Odd Couple - Yada yada

Odd Couple- Yada yada

Cargo
VÖ: 16.03.2018

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wetterfest

Irgendwann in den letzten Jahren ist es passiert: In den einschlägigen Kiezen Berlins stach der 80s-Schnauzbart die Dominanz des vorn verdichteten Hipster-Vollbarts aus. Der Behaarung an sich ging es nicht an den Kragen, weil im Urbanen längst die Neunziger wieder eingezogen sind, und mit ihnen der zottelige Grunge-Look. Zeitgleich setzte ein Revival furztrockener Gitarren ein, das in etwa klingt, als wären Jack und Meg White statt in schlandischen Fußball-Arenen ohne Vorwarnung in der Glam- und Krautrock-Zeit der Siebziger gelandet. Und mittendrin in der Hauptstadt zwei Exil-Ostfriesen alias Odd Couple, die die nordische Trockenheit und die natürliche Wortkargheit ihrer Landsleute in schüchterne und energische Musik zugleich übersetzen.

Odd Couple lassen Gitarrenriff einfach Gitarrenriff sein und hatten mit "Haste Strom, haste Licht" bereits 2016 einen ersten kleinen Hit. Das Duo Jascha Kreft und Tammo Dehn, mittlerweile um den Keyboarder Dennis Schulze zum Trio gewachsen, ist auch deswegen über die Stadtgrenzen Berlins hinaus bekannt, weil der bluesgetünchte Garage- und Krautrock mit vornehmlich deutschem Sprech-Singsang nicht nur Ostfriesen spanisch vorkommt. "Yada yada" klingt in diesem Zusammenhang sicherlich auch gaga, meint wohl nur ähnlich viel wie "Bla bla". Die Musik der Nordlichter jedoch zehrt in ihrer Attitüde von vorgetäuschter Antriebslosigkeit, mit der Odd Couple gerne kokettieren, angedeutet in Zeilen wie "Ich sag's Dir doch / Das Leben bringt nur Kummer / ... / Ich bin zu sensitiv für deinen Schlag" aus dem Opener "Bokeh 21". Doch letztendlich ist es vielmehr die tongewordene Lässigkeit in ihrem Sound, die sagt: Wir jammern nicht, wir stehen da natürlich drüber.

Zunächst eifert der Titelsong mit gekonntem Riffing bluesrockenden Vorbildern nach, doch verglichen mit ihrem bisherigen Output nimmt die Band sich auf "Yada yada" musikalisch deutlich mehr Raum. Davon zwackt sich allein erwähnter Opener schon ganze siebeneinhalb Minuten ab. Das Keyboard rückt im Mittelteil prominent ein, bringt psychedelische Klänge und elektronische Sprenkel mit, und lässt sich von trockenem Stakkato-Punk erst nach dem Countdown wieder einfangen und in ein tosendes Finale überführen – das man am liebsten jetzt schon live hören würde. Viele der mit einem Schuh im Blues steckenden, dabei in der ollen Space- und Krautrock-Kiste tönenden Stücke werden auf "Yada yada" zusehends "flügge" – so tauften die Wahl-Berliner übrigens ihren Vorgänger – und öffnen ihren Space-Garage-Kosmos für andere Elemente.

"Gib mir das" zum Beispiel überlässt HipHop-Flow, Psychedelia und Pop das Zepter. Der verstärkte Keyboard-Anstrich steht dem staubigen Grundtenor des Odd-Couple-Sounds gut, verleiht der Auskopplung "Vielfraß" Flügel. Das Trio weicht die zunächst starren Gitarrenwände auf, verpasst dem Stück einen frischen Anstrich: Wiederkehrende Gitarrenlines und Tonfolgen, die nicht nur die Klassiker der Siebziger, sondern auch deren moderne Adaption durch Tame Impala und Konsorten ins Spiel bringen. "Robotik" macht auch auf Englisch eine gute Figur und "Stiff" einen Heidenspaß, denn 70s-Punk- und Glamrock brauchen keine moderne Lizenz, wenn die Musik einfach in die Beine geht. Ähnlich hektisch knallt die Single "Katta" zum Refrain tiefe Gitarren in das tanzbare Strophenkorsett: "Ich komm gar nicht klar mit Stagnation / Keine Lust auf Prokrastination", halten Odd Couple fest und machen Berlin mit unkonventioneller, altbackener und zugleich moderner Rockmusik wetterfest. Zumindest gegenüber der penetranten Menschen, Leben, Tanzen, Welt-Brise, die Restschland längst eingenebelt hat.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Bokeh 21
  • Stiff
  • Vielfraß
  • Katta

Tracklist

  1. Bokeh 21
  2. Yada yada
  3. Stiff
  4. Vielfraß
  5. Katta
  6. Gib mir das
  7. Fangdannan
  8. Robotik
  9. Westend

Gesamtspielzeit: 42:54 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2018-03-14 17:30:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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