sogar noch viel mehr Freude bereitet, haben sich Freunde und Fans der Band zusammengetan, um mit "Standing at the gates: The songs of Nada Surf's 'Let go'" ein Cover-Album der besonderen Art aufzunehmen.

Denn wirkliche Ähnlichkeit zu den Originalstücken war bei diesen Neuaufnahmen nicht zwingend notwendig. Möglicherweise ist das auch besser so: An die Größe von einst dürften die Reinterpretationen ohnehin nicht heranreichen, und ein wenig Spielerei tut bei dem ganzen ausführlichen Feiern auch mal ganz gut. Und so stört es gar nicht, wenn Manchester Orchestra dem bereits erwähnen Opener "Blizzard of '77" seine einst so organisch-instrumentale Grundlage nehmen und durch gar spacige Harmonien eintauschen. Oder wenn Adia Victoria die verschwitzte Schwüle von "La pour ça" durch kindlich-naive Unschuld ersetzt und gegen Ende sogar um ein wenig Unbehagen erweitert. Und ebenso geht auch Holly Mirandas Versuch an "Killian's red" durch, das nun weniger große Hymne ist und viel mehr intimer Einblick ins Geheimversteck. Hat ja auch durchaus seinen Charme. Dass die Songs von "Let go" überhaupt so vielseitig wiederverwertbar sind, sagt viel aus über jenes Album, das irgendwann mal als eine Art letzter Versuch einer untergehenden Band galt, die Mitte der Neunzigerjahre zwar einen Hit mit "Popular" hatte, aber nur wenige Jahre später nicht mal mehr einen Plattenvertrag.

Umso schöner, dass genau diesem Rettungsring von einem Album, das sich im Laufe der Zeit für viele zum schönsten von Nada Surf entwickelte, nun eine solch kleine, aber feine Huldigung erfährt. Dass die nicht alle ins Schwarze treffen, wird gern entschuldigt: Die synthiegeschwängerte Neuauflage von "Blonde on blonde" durch Rogue Wave ist schlicht etwas zu glatt, um sich im Gehörgang festzusetzen, und Charly Bliss' niedliche Stimme passt einfach nicht so recht zum ansonsten gar nicht so veränderten "The way you wear you head". Alles geschenkt: Mit weiteren Coverversionen wie dem herrlich stürmischen "Happy kid" von Ron Gallo oder dem tief berührenden "Paper boats" von Aimee Mann – die ja selbst eine Art Klassiker ist – gestaltet sich "Standing at the gates: The songs of Nada Surf's 'Let go'" dennoch als rundum gelungener, liebevoller Rückblick. Nicht nur auf ein Wahnsinnsalbum, sondern auch auf die letzten 15 Jahre, in denen "Let go" den einen oder anderen großen Moment im eigenen Leben begleitet hat, schöne wie traurige, laute wie leise. Wie klasse es auch ist, dass die Songsammlung dieses Album, das international mit verschiedenen Tracklists erschien, mit Victoria Bergsmans "No quick fix" beendet. Und mit einer Zeile, die immer und immer wieder bezeichnend ist für die Liebe zu Nada Surf: "You belong to me / In my dreams."

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Happy kid (Ron Gallo)
  • Killian's red (Holly Miranda)
  • La pour ça (Adia Victoria)

Tracklist

  1. Blizzard of '77 (Manchester Orchestra)
  2. Happy kid (Ron Gallo)
  3. Inside of love (The Texas Gentlemen)
  4. Fruit fly (Ed Harcourt)
  5. Blonde on blonde (Rogue Wave)
  6. Hi-speed soul (The Long Winters)
  7. Killian's red (Holly Miranda)
  8. The way you wear your head (Charly Bliss)
  9. Neither Heaven nor space (William Tyler)
  10. La pour ça (Adia Victoria)
  11. Treading water (Eyelids)
  12. Paper boats (Aimee Mann)
  13. No quick fix (Victoria Bergsman)

Gesamtspielzeit: 55:47 min.

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musie

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Registriert seit 14.06.2013

2018-03-15 19:39:37 Uhr
das=dass sorry...

musie

Postings: 2193

Registriert seit 14.06.2013

2018-03-15 19:39:14 Uhr
und das Killian‘s Red so gut klingen kann ausserhalb Nada Surf hätt ich auch nicht gedacht

musie

Postings: 2193

Registriert seit 14.06.2013

2018-03-15 19:37:35 Uhr
Hi-Speed Soul wäre ein super Cover für Noel & seine Birds. Ist mir bisher gar nie eingefallen, aber nach dem Cover definitiv... Das liegt sogar fast auf der Hand...

musie

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Registriert seit 14.06.2013

2018-03-15 19:35:12 Uhr
wollte mir das album anfänglich gar nicht antun, let go ist zu perfekt. jetzt hab ich es mir doch geladen und bin völlig überrascht.

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-03-14 17:32:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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